Christmas Tattoo und Basel Tattoo

Erik Julliard über seine Tattoos: «Wir bleiben weltweit die Nummer zwei»

Erik Julliard belebt das Christmas Tattoo wieder – und wird das Basel Tattoo redimensionieren.

Erik Julliard belebt das Christmas Tattoo wieder – und wird das Basel Tattoo redimensionieren.

Tattoo-Produzent Erik Julliard belebt das Christmas Tattoo neu – und wird das Basel Tattoo voraussichtlich redimensionieren. Die neue Zielgrösse der weltweiten Nummer Zwei aller Tattoos: 70'000 bis 80'000 Zuschauer.

Herr Julliard, Sie beleben das Christmas Tattoo wieder, das erst zwei Mal stattgefunden hat und das letzte Mal vor vier Jahren. Soll der Weihnachtsmann rückläufige Zahlen beim Basel Tattoo kompensieren?

Erik Julliard: Nein, auf keinen Fall! Das sind zwei ganz unterschiedliche Events. Die Pause entstand, weil wir uns 2015, also im Jahr darauf, auf die Jubiläumsshow des Basel Tattoo konzentrieren wollten. Wir sahen damals aber auch, dass die Besucherzahlen des Basel Tattoo leicht rückläufig waren und wollten eine mögliche Kannibalisierung der einen Veranstaltung durch die andere vermeiden. Die Umfragen nach dem Christmas Tattoo zeigten aber, dass die Kundschaft eine andere ist.

Sie diversifizieren also.

Genau, das war auch eine Bedingung für die Wiederaufnahme des Christmas Tattoo – dass wir wissen, dass wir andere Besucher haben. Die Absicht ist auch, eine Weihnachtsshow durchzuführen und kein Basel Tattoo mit Weihnachten. Das Basel Tattoo ist sehr traditionell ausgerichtet mit wenig Kitsch als solchem. Beim Christmas Tattoo  wollen wir richtig auf Showbusiness setzen. Mit Fahrzeugen, einem hundertköpfigem Chor, Weihnachtsmusik, Dekoration und so weiter.

Basel ist in der Weihnachtszeit sehr stark auf die Innenstadt fokussiert: Weihnachtsmarkt, Weihnachtsverkauf mit Beleuchtungen, Adventsgasse. Und Sie erweitern das Angebot… um eine Show?

Nun, eine grosse Weihnachtsshow gibt es bislang in Basel noch nicht. Wir haben zwar den Palazzo Colombino in der Rosentalanlage, aber das ist keine eigentliche Weihnachtsshow. Das ist mitunter ein Grund für die Wiederaufnahme des Christmas Tattoo. Der Untertitel lautet ja  Santas Weihnachtsfeier Wir wollen da erzählen, wie der Weihnachtsmann selbst Weihnachten feiert. Das ist der Kern Geschichte, die wir dieses Jahr kreieren.

Somit ist Ihre Weihnachtsshow kein weiterer Testversuch, sondern das Etablieren einer richtigen Show im Adventsangebot der Stadt?

Ein Versuch ist es sicher keiner mehr, aber ob es die Etablierung des Events ist, werden wir noch sehen. Aber natürlich ist dies das Ziel. Daher auch der Zeitpunkt: Auch nach vier Jahren Pause haben wir sehr viel Feedback erhalten. SRF war ebenfalls begeistert und wird die Show voraussichtlich im Fernsehen übertragen. Es gibt also eine Nachfrage. Natürlich muss sich erst noch zeigen, ob die 20‘000 Tickets auch verkauft werden können. Aber wir glauben an alle Elemente dieser Show: An den inhaltlichen Erfolg, an das Publikumsinteresse, an das Interesse der Partner.

Sie bespielen dieses Jahr auch gleich die frisch umgebaute St. Jakobshalle und damit eine ganz neue Infrastruktur. Was heisst das für die Show?

Im Gegensatz zum traditionell in eine Richtung spielenden Basel Tattoo bespielen wir die Bühnen in einem möglichst offenen Winkel, also auf alle Seiten hin. Mit dem Umbau der Halle haben wir auch ganz tolle Möglichkeiten dazu, es gibt also auf allen Tribünenseiten Tickets der Kategorie 1. Das wird den Charakter der ganzen Show massiv ändern, also etwa so, wie in einem grossen Zirkus oder eben: wie in einer Arena.

Sie haben rückläufige Zahlen beim Basel Tattoo bereits erwähnt, auch im vergangenen Jahr war der Anlass nicht ausgebucht. Dazu gehen auch die Buchungen der einträglichen Hospitality-Packages ebenfalls zurück. Warum?

Beim Basel Tattoo befinden wir uns in einer schwierigeren Lage als andere Events, da wir unsere Hospitality komplett selbst erschaffen müssen, also zum Beispiel in der Reithalle ein VIP-Catering einrichten und so weiter. Und das Basel Tattoo ist eine Open-Air-Veranstaltung, wenn es regnet, wird man eben auch nass, selbst wenn einige Bereiche gedeckt sind – auch hier wiederum selbst gedeckt. Da liegt es auf der Hand, dass wenn die Zuschauerzahlen zurückgehen auch der Hospitality-Bereich zurückgeht. Das Christmas Tattoo hat da eine andere Ausgangslage: In der St. Jakobshalle haben wir natürlich eine voll zur Verfügung stehende Infrastruktur. Das Resultat ist natürlich noch nicht genau absehbar, aber wir legen jetzt einfach mal los und schauen, was wir verkaufen können.

Wie aber beurteilen Sie nun den Ausblick fürs Basel Tattoo – zuschauermässig, in den kommenden Jahren?

Der Ausblick jetzt ist schwierig zu beurteilen. Der Ticketverkauf geht in der Tat etwas zurück. Und das kann zu einer Negativspirale führen, indem der Anlass dann aus der Perspektive des Besucherrückgangs beurteilt wird. Das wollen wir stoppen. Andererseits muss man aber sehen, dass wir nach wie vor schon 60‘000 Tickets verkauft haben. Wir sind bei einer Auslastung von 70 Prozent, das ist immer noch sehr gut. Aber klar gibt es noch freie Plätze. Spannend sind immer die Tickets, die zum Schluss noch verkauft werden.

Die Aufnahme des letzten Christmas Tattoo von 2014.

Und jetzt, redimensionieren Sie?

Wir müssen uns eines vor Augen halten: Im internationalen Vergleich der Tattoos – von Südafrika, bis Norwegen, von Schottland bis Amerika – ist es so, dass das Edinburgh Tattoo eine absolute Ausnahme ist, mit rund 240‘000 Zuschauern. Wir waren bis vor kurzem mit der Hälfte, also mit rund 120‘000 Zuschauern, auf Platz 2. Selbst wenn nun das Volumen des Basel Tattoo auf 70‘000 bis 80‘000 Zuschauer fällt, bleiben wir die weltweite Nummer Zwei der Tattoos. Was jetzt also passiert: Wir landen dort, wo wir hingehören. Das ist unsere Zukunft. Und nicht der Zustand des absoluten Hypes zwischen 2012 und 2015. Das war hervorragend, aber auch eine enorme Herausforderung. Jetzt landet der Helikopter quasi, und natürlich werden wir uns dem anpassen.

Steht das im Zusammenhang mit dem Umbau der Kaserne Basel?

Nein. Diesen Schritt machen wir mit null Sorge. Aus diversen Gründen: Wir sind von uns aus sehr gut aufgestellt in der Begleitung des Projekts. Wir sind stark involviert in die Zusammenarbeit mit den Behörden und anderen Zuständigen, das läuft wirklich gut. Und ich halte gerne fest: Der eigentliche Umbau betrifft nur das Kasernengebäude und nicht den Platz an sich. Uns wird in Zukunft etwa die gleiche Zahl Quadratmeter zur Verfügung stehen wie bislang. Diese Zusicherung haben wir schon in der Ära Guy Morin erhalten und die steht auf mehrere Jahre hinaus. Der Staat hat sich klar dazu bekannt: Das Tattoo findet statt. Und er steht dazu.

Und die Infrastruktur? Die wird ja weitgehend auch erneuert.

Klar, da werden wir in Zukunft Nachteile haben. Das wussten wir aber seit der Abstimmung. Das Gebäude selbst wird uns so nicht mehr zur Verfügung stehen, also für Technik, Sicherheitsmaterial, Stauraum, Garderobe. Wie das gelöst werden kann, ist noch unklar, aber wir warten nun mal ab und werden zu gegebener Zeit reagieren. Das alles wird ja erst aufs Tattoo 2019 ein Thema werden. Zusammenfassend kann ich also sagen: Die für uns wichtige Anzahl Quadratmeter ist also gegeben und wird es auch bleiben. Die Anzahl Kubikmeter ist noch unsicher, aber das werden wir überleben, denn die hat nichts mit der eigentlichen Show zu tun. Und wir haben noch keine Sekunde konkret daran gedacht, mit dem Basel Tattoo irgendwo anders hinzuziehen.

Meistgesehen

Artboard 1