Erst 2024 fertig
Skelette und Münzen unter der Freien Strasse: Archäologische Funde verzögern die Bauarbeiten

Die Basler Einkaufsstrasse erstrahlt erst 2024 im neuen Glanz, teilt der Kanton Basel-Stadt mit. Bei der Sanierung finden Archäologinnen und Archäologen etliche Überbleibsel aus früheren Zeiten.

Silvana Schreier
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Unter der Freien Strasse verbergen sich mittelalterliche Skelette, die wohl vom ersten Basler Spital stammen.

Unter der Freien Strasse verbergen sich mittelalterliche Skelette, die wohl vom ersten Basler Spital stammen.

Archäologische Bodenforschung BS

Die Freie Strasse in Basel wird derzeit saniert. Die Bauarbeiten begannen beim Bankverein und sind mittlerweile in der Mitte der Einkaufsstrasse angekommen. Künftig soll die verkehrsfreie Strasse mit Alpnacher Quarzstein gepflastert sein, unterirdisch verlaufen die neuen Leitungen – unter anderem für das Fernwärmenetz der IWB.

Nun kommen dem Kanton und den IWB Skelette, Münzen, Strassenbeläge und Obststeine in den Weg. Diese befinden sich unter dem jetzigen Teer und stammen teilweise aus dem römischen Zeitalter sowie aus dem Mittelalter. Die archäologischen Funde verzögern die Bauarbeiten um ein Jahr: Statt 2023 wird die Sanierung der Freien Strasse erst im Herbst 2024 fertig, teilt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) am Dienstag mit.

Leidtragende seien Gewerbetreibende

Die Basler SVP kritisiert die Bauverzögerung in ihrer Mitteilung. Dass archäologische Funde und die Komplexität des Baus dazu geführt hätten, sei eine Standard-Antwort des BVD. Leidtragende seien die Gewerbetreibenden und die Besucherinnen und Besucher der Innenstadt, schreibt die SVP.

Seit vergangenem Jahr laufen die Bauarbeiten in der Freien Strasse. Der obere Teil ist bereits fertig umgebaut.

Seit vergangenem Jahr laufen die Bauarbeiten in der Freien Strasse. Der obere Teil ist bereits fertig umgebaut.

Archiv: Nicole Nars-Zimmer

Mathias F. Böhm von Stadtkonzept Basel (ehemals Pro Innerstadt Basel) kennt die Sorgen der Ladenbetreibenden: «Natürlich ist die längere Bauzeit nicht erfreulich. Aber bei solch grossen Projekten muss man mit Abweichungen vom Zeitplan rechnen.» In Zusammenarbeit mit der Bauleitung wolle er nun schauen, dass die Arbeiten möglichst verträglich ablaufen könnten. Spätestens ab Frühling 2022 würde dann ja auch endlich sichtbar werden, wie die Freie Strasse daherkommen soll: Dann soll der obere Teil der Einkaufsstrasse fertig saniert, der Brunnen in Betrieb und der Baum bei der Bäumleingasse gepflanzt sein, sagt Böhm.

Von Affenskelett über Grabsteine bis Stadtmauerreste

Die Funde beim neuen Amt für Umwelt und Energie.

Die Funde beim neuen Amt für Umwelt und Energie.

Nicole Nars-Zimmer

Dass nun auch die Freie Strasse zum Fundort wird, damit hat Marco Bernasconi, Leiter der Abteilung für Ausgrabungen bei der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt, eigentlich schon gerechnet. Denn in den vergangenen Jahren wurden bei fast allen grösseren Bauten des Kantons in der Innenstadt archäologische Funde gemacht. Am Standort des neuen Amts für Umwelt und Energie kamen Teile der Stadtmauer zum Vorschein – heute haben die Überreste einen Platz im Keller des Neubaus erhalten.

Das Affenskelett.

Das Affenskelett.

Philippe Saurbeck

Auch beim Parking-Neubau beim Kunstmuseum verzögerten Fundstellen die Bauarbeiten. Ein Affenskelett, jüdische Grabsteine, römische Siedlungsreste, ein mittelalterlicher Stadtgraben und zwei kleine Aquäduktbrücken faszinierten die Basler Archäologinnen und Archäologen.

Eigentlich sind zuverlässige Prognosen möglich

Darum ist Bernasconis Team von Beginn eines Bauprojekts involviert. Dies sei nötig, um das Risiko von Mehrkosten und Zeitverzögerungen für die Bauherrschaft zu minimieren, sagt er zur bz. Dafür nutzt die Abteilung Informationen aus bereits erfolgten benachbarten Grabungen aus den letzten Jahrzehnten, die laufend systematisch erfasst werden. Bernasconi: «So können wir relativ zuverlässige Prognosen abgeben.» Etwa im Bereich des Münsterhügels wüssten die Archäologinnen und Archäologen recht gut, wie mächtig die Schichterhaltung ist.

Das gilt auch für das Areal rund um die Hauptpost in der Freien Strasse: «Wir wissen, dass die Bodenschichten dort bis in die römische Zeit zurückgehen und gut erhalten sind», sagt Bernasconi. Im Gegensatz zur Sanierung von bestehenden Leitungen ist der Bau von neuen Leitungen, die in ungestörten Boden verbaut werden und die letzten intakten Schichten beseitigen, für die Archäologie aufwendiger, aber auch erkenntnisreicher.

Zu viel Arbeit durch Bauboom

Bernasconi und sein Team freuen sich einerseits über die neu gewonnenen Erkenntnisse zur Stadtgeschichte Basels. «Aber die Gefühle sind ambivalent», sagt Bernasconi. «Durch den anhaltenden Bauboom gibt es für uns eigentlich zu viel Arbeit.» Denn die Hauptintention der Abteilung sei, die Funde im Boden zu belassen. Dort seien sie am besten geschützt für künftige Generationen.

Die Befunde in der Freien Strasse könnten jedoch nicht erhalten werden. Tausende von Funden werden von Bernasconi und seinem Team also aus der Freien Strasse geborgen und später ausgewertet. Ob es zu einer Ausstellung kommt, werde sich zeigen.

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