Landhof-Areal

Erfolgreicher Kampf gegen Abriss-Pläne: Baudirektor Wessels krebst zurück

Hans-Peter Wessels. (Archivbild)

Erfolgreicher Widerstand: Der Kanton wollte auf dem Landhof-Areal Garagen abbrechen lassen, obwohl das Parlament noch gar nicht mitreden durfte.

Die Meldung schien harmlos. Vor zwei Wochen teilte das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) mit, zwölf Garagen auf dem Landhof-Areal räumen zu lassen. Es seien «gravierende Schäden und Sicherheitsmängel» zum Vorschein gekommen. «Ein Dach ist undicht, ein anderes muss von einem Karton und einem Besenstiel gestützt werden, von einem dritten lösen sich grosse Brocken», sagte BVD-Sprecher Daniel Hofer. Die Schäden seien von blossem Auge sichtbar.

Alles gar nicht wahr, sagen nun diverse Nutzer. Zahlreiche Vereine brauchen die Garagen als Lagerräume für ihr Material. Die Pfadi Blauen, der Frisbee-Club Freespeed, die Muttenzerkurve, die Kinder- und Jugendarbeit des Kantons. Per Mail wurden sie informiert, dass sie sich neue Lagerräume suchen müssen. Eine «massive» Überraschung sei das gewesen, erzählt ein Nutzer: «Die Garagen sind überhaupt nicht in einem desolaten Zustand.»

Kanton liess Garagen kein einziges Mal überprüfen

Alle angefragten Nutzer teilen diese Einschätzung. «Die Garagen sind sicher in die Jahre gekommen. Wir bezweifeln aber den aus Sicherheitsgründen verfügten Nutzungsstopp», sagt einer von ihnen. Dass die Mitteilung des Kantons mit dem Projekt «Landhof für alle» schliesse, lasse vermuten, dass eine politische Komponente mitspiele. Der Entwurf sieht vor, das ganze Freizeitareal umzugestalten. Auch der Bau eines unterirdischen Parkhauses steht zur Debatte.

Nun krebst Departementsvorsteher Hans-Peter Wessels zurück. Mit den Recherchen der «Schweiz am Wochenende» konfrontiert, will das BVD die Garagen doch nicht räumen und stattdessen erst extern prüfen lassen, wie sicher die Bauten sind: «Ein Statiker wird nun die Stabilität der Garagen vertieft abklären. Im Sinne einer pragmatischen Lösung können die Garagen bis dahin weiter genutzt werden», schreibt Hofer.

Sanierung war keine Option

Zuvor verstrickte sich das BVD in seinen Argumentationen. Dabei wurde klar: Eine Sanierung der Garagen ist für den Kanton keine Option. «Der Abbruch aller Garagen ist im Ratschlag zur Sanierung und Öffnung des Landhofs seit langem vorgesehen», schrieb Hofer. Allerdings sind die Garagen nicht explizit aufgeführt, sondern bloss bei den Abbruchkosten miteinberechnet.

Dass der Ratschlag vom Grossen Rat noch nicht abgesegnet wurde, spielte offenbar keine Rolle. Aufhorchen lässt auchder Zeitpunkt der Räumung. Eigentlich müsste der Kanton seine Gebäude alle fünf Jahre überprüfen lassen. «Dem Verantwortlichen des Hochbauamts war aufgefallen, dass der Zustand der Garagen bislang nicht erfasst worden ist», so Hofer. Das, obwohl die Garagen seit den Achtzigerjahren auf dem Areal stehen. 

Für die IG Landhof ist klar: Der Kanton will vollendete Tatsachen schaffen, bevor die Landhof-Umgestaltung ins Parlament kommt. Hofer bestreitet das. Relevant seien einzig Sicherheitsaspekte. Auf den laut Nutzern noch guten Zustand der Garagen angesprochen, gibt Hofer zu, tatsächlich seien neun Garagen – also die grosse Mehrheit – in einem besseren Zustand als die drei eingangs erwähnten Beispiele. Ein Abbruch der Garagen wäre für Mirko Ulbl, der die Kleinbasler Kinder- und Jugendarbeit auf dem Landhof leitet, ein Affront. Er spricht von «kostbarem Stauraum», der in der Stadt fehle. «Wir fühlen uns vor den Kopf gestossen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass man die gemeinnützige Nutzung aus dem Landhof-Areal rausekeln will.»

«Vorgehen des Kantons irritiert mich sehr»

Auch Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher ist skeptisch. «Dass der Kanton die Lage jetzt plötzlich anders einschätzt, macht mich sehr misstrauisch», sagt er. Die Räumung sei schliesslich bereits kommuniziert worden. Er werde nun abwarten, was die Analyse ergebe. «Auf jeden Fall bleibe ich am Thema dran. Das Vorgehen des Kantons irritiert mich sehr.»

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