Luca Vicente Zwicky

Erst durfte er nicht an die Fasnacht – Jetzt ist er nebenberuflich Laternenkünstler

Luca Vicente Zwicky vor seinem neusten Meisterwerk. Die Rückseite der Laterne erzählt eine Geschichte, auf jedem kleinen Bild gibt es weitere Motive, wie ein Elefant.

Luca Vicente Zwicky vor seinem neusten Meisterwerk. Die Rückseite der Laterne erzählt eine Geschichte, auf jedem kleinen Bild gibt es weitere Motive, wie ein Elefant.

Obwohl Luca Vicente Zwicky in Basel geboren ist, muss der Sohn eines Spaniers und einer Italienerin lange warten, bis er zum ersten Mal an die Fasnacht darf. Seit zwei Jahren ist er als Laternenkünstler quasi ein offizieller Teil von ihr.

Vielleicht liegt es nur an der Frisur. Doch die glatzköpfigen Männchen auf der Rückseite der Laterne ähneln ihrem Erschaffer. «Es lässt sich nicht leugnen, dass da eine gewisse Ähnlichkeit besteht», sagt Luca Vicente Zwicky und lacht. Glatzköpfe aber hat er «der Einfachheit halber» schon gemalt, bevor seine eigene Haarpracht schwand. Jetzt sind seine Männchen zum zweiten Mal auch an der Basler Fasnacht auf der Laterne der drei Partner-Cliquen «Wettstai Alti Garde», «Rumpel» und «Biirlie» zu bewundern.

Luca Vicente Zwicky im Licht seiner Laterne

Luca Vicente Zwicky im Licht seiner Laterne

  

Obwohl Vicente Zwicky in Basel geboren ist, muss der Sohn eines Spaniers und einer Italienerin lange warten, bis er zum ersten Mal an die Fasnacht darf. «Meine Eltern hatten damit nichts am Hut. Sie dachten, da wird nur Alkohol getrunken und haben mir deshalb die Fasnacht verboten», sagt er. Doch am Ende siegt der jugendliche Wille gegen den elterlichen Beschützerinstinkt. Seitdem gehört die Fasnacht fest ins Leben des heute 38-Jährigen. Seit zwei Jahren ist Vicente Zwicky als Laternenkünstler auch quasi ein offizieller Teil von ihr.

Mit Fake zur eigenen Identität

Während des Design-Studiums in Basel beginnt Vicente Zwicky, in der Freizeit zu malen und Plastiken anzufertigen. Doch statt selber für seine Werke hinzustehen, erfindet er Fake-Künstler und signiert seine Arbeiten mit Pseudonymen wie zum Beispiel Mï Laicos. «Das war entfesselnd für meine eigene Kreativität», sagt Vicente Zwicky und fand von nun an: «Wenn ich nicht der Künstler bin, muss ich ja auch nicht planen.» Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Mï Laicos wird tatsächlich von Galleristen für ein Treffen angefragt. «Da habe ich Blut geleckt und gemerkt, dass ich auch als Künstler Erfolg haben kann», sagt Vicente Zwicky und beendet die Ghostmalerei. Von nun an signiert er seine Werke selbst.

Zu seinem Nebenjob als Laternenkünstler kommt der als Texter und Dozent arbeitende Vicente Zwicky durch Vitamin B. Sujet-Kommisions-Obfrau Brigitta Landolt sagt: «Luca war der beste Studienfreund meines Sohnes. Er ist ein feiner Typ, visionär und hat viele neuartige Ideen. Die Clique war offen für Neues. Vicente Zwicky nahm die Anfrage gerne an, obwohl er für die rund 80 Stunden Arbeit nur «studentisch» entlohnt wird.

Die Reaktionen auf sein Erstwerk, das je nach Licht goldig glänzte oder wie Dreck aussah, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Von «megacool» bis «das hat nichts mit Fasnacht zu tun» war alles dabei. «Einige haben meine Hintergedanken auch nicht geschätzt, aber so ist das halt», sagt Vicente Zwicky. Trotz Uneinigkeit darf er auch die Laterne für 2018 designen. Und das, obwohl Vicente Zwicky von seinem alternativen Typ her kaum zur traditionell orientierten Clique passt.

Ohne Plan vor der Leinwand

Das Sujet «S’Vibriert» steh schon seit Mitte Oktober fest. Trotzdem ist die Leinwand am 22. Dezember 2017 noch leer. Immerhin riecht man den «abartigen» Knochenleim nicht mehr, der die Leinwand strafft und lichtdurchlässig macht. Zu dieser Zeit hat Vicente Zwicky noch keinen Plan, wie das Endprodukt aussehen wird. Auf die Vorderseite soll ein aussagekräftiges, bewegendes Bild, auf die Rückseite eine Geschichte. Projizieren, wie das viele andere Laternenkünstler machen, ist nicht sein Ding. «Ich hatte keinen Entwurf, lediglich Ideen und Ansprüche», sagt er.

Mit Bleistift zeichnet Vicente Zwicky vor, dann kommt direkt die Farbe auf die Leinwand. Auch das anderthalbjährige Töchterchen Hanna darf dieses Jahr ein wenig mitpinseln. Zahlreich Abende und Wochenenden verbringt Vicente Zwicky in einer zum Atelier umfunktionierten Werkstatt. «Meiner Frau Stéph gebührt ein Riesendank, dass Sie mich immer gehen lässt», sagt er. Gestern Mittwoch kamen in einer letzten Arbeitssession die Verse auf die Laterne.

Mitglieder aus der Clique reimen, Vicente Zwicky malt auf. Ab dem Yypfyffe am Sonntag ist die Laterne dann im Besitz der Clique. Luca Vicente Zwicky ist dann während der drey scheenschte Dääg mit seinen Jungs oder seiner Familie unterwegs.

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