Geschichte
Erwerb des Baselbiets ruinierte die Basler

Historiker der Universitäten Basel und Graz haben die Basler Jahresrechnungen von 1535 bis 1611 transkribiert und digitalisiert.

Simon Erlanger
Drucken
Teilen

Sie sind eine einzigartige historische Quelle, die alten Basler Jahresrechnungsbücher. Ab 1361 lässt sich aus ihnen fast lückenlos der Basler Finanzhaushalt rekonstruieren. Und da erfährt man doch so einiges: Strafgelder, Löhne, Durchfahrtszölle – das alles gewährt einen detaillierten Einblick, wofür Basel vor Jahrhunderten Geld ausgegeben hat, und wie die Stadt zu Einnahmen gekommen ist. Indirekte Steuern für Nahrungsmittel und zahlreiche andere Abgaben von Bürgerinnen und Bürgern, Untertanen und Fremden werden ebenso erfasst wie Investitionen in Infrastruktur oder geheime Geldzahlungen fremder Mächte.

Strafen für Lärmbrüder

Es gibt also vieles zu erfahren aus den Rechnungsbüchern. Zum Beispiel, dass sich in Basel gewisse Dinge nicht verändert haben. So erhält ein Emanuel Wieland 1534 eine Strafe wegen Lärmen: «Item 10 lb empfangen von Emanuel Wielanden eines lermens halben rahtstraf». An die heutige Reglementierung der Gastroszene erinnert folgende Busse: «Item 71 lb 5 ss empfangen von ettlichen personen, so auf ihren irte hochzeiten mehr tisch, als die ordnung zulaszt, gehalten haben». Es gab also eine Vorschrift über die Zahl der Tische.

Konflikt um Baselbieter Steuern

Ab 1361 hat die Basler Finanzverwaltung 250 Jahre lang jährliche Abrechnungen vorgelegt. Bis 1611 waren zwei Drittel der Jahresrechnungen ausgeglichen. Der Haushalt sei solide finanziert gewesen und und nur mässig angewachsen. Nach 1611 sei Basel aber in eine rund 50 Jahre andauernde finanzielle Krise geraten. Die Negativsaldi seien nach dem Erwerb des Baselbiets wegen höherer Ausgaben für das Land entstanden, so die Forscher der Uni Basel. In der Folge sei es auf der Landschaft zu Konflikten gekommen rund um die Erhöhung von Steuern.

All dies lässt sich den Rechnungsbüchern entnehmen. Während die Rechnungen bis 1534 vor hundert Jahren in einer Buchedition erschienen sind, waren die Rechnungen für die 75 Jahre bis 1610 bis anhin unveröffentlicht. Von der Forschung vernachlässigt, seien sie im Archiv vom Schimmel zersetzt worden. Am Departement Geschichte der Uni Basel hat nun ein Team von drei Studierenden unter der Leitung von Susanna Burghartz diese Rechnungen erfasst, transkribiert und zusammen mit der Universität Graz digitalisiert.

Aktuelle Nachrichten