Es waren beschwörende Worte, welche Elisabeth Ackermann gestern im Basler Grossen Rat anschlug: «Es steht viel auf dem Spiel», meinte die Regierungspräsidentin und sprach von einer Weichenstellung. Ein Nein zum gemeinsamen Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv wäre unverantwortlich. «In beiden Häusern ist die Situation schon heute unverantwortlich», meinte auch Baudirektor Wessels. «Wir lassen wertvolles Kulturgut vermodern.»

Bei der Parlamentsmehrheit stiess die Regierung auf offene Ohren. Mit 71 gegen 19 Stimmen bei 6 Enthaltungen stimmte sie dem 225-Millionen-Vorhaben deutlich zu. Der Neubau beim Bahnhof St. Johann soll dem Museum wie dem Staatsarchiv zeitgemässe und ausreichende Räumlichkeiten bieten. Der Berri-Bau als heutiger Standort ist schon lange sanierungsreif, und das einen Steinwurf entfernte Staatsarchiv platzt aus allen Nähten. So blieben auch ein Rückweisungsantrag der FDP sowie ein Antrag für ein obligatorisches Referendum der SVP chancenlos.

Die unbefriedigende Situation von Museum und Staatsarchiv war unbestritten. Dazu erntete die Regierung allerdings heftige Kritik aus beiden Lagern: Dass heute Archivgut verrottet, ist etwa für die FDP «eigentlich ein Skandal», und für das Grüne Bündnis ist der Problemstau teils «auf unverantwortliche Weise» entstanden. «Mittlerweile ist der Teppich zu klein, um alle Probleme darunter zu kehren», kommentierte der Grüne Thomas Grossenbacher.

Zu reden gaben aber primär die Kosten, der Neubaustandort und die mittelfristig geplante Museumsrochade – in den sanierten Berri-Bau soll dann das Antikenmuseum einziehen.
Die FDP kritisierte insbesondere die deutlich steigenden Betriebskosten im geplanten Neubau. Das widerspreche dem Willen des Parlaments. Dieses habe den Projektierungskredit 2013 mit dem expliziten Auftrag bewilligt, die Betriebskosten stabil zu halten, dennoch setze die Vorlage diese rund einen Viertel höher an, dies erst noch mit optimistisch erhöhten Eintrittseinnahmen.

Gesamtschau gefordert

Die Regierung wolle dem Museum 30 Prozent mehr Ausstellungsfläche bauen, also wäre günstiger doch möglich. Dem schloss sich die GLP an. Bedenken äusserte auch CVP-Fraktionschefin Andrea Knellwolf. Mehrere Fraktionen forderten eine Gesamtschau, da sich weiter anstehende Museumsbauprojekte zu rund einer halben Milliarde Franken kumulierten. Die SVP stiess ins selbe Horn, lehnte den Neubau als zu teuer ab. Er sei zwingend an die Urne zu bringen.

Die anderen Fraktionen stellten derweil dringenden Handlungsbedarf in den Vordergrund und akzeptierten auch die höheren Betriebskosten im Neubau wegen des Mehrnutzens. Für die Grünen ist das Projekt alternativlos, für SP-Sprecher Sebastian Kölliker gar zukunftsweisend, auch städtebaulich.

Die LDP verwies auf Einsparungen, wenn externe Lagerstandorte aufgehoben werden können. Fraktionschef Michael Koechlin konterte die Kostenkritik damit, dass man die Investitionen neben den enormen Kulturwerten sehen müsse. «Eine Ablehnung wäre ein Rückschritt auf Feld Eins», gab Fraktionskollegin Catherine Alioth zu bedenken.

Die CVP stimmte dennoch nur wegen des Leidensdrucks zu, «mit Zähneknirschen», betonte Knellwolf: Das Vertrauen in die Regierung punkto Museen sei noch nicht wieder hergestellt.