Um ein Kind zur Bewegung zu motivieren, braucht es nicht viel: Egal ob Rutschbahn, Schaukel oder Klettergerüst, die Kleinen sind sofort Feuer und Flamme. Um auch die Eltern und Grosseltern der Kinder ins Spiel und damit in die aktive Bewegung einzubinden, setzt Sportwissenschaftlerin Debora Wick mit ihren neuentwickelten Spielplatzgeräten auf einen gezielt «hohen Aufforderungscharakter»: «Die von uns entwickelten Spielgeräte funktionieren jeweils besser, wenn eine erwachsene Person ‹mitspielt›», sagt die Uni Basel-Sportstudentin, die mittlerweile für die Stiftung «Hopp-la» tätig ist.

«Das kann beispielsweise eine Kugel sein, die sich besser bewegt, wenn auch das Grosi mit aufs Spielgerät kommt – und durch die Bewegung unbewusst Kraft und Koordination trainiert», erklärt Wick. Wissenschaftliche Studien hätten ergeben, dass regelmässiges Kraft- und Gleichgewichtstraining für ältere Menschen eine wirksame Sturzprophylaxe sei.

Kosten von 470'000 Franken

Mit diesen Argumenten im Gepäck stiess die Sportstudentin bei der Basler Stadtgärtnerei auf offene Ohren. «Generationenübergreifendes Spielen ist auch bei uns ein wichtiges Thema – und die Sanierung des Schützenmattpark-Spielplatzes wäre ohnehin fällig gewesen», sagt Thomas Gerspach. Der Kanton beteilige sich am 470'000-Franken-Projekt mit 270'000 Franken, wie der Regierungsrat Anfang Woche entschieden habe. Das restliche Geld käme von Stiftungen. 

Die ersten drei Bewegungsgeräte sind bereits installiert und werden intensiv genutzt, sagt Wick. Ab dem 4. Mai bietet die Stiftung «Hopp-la» in Kooperation mit Pro Senectute jeweils am Montagnachmittag kostenlose Bewegungskurse für ältere Personen an – mit oder ohne Enkel. Und am 6. Juni werden die Spiel- und Bewegungsinseln im Schützenmattpark in Anwesenheit von Regierungsrat Christoph Eymann feierlich eingeweiht.

Wasserspiel als Attraktion

Die drei von der Basler Sportwissenschaftlerin gemeinsam mit einem Schweizer Hersteller entwickelten Geräte sind aber erst der Anfang. Ein Viertes ist derzeit noch im Bau und spätestens im Herbst wird das bestehende Planschbecken in ein Wasserspiel umgewandelt, das nur funktioniert, wenn genügend Erwachsene die bereitgestellten «Sitzbank Radler» betätigen. «Das Wasserspiel steht sinnbildlich für das intergenerative Bewegungsprojekt: Der ‹Aufforderungscharakter› ist hier besonders offensichtlich, denn das Wasser spritzt nur, wenn Grosi kräftig in die Pedale tritt.»

Bei normalen Outdoor-Fitnessgeräten sei die Hemmschwelle gerade bei älteren Menschen häufig zu hoch – wenn aber das Enkelkind vor Freude Luftsprünge machte, stimme die Motivation auch bei den Begleitpersonen. Das gelte für alle ihre Geräte, auch für den beispielsweise bereits installierten «Partnertanz» (siehe Bild). «Das Ziel des Spiels ist es, eine Kugel durchs Labyrinth zu führen – was deutlich besser geht, wenn auch die Eltern oder Grosseltern mithelfen und durch Gewichtsverlagerung, Be- und Entlasten der Beine und Aufstützen mit den Armen gleichzeitig Kraft und Gleichgewicht trainieren.»

Andere Kantone mit Interesse

Das Pilotprojekt in Basel dient Wick und ihrer neugegründeten Stiftung «Hopp-La» zur Erfahrungssammlung. Danach sei das Ziel, den Generationenspielplatz auch anderen Städten anzubieten. «Erste Kantone haben bereits Interesse gezeigt, aber wir möchten die Wirkung zunächst wissenschaftlich auswerten», sagt Wick.

Ob es auch in Basel weitere Generationenspielplätze geben wird, ist offen. Gemäss Stadtgärtnerei würden sich nebst dem Schützenmattpark die ebenfalls sehr stark genutzten Spielplätze St. Johann und Claramatte anbieten.