Eigentlich sollte im wichtigsten Gebäude der Uni Basel seit über einem Jahr geforscht werden. Denn als die beiden Basel der Finanzierung zustimmten, war der Betriebsbeginn im 330 Millionen Franken teuren Biozentrum für September 2017 vorgesehen. Dass es nun voraussichtlich bis Mitte 2020 dauern wird, bis der Umzug vom alten ins neue Biozentrum abgeschlossen ist, hat mit einer Aneinanderreihung von Pannen zu tun, über deren Schuld vermutlich noch sehr lange gerichtlich gestritten wird. Fakt ist: Die gestern kommunizierte Verzögerung wegen Wasserschäden ist bereits die dritte ihrer Art.

Begonnen hat es mit einer Einsprache gegen die Vergabe der Rohbau- und Fassadenarbeiten 2014. Zwei Jahre später ging die Elektrofirma Konkurs, ehe im Mai vergangenen Jahres «grobe Fehlplanungen bei den Sanitärarbeiten» festegestellt wurden. Im Mai 2018 deckte das «Regionaljournal» Mängel beim Brandschutz auf, die bereits im Herbst 2017 aufgetreten, aber nie kommuniziert worden waren. Gestern nun teilten die Verantwortlichen mit, dass «erneute Schadenfälle die Fertigstellung des Biozentrums behindern». So sei in den Untergeschossen des Gebäudes an zwei Stellen Wasser eingetreten, unter anderem durch einen undichten Schlammsammler. Zudem sei eine Wasserleitung in einem Lüftungsgerät geborsten, wodurch Teile der Technikzentrale beschädigt worden seien. Und auch an der Fassade habe es Probleme gegeben mit einem Sonnenschutz, der sich nicht korrekt schliessen liess.

Auf Nachfrage präzisiert Marc Keller, Sprecher des zuständigen Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD): «Die Schäden sind ab Frühjahr 2018 nacheinander aufgetreten. Der hohe Aufwand ergibt sich aus den jeweiligen technischen Begebenheiten. So musste beispielsweise der Wasserschaden im Untergeschoss sehr aufwendig ausgetrocknet und Bauteile zum Teil zurückgebaut und ersetzt werden.»

Für die Universität ist die erneute Verzögerung «keine einfache Situation», sagt Sprecher Matthias Geering auf Anfrage. «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf die neuen Gegebenheiten einzurichten.» Noch vor einem Jahr tönte das ganz anders. Damals sagte Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor der Universität Basel, gegenüber dieser Zeitung, dass «jede weitere Verzögerung beim Biozentrum-Neubau definitiv negative Einflüsse auf die Uni» hätte und dass es «dazu auf keinen Fall kommen darf».

Tschumi stand gestern für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Auf die damaligen Aussagen angesprochen, sagt Geering, dass es schon Probleme gibt. Etwa dass es für die Forschungsgruppe um den neuen Biozentrum-Leiter Alex Schier derzeit keine optimale Forschungsumgebung, sondern lediglich eine Übergangslösung, gebe, die jetzt nochmals verlängert werden müsse. «Wir hatten schon damit geplant, dass Professor Schier bald nach seinem Stellenantritt im Februar 2018 ins neue Biozentrum einziehen kann», sagt Geering.

Auswirkung auf Folge-Bau

Nebst Verzögerungen wurden beim Biozentrum-Neubau auch die zusätzlichen Kosten häppchenweise kommuniziert. Aktuell geht das BVD von Kostenüberschreitungen im einstelligen Prozentbereich aus, was bei 9,9 Prozent maximal 32,67 Millionen bedeutet. Genauere Angaben werden nicht gemacht.

Für zusätzlichen Ärger bei der Uni dürfte die erneute Verzögerung auch in Bezug auf das nächste Neubau-Projekt, das Zentrum für Biomedizin, sorgen. Dieses soll bis 2024 dort entstehen, wo derzeit noch das alte Biozentrum steht. Die bz berichtete am Montag, dass die Uni bei diesem Neubau die Bauherrschaft übernommen sowie Architekten und Generalplaner ausgewechselt hat, um sicher zu gehen, dass nicht nochmals Probleme wie beim Biozentrum auftreten. Nun aber sagt Geering, bereits jetzt müsse mit einer Verzögerung gerechnet werden. «Wenn das Baufeld ein halbes Jahr später zur Verfügung steht, dann ist absehbar, dass sich auch die Eröffnung entsprechend verschiebt.»