Er liegt eingebettet in einer majestätischen Bergwelt. Rigi, Pilatus, Bürgerstock und Co. säumen seine Ufer. Nur an wenigen Orten ist Schifffahren derart ein Genuss, wie auf dem Vierwaldstättersee. Das höchste der Gefühle: eine Fahrt mit einem der fünf nostalgischen Dampfer. Und wer auf einem dieser fünf mit weisser Mütze auf der Kommandobrücke steht, gehört zu einem erlauchten Kreis: Derzeit stehen lediglich acht Kapitäne im Dienst der Schifffahrtgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV). Und in 178 Jahren durften erst 109 Personen den Titel Kapitän tragen – meistens Zentralschweizer.

Der 108. ist zugleich der erste Basler. Am 1. April beförderte die SGV Georg Ritter zum Kapitän. Die weisse Mütze zu tragen, sei ein besonderes Gefühl, sagt Georg Ritter. «Kapitän zu werden war mein Ziel, seit ich bei der SGV bin.» Ursprünglich wollte er eigentlich zu den SBB, berichtet Ritter. Jedoch blieb ihm die angestrebte Stationslehre aufgrund der beschränkten Ausbildungsplätze verwehrt. So hiess es: See statt Schiene; Schiff statt Zug. Auch wenn dies nicht Ritters ursprünglichem Wunsch entsprach, unlogisch war dies nicht: Sowohl sein Grossvater, wie sein Vater waren in der Rheinschifffahrt tätig.

Natur und Kameradschaft

Am 24. April 1974 ging der damals 19-jährige Ritter zum ersten Mal als Matrose auf dem Vierwaldstättersee an Bord. Seine See-Karriere verlief auf dem klassischen Weg. Vom Kontrolleur stieg er zum Kassier und schliesslich zum Fahrdienstleiter auf. Seit drei Jahren darf er nun auch die fünf Dampfschiffe steuern.

Zweimal wurde der Basler dem See untreu: Bei der SGV schloss er 1982 die kaufmännische Lehre ab. Später arbeitete er ein Jahr bei einer Basler Reederei. «Heute könnte ich nicht mehr zurück ins Büro», betont Ritter.

Seit 35 Jahren ist er nun bei der SGV. Als Grund für diese Treue nennt er «vor allem die Natur und die gute Kameradschaft. Wir haben einen sehr schönen Beruf.»

Im Zuge der Verleihung des Kapitänsgrades wird dem Basler eine weitere Ehre zuteil: Georg Ritter wird als Nummer 108 in der nächsten Auflage des Buchs «Dampfschiffkapitäne vom Vierwaldstättersee» verewigt – sozusagen als Ritterschlag. Der Autor Josef Gwerder hatte alle 104 bis 1997 ernannten Kapitäne porträtiert. Wann eine aktualisierte Fassung erscheint, ist aber noch offen.

Mit dem Ehrentitel «Kapitän» hat Ritter also die oberste Sprosse der Karriereleiter der SGV erklommen. «Mein Vater hat sich über meine Ernennung zum Kapitän sehr gefreut. Er ist mit seinen 88 Jahren nicht mehr gut zu Fuss.» Früher sei er aber öfter auf sein Schiff gekommen.

Am Karfreitag stand der 55-Jährige zum ersten Mal als Kapitän auf der Brücke des Panoramaschiffs «Weggis». Die «Weggis» ist ein modernes Motorschiff, das besonders für den Winter konzipiert wurde. Am liebsten steht Georg Ritter aber am Ruder eines der fünf Dampfschiffe. Doch ist er derzeit für keines fix eingeteilt. Dadurch hat Ritter sowohl hinsichtlich Schiffe wie auch der Fahrroute viel Abwechslung. Trotzdem: «Ein eigenes Schiff ist immer etwas Schönes.» Auf dieses Privileg muss er noch warten, denn die Kapitäne mit höheren Dienstalter haben Vorrang.

Die Lieblingsschiffe von Ritter sind die «Gallia» und die «Stadt Luzern». Vor allem die «Stadt Luzern» sei sehr handlich zu fahren. «Mit diesem Schiff sind feine Manöver möglich.» Und mit der «Gallia» teilt er eine lange Geschichte: Bereits als Kassier arbeitete er auf ihr. Zudem: «Sie ist das schnellste Dampfschiff auf europäischen Binnengewässern.»

Dass die «Gallia» überhaupt noch fährt, ist dem Einsatz des Vereins Dampfschifffreunde zu verdanken. 1970 sollten alle Dampfschiffe ausrangiert werden. Mit Ausnahme des Jüngsten, der «Stadt Luzern». Die jahrelange Gegenkampagne führte letztendlich zu einem Umdenken und zum Erhalt der fünf Dampfschiffe.

Der Ritter von Seeburg

In Basel wohnt Georg Ritter schon lange nicht mehr. Er lebt in Seeburg, nahe Meggen – ein Ortsname, der sowohl bezüglich Beruf wie Nachnamen für Georg Ritter geschaffen scheint. Trotzdem hat er den Kontakt zu seinen Basler Wurzeln nie verloren. «Basel ist immer wieder ein Besuch wert.» Noch immer habe er Kollegen in der Stadt. Doch fällt ihm die Wahl zwischen Rhein und Vierwaldstättersee leicht: Er zieht seine neue Heimat vor. «Am schönsten ist die Einfahrt in den Urnersee. Vor allem, wenn die Gipfel mit Schnee bedeckt sind.»