Nach dem Baselbieter Nein zur Kantonsfusion ist dies der erste Prüfstein für die Partnerschaft von Stadt und Land: Morgen Dienstag entscheidet die Baselbieter Regierung über den Subventionsantrag des Theaters Basel für die Spielzeiten 2015/2016 bis 2018/2019. Der Antrag sieht eine Erhöhung der Subventionen um 1,4 Millionen Franken pro Jahr vor – diese soll vom Landkanton getragen werden. Gemäss Informationen der bz sieht es allerdings schlecht aus für das Theater: Offenbar lehnt eine Mehrheit der fünfköpfigen Baselbieter Regierung den Antrag mit Hinweis auf das Loch in der Staatskasse ab.

Theaterfreunde im Baselbiet schütteln den Kopf: «Die Regierung ist sich offenbar nicht bewusst, dass die Theatersubventionen in einem grösseren Zusammenhang beurteilt werden müssen», sagt der Itinger SP-Landrat Jürg Degen. Baselland tue einiges für die Standortattraktivität. Dass das kulturelle Angebot ein wichtiger Bestandteil sei, gehe leider oft vergessen, kritisiert Degen. Der Bottminger GLP-Landrat Hans Furer ist überzeugt: «Basel-Stadt geht es in der jetzigen Situation vor allem um eines: um ein Bekenntnis des Kantons Baselland zum Theater.»

Symbolik spielt eine grosse Rolle

Nach der Fusionsabstimmung spielt die Symbolik im Verhältnis der beiden Halbkantone eine nicht unwesentliche Rolle. Furer glaubt: «Ein Nein aus dem Baselbiet könnte langfristig weitreichende Folgen für die Partnerschaft haben.» Die Regierung tue deshalb gut daran, angesichts finanziell grösserer Baustellen in der Partnerschaft – Beispiele sind das Spitalwesen und der Verkehr – die zusätzlichen 1,4 Millionen ins Theater zu investieren.

Welche Folgen hätte ein Nein für das renommierte Dreispartenhaus? Theater-Verwaltungsratspräsident Samuel Holzach legt zunächst Wert auf die Feststellung, dass er der Regierungssitzung mit einiger Hoffnung entgegenblicke. Nach Jahren des Sparens müsse das Theater nun wieder in bescheidenem Mass investieren können. Wichtig sei dies auch, weil parallel zum Beginn des Subventionsvertrags der neue Intendant Andreas Beck seine Arbeit aufnehme: «Ein neuer Intendant braucht Luft unter den Flügeln.» Die Planungen gehen vom genannten jährlichen Zusatzbeitrag aus. Sollte dieser nicht gesprochen werden, müssten Verwaltungsrat und Direktion das Haus erneut auf Sparpotenzial durchleuchten, sagt er.

Basel-Stadt bezahlt zehn Mal mehr

Holzach will nicht ausschliessen, dass der Kanton Basel-Stadt den Zusatzbeitrag über 1,4 Millionen übernimmt. «Natürlich wären wir bei einem Nein aus dem Baselbiet glücklich über seine solch wichtige Unterstützung», sagt Holzach. Er verweist allerdings darauf, dass die jährlichen Subventionen von Basel-Stadt (47 Millionen) rund zehnmal höher seien als jene von Baselland (4,5 Millionen). Zudem sei der Stadtkanton eben für Renovationsarbeiten am Theatergebäude im Wert von 72 Millionen Franken aufgekommen. «Wir setzen deshalb alles daran, dass der Stadtkanton nicht stärker belastet wird», sagt Holzach.

Die Baselbieter Theaterfreunde basteln derweil an Ideen, wie sie die Aufstockung der Subventionen nach einem Nein der Regierung wieder ins Spiel bringen könnten. Laut SP-Landrat Jürg Degen will seine Fraktion dann ein Budgetpostulat einreichen. Demnach soll der Landrat im Rahmen der Beratung des Kantonsbudgets im Dezember dem Theater 700'000 Franken zusätzlich sprechen für die Mitte 2015 beginnende neue Saison. Das Problem: Ein solcher Antrag müsste jährlich wiederkehrend gestellt werden – Ende 2015 einer für 2016 über 1,4 Millionen Franken. Dass damit das Theater keine Planungssicherheit hätte, mag Verwaltungspräsident Holzach nicht zu hoch hängen: «Wir sind froh um jede gute Idee, die uns zu zusätzlichen Mitteln verhilft.» Eine Abstimmung im Landrat würde knapp ausfallen: SP und Grüne werden dafür votieren, die Mitte-Parteien wohl gespalten sein, in der FDP dürften sich zwei, drei Landräte für höhere Subventionen erwärmen – macht ziemlich genau die Hälfte des 90-köpfigen Parlaments.

Verbindliche Zusage für 2018?

Neben diesem Plan B geistert im Baselbiet in einigen Köpfen noch ein Plan C herum: Die Regierung könnte sich verpflichten, das Theater Basel stärker zu unterstützen, sobald dies der Staatshaushalt zulässt. Laut Finanzplan soll Baselland 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben – das nicht zu knapp. Eine solche Verpflichtung würde zwar dem Theater in der kommenden Subventionsperiode wenig bringen, könnte aber Schaden für die Partnerschaft abwenden. «Sofern es sich um eine verbindliche Verpflichtung handelt und nicht bloss um ein Lippenbekenntnis», wie Hans Furer kritisch anfügt.