Halten wir etwas nüchterner fest: Der Rechtspopulist ist einer der schillerndsten Politiker in der jüngeren Basler Geschichte. 1984 wurde er – als damals jüngster Kantonsparlamentarier der Schweiz – für die Nationale Aktion (später Volks-Aktion) in den Grossen Rat gewählt.

Jahrelang hielt er den Parlamentsbetrieb mit ausländerfeindlichen und sexistischen Parolen auf Trab. 1989 sagte er etwa dem Journalisten Peer Teuwsen: «Ich würde mich freuen, belagerten anstelle von 3000 Türken 3000 Italienerinnen und jugoslawische Girls die Stadt.»

«Weber-Viertelstunde» im Rat

«Eric Weber wurde schon mal ausfällig», erinnert sich SP-Grossrat Jürg Meyer, der damals als Mitarbeiter der «Basler Zeitung» aus dem Grossen Rat berichtete. Wurde im Parlament eine der vielen Interpellationen des Rechtsaussen behandelt, so gingen die Journalisten und viele Grossräte Kaffee trinken. «Wir nannten das die Weber-Viertelstunde», sagt Meyer.

1992 war Schluss mit dem Polit-Klamauk: Nach Einführung der 5-Prozent-Hürde schaffte es Weber nicht mehr ins Basler Parlament. Er verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Hof an die deutsch-tschechische Grenze, wo er sich als Journalist verdingte und wo er bis heute mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern lebt.

Doch nun will es der 48-Jährige nochmals wissen: Er tritt bei den Grossratswahlen vom 28. Oktober im Wahlkreis Kleinbasel an. Ein letztes Mal, wie er klarstellt. «Wenn es nicht klappt, so lasse ich es endgültig bleiben.»

Für viele Baslerinnen und Basler klingt das wie ein Versprechen. Weber ist es ernst: Im Gegensatz zu den letzten Kandidaturen bei kantonalen und nationalen Wahlen, die er von seinem deutschen Wohnort orchestrierte, hat er nun an der Feldbergstrasse mitten im Multikulti-Viertel eine Wohnung gemietet. «Ab Juni werde ich im Kleinbasel an jeder Wohnungstür klingeln», kündigt Weber an. Dafür sei er sich nicht zu schade.

SVP geht vorsorglich auf Distanz

Zudem hat Weber bei der SVP um politisches Asyl gebeten. Doch bei der stärksten bürgerlichen Kraft Basels scheint man vom stadtbekannten Aussenseiter nicht viel wissen zu wollen: Joël Thüring vom SVP-Sekretariat bestätigt gegenüber der «bz» zwar, eine informelle – jedoch keine offizielle – Anfrage Webers erhalten zu haben. «Diese wurde jedoch ablehnend beantwortet.» Erstens lasse die SVP als Kandidierende nur Parteimitglieder zu, was Weber nicht sei.

«Und selbst wenn dies der Fall wäre, könnte ich mir eine Kandidatur Webers bei uns aufgrund seines bisherigen Karriereverlaufs bei verschiedenen Parteien nicht vorstellen», stellt Thüring klar. Offen ist, ob die SVP Weber nach einer allfälligen Wahl in die Fraktion aufnehmen würde.

Weber ist vom Erfolg seines Comebacks überzeugt. Bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst erreichte er ohne jeglichen Wahlkampf zu betreiben immerhin 1596 Stimmen – mehr als mancher gestandener und geachteter Basler Politiker. Gegenüber der «bz» rechnet der gelernte Reisekaufmann seine Wahlchancen vor: Rund 350 Wählerinnen und Wähler müssten im Kleinbasel eine unveränderte Liste mit Weber an der Spitze einwerfen.

«Das schaffe ich.» Zupasskommt ihm das vom Grossen Rat im Juni 2011 revidierte Wahlgesetz: Die Sperrminorität beträgt neu vier anstatt wie bisher fünf Prozent; diese gilt zudem in jedem Wahlkreis separat. Zur Erinnerung: Bei seinem letzten Anlauf 2004 scheiterte Weber nur um wenige Stimmen an der 5-Prozent-Hürde. Allerdings hatte er nach den Wahlen ein Verfahren am Hals: Weber habe mit Bestechung und Wahlfälschung den erneuten Sprung ins Parlament versucht. 2008 wurde er hierfür zunächst vom Basler Strafgericht verurteilt. Allerdings wurde ihm die Strafe später erlassen.

Stolz auf Treffen mit Marine Le Pen

In den letzten 20 Jahren hat sich Weber immer wieder mit prominenten Rechtsaussen-Politikern gezeigt: Stolz zeigt er der «bz» Erinnerungsfotos mit Jean-Marie Le Pen, dessen Tochter Marine sowie Lega-Chef Giuliano Bignasca.

Ein Ausländerfeind will Weber aber nicht mehr sein, wie er im Gespräch mit der «bz» betont. «Ausländer raus – das geht nicht. Sie sind hier und das ist eine Realität.» Wie um seine Läuterung zu beweisen, hält Weber dem Journalisten die Migranten-Zeitung «Merhaba» hin, in der er in den letzten Monaten einige Artikel publiziert hat.

Im türkisch- und deutschsprachigen Monats-Blatt, das in der Schweiz in einer Auflage von 50000 Exemplaren erscheint, hat Weber nicht «nur» eine Reise-Reportage aus Dubai und Abu Dhabi publiziert, sondern auch eine Polit-Kolumne.

Darin gibt sich Weber versöhnlich: «Wenn die Schweizer (aus dem Kleinbasel, d.Red.) wegziehen, dann ist das der Fehler der egoistischen Schweizer. Das muss man mal sagen.» Gegen wen richtet sich denn Webers Furor, der sich auch heute bisweilen zeigt? «Gegen die Drogendealer», kommt es wie aus der Pistole geschossen. «Und gegen die Reichen auf dem Bruderholz.» Er wolle sich für die einfachen Leute und die Arbeiter einsetzen.

Läuterung nur ein Wahlkampf-Gag?

Nur zu gerne würde Weber in der Zeitung die Überschrift «vom Saulus zum Paulus» lesen. Interessanter ist jedoch, wie man in der Basler Polit-Szene, bei Webers Widersachern, dessen wundersame Wandlung kommentiert.

«Warten wir mal ab», äussert sich die türkischstämmige Basta-Grossrätin Sibel Arslan vorsichtig. Anstatt sich selber den Paulus-Titel zu geben, solle sich Weber lieber erst einmal beweisen. Arslan nennt Weber einen «auf seine Art speziellen, aber politisch ungefährlichen Mann». Sollte er sich tatsächlich verändert haben, würde sie das begrüssen.

Ähnlich äussert sich SP-Grossrat Mehmet Turan, den Weber in einem «Merhaba»-Artikel «Freund» nennt. Gegenüber der «bz» stellt Turan klar: Als Freund würde er umgekehrt Weber nicht bezeichnen.

Im Gegensatz zu anderen Grossräten, für die Weber eine Persona non grata sei, habe er kürzlich mit ihm gesprochen, erklärt Turan. Ob Webers Wandel nicht nur ein Wahlkampf-Gag sei, könne er nicht beurteilen. «Ich finde aber, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.» Eine Diskriminierung Webers wäre nicht richtig. «Schliesslich haben wir Türken vor 20 Jahren genau das erlebt.»