Erbeben

Erschütternde Zahlen – Wie viele Gebäude wären bei einem Beben tatsächlich geschützt?

Der Spiegelhof ist eine Lifeline-Gebäude und wird erdbebensicher.

Der Spiegelhof ist eine Lifeline-Gebäude und wird erdbebensicher.

Würde morgen die Erde beben wie anno 1356, wäre die Basler Grundversorgung nicht gewährleistet. Nicht alle sogenannten Lifeline-Gebäude sind ausreichend geschützt.

1356 erzitterte die Erde und stürzte Basel in eine Krise, von der sich die Stadt erst nach rund einem Jahr erholte. Käme es heute zu einer solchen Katastrophe, lautete die Bilanz: 6000 Tote. 30 000 Verschüttete. Eine Schadenssumme von rund 100 Milliarden Franken. Die Hälfte aller Gebäude beschädigt. Zu diesem Schluss kam die Übung «Seismo 12» des Bundes, welche die Wiederholung der Ereignisse von 1356 für die heutige Region Basel inklusive Deutschland und Frankreich simulierte.

In einem solchen Notfall ist die Stadt auf 34 Gebäude in Basel besonders angewiesen, jene der höchsten Bauwerkklasse. Es sind die sogenannten Lifeline-Gebäude. Spitäler, Feuerwehrmagazine, die Einsatzzentrale der Polizei. «Diesen kommt im Erdbebenfall eine lebenswichtige Bedeutung zu. Als solche müssen sie besondere Anforderungen im Bereich der Erdbebensicherheit erfüllen», sagt Stefan Husen.

Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der kantonalen Gefahrenprävention. Nur: Sollte das Unglück tatsächlich eintreffen, würden wohl viele der nötigsten Institutionen selbst nicht mehr stehen. Viele der lebenswichtigsten Einrichtungen sind nicht erdbebenertüchtigt.

Wie viele es sind, darüber kursieren mehrere Zahlen. In einem offiziellen Dokument, welches der «Schweiz am Wochenende» vorliegt, ist die Rede von zehn Gebäuden, die allen Anforderungen entsprechen. 24 kommen diesen nur bedingt nach oder bedürfen noch einer Abklärung. In einem Regierungsratsbeschluss von vergangenem November wiederum werden dreizehn Bauwerke genannt, deren Erdbebensicherheit überprüft werden muss, «da diese entweder unbekannt ist oder die aktuellen Anforderungen nicht erfüllt sind». In einer Antwort der Regierung auf eine Interpellation von Alexander Gröflin (SVP) von 2014 klang dies anders; es wurde der Anschein erweckt, dass nur noch einige wenige Lücken bestünden.

Geheime Liste

Welche Gebäude einem Beben nicht standhalten würden, ist nicht öffentlich. Die Liste der wichtigsten Bauwerke ist streng geheim. «Das sind die sensiblen Punkte von Basel, welche zentral sind für das Funktionieren dieser Stadt», sagt Regierungssprecher Marco Greiner. Alleine schon aus Vorsorge gegenüber Terroranschlägen würde diese Liste vertraulich behandelt. Am 18. März 2004 entschied der damalige Regierungsrat, diese Gebäude zu schützen.

Auch dieser Beschluss ist vertraulich und nicht in den öffentlichen Datenbanken auffindbar, obwohl er in mehreren Berichten der Regierung zitiert wird. Bekannt werden die lebenswichtigen Organe im Basler Organismus nur dann, wenn konkrete Baumassnahmen vorliegen. So etwa, als 2007 die Fahrzeughalle der Feuerwehr gegen die Gefahr aus der Erdmitte geschützt werden musste. Kostenpunkt alleine für die Massnahmen gegen das Erdbeben: 3,5 Millionen.

Teures Versäumnis

Die Erdbebenertüchtigung ist teuer. Alleine für die Überprüfung, welche lebenswichtigen Gebäude ein Beben überstehen könnten, hat der Regierungsrat Ende vergangenen Jahres Ausgaben in der Höhe von knapp 700 00 Franken bewilligt. Auch der Spiegelhof, Einsatzzentrale der Polizei, wird bald für rund 50 Millionen Franken umgebaut. Eine Studie aus dem Jahr 2010 besagt, dass der aktuelle Standort nicht erdbebenresistent ist.

Es ist davon auszugehen, dass auch die anderen Gebäude folgen werden. Basel muss nun alte Versäumnisse aufholen. Moderne Normen für das erdbebensichere Bauen existieren in der Schweiz erst seit 1989.

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