Nach 130 Jahren steht der bei der Kaserne beheimatete Rhein-Club Basel (RCB) vor einer ungewissen Zukunft. Grund sind der Kasernenumbau, sowie die nicht koordinierte Errichtung eines Maschendrahtzauns gegen Wildpinkler, welcher Vereinslokal und Bootshaus vom Rhein abschneidet. Die Weidlinge und Langboote des RCB müssen nun von der Stadtgärtnerei per eigens aufgebotenen Kran über den Zaun gehievt werden.

Vereinspräsident André Rotach sieht sich von der Stadt ignoriert und drangsaliert. «Falsch», sagt Roland Frank, stellvertretender Leiter der für den Umbau der Kaserne zuständigen Abteilung «Kantons- und Stadtentwicklung» im Präsidialdepartement. «Wir haben grösstes Interesse daran, dass der traditionsreiche Rhein-Club seine Aktivitäten in der bisherigen Form weiterführen kann. Das gehört zur Atmosphäre des Ortes.»

Wohin mit den Trophäen aus 130 Jahren Vereinsgeschichte und all den Bojen, Schwimmwesten und Ankern, RCB-Präsident André Rotach weiss es noch nicht.

Wohin mit den Trophäen aus 130 Jahren Vereinsgeschichte und all den Bojen, Schwimmwesten und Ankern, RCB-Präsident André Rotach weiss es noch nicht.

Man sei mit dem Rhein-Club Basel schon länger in Kontakt. So habe die Kantons- und Stadtentwicklung mit dem RCB mehrere Gespräche geführt, die zur Fristerstreckung bis Ende Juni 2016 geführt haben, so Frank. André Rotach erinnert sich nur an ein einziges informelles Gespräch mit Jacek Rokicki, Koordinator Kasernenareal in der Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung. Dabei sei nichts definitiv fixiert worden. Roland Frank verweist auf vorliegende Aktennotizen, welche das Resultat der Treffen festhalten würde. Dabei sei zum Beispiel bezüglich des Maschendrahtzauns von Stadt und RCB gemeinsam entschieden worden, dass der Zaun «testhalber» im 2015 beizubehalten sei. Gleichzeitig habe sich die Stadtgärtnerei bereit erklärt, bei der Ein- und Auswasserung des grossen Weidlings mit einem Kranwagen kostenlos zu helfen. Das funktioniere ja gut, so Frank.

Marktübliche Konditionen

Auch bezüglich des Lager-und Archivraumes, welcher der RCB seit Jahrzehnten im Untergeschoss der Kaserne unterhält, sei es nie die Absicht gewesen, die Wasserfahrer zu vertreiben. «Es war immer sicher, dass der Rhein-Club Basel wieder einen Raum in der Kaserne bekommt», betont der Stadt- und Kantonsentwickler. Während des Kasernenumbaus ab Frühling 2017 solle das RCB-Material in Containern gelagert werden. Nach Ende der Umbau- und Sanierungsarbeiten könne dem Rhein-Club dann im Kasernenhauptbau ein geeigneter Raum für zwingend vor Ort zu lagerndes Material vermietet werden. Dieser werde allerdings kleiner sein. Es sei ausserdem vereinbart worden, dass der Rhein-Club bis Ende April 2015 den künftigen Raumbedarf schriftlich mitteile. «Dies ist bis heute nicht geschehen», so Frank. Davon wisse er nichts, so André Rotach. Ihm sei weder mitgeteilt worden, dass sein Verein auf sicher einen Raum in der Kaserne bekomme, noch dass der RCB die benötigten Quadratmeter bis April hätte angeben müssen. Es sei nur kommuniziert worden, dass die Wasserfahrer denselben ehemaligen Kohlekeller wieder mieten könnten wie bisher, allerdings zu «marktüblichen Konditionen» von 80 Franken pro Quadratmeter. Dies sei ein Mehrfaches des bisherigen Mietzinses und übersteige die Möglichkeiten des Rhein-Clubs.

Schwierige Kommunikation

Offenbar scheint es mit der Kommunikation zwischen Wasserfahrern und Stadtentwicklern nicht weit her zu sein. Deutlich wird dies am Beispiel des Vereinsarchives. So verweist André Rotach darauf, dass im einzigen Gespräch mit dem Kanton das Schicksal der Akten und Trophäen aus 130 Jahren Vereinsgeschichte nur en passant besprochen worden sei. Vielleicht könne man das Staatsarchiv dafür interessieren, sei ihm gesagt worden. Seither habe er nichts mehr gehört.

Roland Frank betont hingegen, dass sich der RCB-Präsident selber beim Staatsarchiv hätte melden müssen. «Unsere Abklärungen mit dem Staatsarchiv haben ergeben, dass ein grundsätzliches Interesse besteht, das Vereinsarchiv zu übernehmen. Dies wurde dem Rhein-Club Basel mitgeteilt», so Frank. André Rotach hört auch dies zum ersten Mal. Unklar sei ihm vor allem auch das weitere Vorgehen, dass Roland Frank gegenüber der bz so skizziert: «Der Regierungsrat wird voraussichtlich im Herbst 2015 den Ratschlag zum Umbau und zur Sanierung des Kasernenhauptbaus zur Behandlung an den Grossen Rat weiterleiten. Sobald ein rechtsgültiger Grossratsbeschluss zur Ausgabenbewilligung vorliegt, können wir die Räumlichkeiten festlegen und mit dem Rhein-Club einen neuen Mietvertrag unterzeichnen.» Auch vom in Aussicht gestellten Mietvertrag hörte der Präsident des Rhein-Clubs nach eigenen Angaben gestern via bz zum ersten Mal.