Wenn Sie in Basel wohnen, haben Sie sich vielleicht auch schon gewundert: Einmal im Jahr erhalten Sie einen Brief, in dem Ihnen mitgeteilt wird, dass sie 62 Franken erhalten. Dazu gibt’s jeweils ein paar Tipps, wie Sie noch besser Strom sparen können.

Dahinter steckt die vom Basler Parlament beschlossene Lenkungsabgabe für einen massvolleren Umgang mit Strom. Der Kanton hat das System 1999 eingeführt. Seither werden für jede verbrauchte Kilowattstunde einige Rappen erhoben. Regierung und Grosser Rat versprachen sich damals davon, die Bevölkerung zum Stromsparen anzuregen, indem eine Umverteilung von starken Stromverbrauchern zugunsten einer pauschalen Auszahlung stattfindet.

Nun hat eine Forschungsgruppe der Universität Luzern um den Wirtschaftsprofessor Simon Lüchinger untersucht, wie wirksam das Basler Modell ist. Das hat den Hintergrund, dass auch auf nationaler Ebene immer wieder über Lenkungsabgaben – auch im Bereich der Elektrizität – diskutiert wird. Lüchinger kommt allerdings zu einem ernüchternden Schluss, wie gestern bekannt wurde. Im hypothetischen Vergleich mit einer gleich grossen Stadt ohne Lenkungsabgabe schnitt Basel erstaunlich schlecht ab – die Massnahme der Politik scheint ihre Wirkung zu verfehlen. Die bz hat mit Lüchinger in einem Kurzinterview über seine Studie gesprochen.

Herr Lüchinger, seit 1999 zahlen Baslerinnen und Basler eine Lenkungsabgabe auf Strom von acht Prozent. Ihre Studie kommt zum Schluss, das hätte wenig Effekt erzielt. Warum?

Simon Lüchinger: Die Elektrizitätsabgabe und gleichzeitige Änderungen an den Stromtarifen haben den Preis für eine Kilowattstunde Strom spürbar erhöht. Stromsparen wäre damit lohnenswerter. Dies war aber vermutlich für viele Baslerinnen und Basler nicht ersichtlich, weil sich für sie wegen der gleichzeitigen Abschaffung einer Grundgebühr der Gesamtbetrag der Stromrechnung kaum verändert hat.

Was war das Versäumnis der Politik?

Ich würde nicht von einem Versäumnis sprechen. Will man den Stromverbrauch senken, ist eine Elektrizitätsabgabe sinnvoll. Basels Politik hat in dieser Hinsicht in der Schweiz Pioniercharakter. Man hätte aber in der Kommunikation stärker auf den substanziellen Anstieg des Kilowattstundenpreises hinweisen können. Stattdessen betonte man die geringen Auswirkungen auf die Stromrechnung insgesamt.

Gleichzeitig folgern Sie, grundsätzlich seien Lenkungsabgaben sinnvoll.

Im Gegensatz zu anderen Massnahmen wie Gerätevorschriften ist es bei Lenkungsabgaben den Personen und Firmen überlassen, wie sie den Stromverbrauch senken möchten. Einige werden sparsame Geräte anschaffen, andere ihre alten Geräte weniger oft nutzen. Die geringe Wirksamkeit in Basel ist durch die besonderen Umstände erklärbar und wird nicht allgemein gelten.

Wie kann Basel-Stadt das missglückte Experiment jetzt noch korrigieren?

Basel-Stadt hat einen sehr hohen Strompreis. Stromsparen lohnt sich in Basel also nach wie vor mehr als anderswo.