Konkurs

Erneut Trauerspiel um Basler Party-Schiff: Offene Rechnungen und Pächter ist Konkurs

Mit dem Schiff, das am Basler Westquai liegt, erlebt der Gastronom Simon Lutz sein Waterloo.

Mit dem Schiff, das am Basler Westquai liegt, erlebt der Gastronom Simon Lutz sein Waterloo.

Am 23. August hat das Basler Zivilgericht den Konkurs gegen die Firma Luis AG eröffnet. Die Gesellschaft des Basler Gastronomen Simon Lutz ist überschuldet. Recherchen zeigen, wie es dazu kommen konnte.

Der Name Luis verweist auf die Gründer Lutz, der Betreiber des «Acqua» im Basler Nachtigallenwäldeli, und Agron Isaku, der den Club «Nordstern» führt. Gemeinsam übernahmen sie Anfang 2016 die Pacht des Schiffes «ExpoStar», das am Westquai liegt und als «Das Schiff» bekannt ist. Isaku plante und realisierte im Schiffsbauch seinen Club. Lutz sollte im Zwischen- und auf dem Oberdeck für die Gastronomie sorgen.

Der Umbau des Schiffes für geschätzte 1,4 Millionen Euro übernahm die niederländische Werft Tinnemanns, Vertragspartner war die Luis AG. Die Naveva AG war als Eignerin des Schiffes damit einverstanden und überwies auch 300'000 Euro, um Arbeiten zu bezahlen, die am Rumpf vorgenommen wurden. Im Juli 2016 kehrte das Schiff zurück, obwohl der Umbau nur teilweise fertig war. Der Club dislozierte vom Voltaplatz, doch die Gastronomie blieb brach.

Wenn zwei sich streiten, hat die Werft den Schaden

Über die Kostenaufteilung waren sich die Parteien Lutz und die Naveva immer weniger einig. Am Schluss blieb die Werft auf Rechnungen in Höhe von 502'628 Euro sitzen. Diese Summe zuzüglich Zinsen hat sie gerichtlich eingefordert und mit dem Urteil des Landgerichts Limburg vom 27. Juni 2018 auch zugestanden erhalten. Nach vorliegenden Informationen ist das Urteil angefochten und nicht rechtskräftig.

Unklar ist, wer wie viel zahlen muss, da die Werft die Rechnung «gemeinsam und einzeln» an die Luis und die Naveva richtet. Das Argument: Auch wenn die Luis eigentlicher Vertragspartner ist, erhält die Naveva ein wertvolleres Schiff und hat deshalb für den Betrag geradezustehen, wenn die Luis nicht zahlt. Dagegen legte die Naveva Beschwerde ein, da doch einzig die Luis in der Verantwortung stehe. Diese habe auch ein Vorkaufsrecht für das Schiff und könne dort den Zusatzaufwand geltend machen. Dies ist in einem neuen Urteil des Berufungsgerichts Hertogenbosch zu entnehmen, das die Beschwerde der Naveva ablehnte. Es liegt dieser Zeitung vor.

Mietausstände in Höhe einer halben Million

Auf Mitte 2018 kündete die Naveva den Mietvertrag mit der Luis, da sich angeblich Ausstände in Höhe von rund 300'000 Franken angehäuft hätten. Die Kündigung sei angefochten worden, erklärt die Naveva. Mittlerweile stehen die Forderungen bei gut 500'000 Franken. Isaku, der mit dem «Nordstern» als einziger für Einnahmen sorgte, stieg bei der Luis aus und gab die Aktien ab. Er hat für den Club mittlerweile einen eigenen Mietvertrag mit der Naveva abgeschlossen.

Nach der Liquidation der Luis ist nun das Konkursamt mit den Forderungen der Werft und des Schiffseigners konfrontiert. Wohl obsolet geworden sind damit allerdings die Pläne, dass Lutz das Schiff rheinaufwärts zum Hafenkran verlegt, seinem neuesten Gastroprojekt ist. Beim Relikt aus vergangenen Hafenzeiten, das Novartis der Stadt schenkte, sollte bereits seit vergangenem Jahr ein neuer Buvetten-Hotspot entstehen. Neuer provisorischer Eröffnungstermin ist der kommende Sommer.
Simon Lutz hat sich gestern auf Anfrage zeitlich nicht in der Lage gesehen, Stellung zu beziehen.

Verwandte Themen:

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1