Der Mieterstreit um die vier alten Wohnhäuser am Steinengraben 30 bis 36 geht in die nächste Runde. Die Mieterinnen und Mieter freuten sich über die Mitteilung des Bundesgerichts, welches der Beschwerde gegen den geplanten Helvetia-Neubau aufschiebende Wirkung zugesprochen hatte. Gestern nahm die Eigentümerin, die Versicherungsgruppe Helvetia selber Stellung zu dem Fall, der im vergangenen Herbst schon geklärt schien.

Denn im September 2017 wies das Basler Appellationsgericht die Rekurse ab und gab in einer 34-seitigen Begründung grünes Licht für den Abriss. Doch nun feiert der Mieterverband zumindest einen Etappensieg. Der Fall wird in Lausanne verhandelt und bis zum Urteil fahren die Abrissbagger nicht vor.

Helvetia vertraut auf das Gericht

Hansjörg Ryser, Mediensprecher bei der Helvetia, bedauert den Entscheid: «Wir hätten gerne schon früher angefangen, aber wir haben uns an die Gesetze zu halten.» Ryser betont aber, dass dem Bundesgerichtsentscheid keine grössere Bedeutung zugeschrieben werden muss. «Wir sind von der Qualität und der Rechtmässigkeit des Projekts überzeugt und sind zuversichtlich, dass das Bundesgericht zum gleichen Schluss kommen wird», sagt Ryser. Einen Plan B wollen die Verantwortlichen bei der Helvetia noch nicht präsentieren.

Dagegen zeigt man sich bei der Helvetia enttäuscht vom Verhalten der Mieter. Ihnen sei von Anfang an klar gewesen, dass die äusserst günstigen Wohnungen nur solange gemietet werden können, bis eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt, so Ryser. Das sei sogar im Mietvertrag so festgehalten worden. «Es ist schade, dass die Bewohner diese Abmachung nicht respektieren», sagt Ryser.

Vorwurf: Alibi-Wohnungen

Die Helvetia will die in den 1870er Jahren erbauten Häuser durch einen modernen Büro-Wohnungs-Komplex ersetzen. Die Büroflächen plant die Versicherungs-Gruppe selber zu nutzen, die Wohnungen zu vermieten. «Die alten Liegenschaften sind zwar sehr schön, aber auch enorm rennovationsbedürftig», begründet Ryser. Dass kein Wohnraum verloren geht, war Bedingung für die Baubewilligung des Kantons. Die Mieter werfen der Helvetia vor, «den Büroklotz mit Alibi-Wohnungen zu tarnen». Wann das Bundesgericht urteilt, ist noch unklar.