Wohnen

Erstmals in Zahlen: So teuer ist preisgünstig wohnen in Basel-Stadt

Basler Kantonsentwickler Lukas Ott: Wohnungsbau ist für ihn wichtig.

Basler Kantonsentwickler Lukas Ott: Wohnungsbau ist für ihn wichtig.

Basel-Stadt definiert erstmals, was eine neu gebaute Wohnung in Entwicklungsgebieten an Mietzins kosten darf.

Man darf ruhig ein bisschen enttäuscht sein, denn wirklich billig ist preisgünstiges Wohnen in Basel nicht. Das bestätigt nun die Regierung. In einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage von SP-Grossrat Georg Mattmüller hält der Regierungsrat fest, was er unter preisgünstigem Wohnraum versteht. Das etwas umständliche Adjektiv ist bewusst gewählt. Es bezieht sich auf die für Basel seit 2018 geltende Regelung, dass bei Arealentwicklungen im Kanton ein Anteil von «mindestens einem Drittel an preisgünstigem Wohnraum vorzusehen ist».

Die Regierung nennt erstmals Zahlen, was dieser neu gebaute Wohnraum auf den für den Kanton wertvollen Arealen kosten darf, wenn die Miete noch als preisgünstig gelten will. Sie definiert dafür nun folgende Netto-Mietzinsbegrenzungen:

  • Für eine Einzimmerwohnung 923 Franken pro Monat beziehungsweise 264 Franken pro Quadratmeter und Jahr (Maximalfläche: 42 Quadratmeter).
  • Für eine Zweizimmerwohnung 1290 Franken pro Monat beziehungsweise 272 Franken pro Quadratmeter und Jahr (Maximalfläche: 57 Quadratmeter).
  • Für eine Dreizimmerwohnung 1671 Franken pro Monat beziehungsweise 257 Franken pro Quadratmeter und Jahr (Maximalfläche: 78 Quadratmeter).
  • Für eine Vierzimmerwohnung 2187 Franken pro Monat beziehungsweise 268 Franken pro Quadratmeter und Jahr (Maximalfläche: 98 Quadratmeter).
  • Für eine Fünfzimmerwohnung 2500 Franken pro Monat beziehungsweise 241 Franken pro Quadratmeter und Jahr (Maximalfläche: 124 Quadratmeter).

Als Grundlage dient eine Studie, die vom Kanton in Auftrag gegeben wurde, deren Autoren aber nicht publik gemacht werden. Basis der Berechnung sind laut Regierung die Angebotsmieten von Neubauten im Kanton, die zwischen 2015 und 2019 nach Zimmerzahl ausgeschrieben waren. Als preisgünstig definiert «wird für den Neubau derjenige Wert, der 25 Prozent unter dem Median dieser Mietpreise liegt», heisst es im Schreiben. Die Studie berücksichtige die Zahlungsfähigkeit der Haushalte, die Renditemöglichkeit der Investoren sowie die Auswirkungen auf den Bodenmarkt.

Kostenmiete höher? Dann gibt’s eben einen Bonus

Betroffen vom definitorischen Kunstgriff sind vor allem Neubauten auf Arealen wie etwa Klybeckplus sowie jene, die im Rahmen des kantonalen Wohnbauprogramms 1000+ in den kommenden Jahren erstellt werden sollen. Ebenfalls aufgeführt wird der Unterschied zwischen preisgünstiger Miete und Kostenmiete. Letztere definiert Basel wie Zürich: Die Kostenmiete sei genau so hoch, dass sie den Aufwand des Bauträgers deckt.

Werden diese Definitionen auf einen konkreten Neubau angewendet, kann das durchaus unterschiedliche Ergebnisse geben: So rechnet der Kanton anhand seines Neubaus an der Maiengasse aus dem Jahr 2018 vor, dass die Kostenmiete dort mit 291 Franken pro Quadratmeter und Jahr sogar teurer ausfallen würde als eine preisgünstige Miete, die ja im Fall einer Vierzimmerwohnung nun auf 268 Franken pro Quadratmeter und Jahr gedeckelt ist. Lokal korrigiert wird dies an der Maiengasse durch ein Bonus-System, das jenen Mietern, welche allen Vorgaben des Kantons entsprechen, eine Monatsmiete erlassen wird. Mit diesem Rabatt befindet sich der Mietzins wieder im preisgünstigen Segment.

Rechtlich bindend ist an der neuen Definition von «preisgünstig» allerdings nichts. Der Regierungsrat hält einzig fest, dass man sich bei der Preisgestaltung der Wohnungen im Rahmen von 1000+ «prinzipiell» daran «orientieren soll». Sollte das nicht möglich sein, könnten situativ erneut Bonusmodelle eingesetzt werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1