Königinnenschwumm

Erholsames Schlottern im frostigen Rhein: Passioniertes Winterschwimmen ist nichts für Warmduscher

Am Sonntag versammeln sich Freunde des nass-kalten Vergnügens bei der Sankt-Alban-Fähre zum jährlichen Königinnenschwumm.

Die Sonnenstrahlen spiegeln sich im Rheinwasser, unter dem wolkenlosen Himmel flaniert ein junges Elternpaar gemütlich dem Flussufer entlang, eine Dame im Badekleid schreitet mit ruhigen Schritten ins kühle Nass. Die Vögel zwitschern bereits in den Baumkronen, alles deutet auf einen warmen Frühlingstag hin. Doch der Schein trügt: Die Spaziergänger sind dick in Wintermantel und Schal eingehüllt, ein eisiger Wind weht, das neue Jahr steht vor der Tür.

Die Frau, die sich gleich ins knapp sieben Grad kalte Wasser legt, ist passionierte Winterschwimmerin. Dora Moser heisst die Organisatorin des jährlichen Basler Königinnenschwumms: «Wahnsinniges Wetter heute», freut sie sich und erzählt, weshalb sie heute nicht mehr den Wetterbericht studiert, bevor sie in Badekleidung Richtung Rheinufer marschiert.

Selber bestimmen können, wann die Badesaison endet

Entwickelt hat sich Mosers Passion vor über vier Jahren. Nachdem sie sieben Jahre in der Ostschweiz gelebt hatte, kehrte sie nach Basel zurück. Wie in vergangenen Tagen verbrachte sie in ihrer Lieblingsstadt wieder viele Stunden am und im Rhein. Bis dann plötzlich die Blätter von den Bäumen fielen und der Herbst Einzug hielt. «Wieso soll ich mir deshalb eine geliebte Beschäftigung wegnehmen lassen?» fragte sie sich und fasste einen Entschluss. Von nun an liess sie sich von nichts und niemandem mehr vorschreiben, wann die Badesaison zu enden habe.

Die stolze Meerjungfrau auf ihrem Felsen.

Die stolze Meerjungfrau auf ihrem Felsen.

Das ist auch einer der Aspekte, die sie heute noch am Winterschwimmen begeistern: die Freiheit. Bald habe sie bemerkt, dass es lediglich eine Frage der Gewöhnung sei: «Kälte ist nur eine Vorstellung. Im Laufe der Zeit habe ich mich mit ihr angefreundet», so Moser. Als zweiten Aspekt nennt sie die Naturverbundenheit. Schon immer sei sie der Überzeugung gewesen, dass wir nicht andauernd um die Welt jetten und in andere Länder reisen müssen, um erfüllt zu leben: «Mein Motto lautet: Spare 100 Prozent, indem du nichts kaufst. Es ist doch alles schon da, was wir zum Leben brauchen», so Moser.

Die Entscheidung, ein jährliches Event zu organisieren, sei dann relativ spontan gefallen. Vor drei Jahren habe sie am 31. Dezember zusammen mit ihrem Partner einen Film gedreht, um Freunden ein frohes neues Jahr zu wünschen. Als sie eine Szene im Fluss drehten, winkten ihnen Leute vom Flussufer zu, lachten, applaudierten. Da die Menschen anscheinend Freude daran fanden, organisierte Moser wenige Tage danach das erste gemeinsame Winterschwimmen zum Königstag: «In so vielen Schweizer Städten gibt es bereits jährliche Schwimmanlässe im Winter. Weshalb ausgerechnet in der Badestadt Basel nicht?».

Mit einer Gratisdosis Adrenalin die Zellen in Ekstase versetzen

Kalt ist Moser nicht, als sie aus dem Wasser steigt und an die nochmals rund fünf Grad kältere Luft tritt: «Man fühlt sich so, als könnte einem die grösste Kälte nichts mehr anhaben», sagt sie. Lediglich an den Füssen und Händen friere sie ein wenig.

Diesen wundersamen Moment umschreibt sie mit dem Bild der «Körperzellen in Ekstase». Nicht umsonst nennen sich ihr Partner und sie als Winterschwimmtruppe «Rhy-Extase». Die eisige Kälte gebe einen kostenlosen Adrenalinschub, nach dem Badegang fühle sie sich jeweils wach und präsent, gleichzeitig aber auch sehr entspannt. Diesen Sonntag ergibt sich am dritten Basler Königinnenschwumm die Möglichkeit, selbst die frostige Erholung zu erleben.

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