Baudebakel

Es blubbert in den Rohren: Das Basler Biozentrum macht weiter Sorgen

Die offene Deckenarchitektur macht die Leitungen sicht- und hörbar.

Die offene Deckenarchitektur macht die Leitungen sicht- und hörbar.

Das Biozentrum macht weiter Sorgen. Nun müssen die Abwasserleitungen schallisoliert werden. Aber immerhin müssen keine Decken demontiert werden, da sämtliche Leitungen und Kanäle sichtbar offen montiert sind.

Aus schlecht gebauten Wohnüberbauungen ist das Phänomen ebenso bekannt wie aus Gewerberäumen, in denen es allerdings keine Rolle spielt: Abwasserrohre, die gurgeln, wenn in den Etagen darüber die Spülung betätigt wird. Das gleiche Geräusch hätte die Mitarbeiter der Universität Basel erwartet, die auf Anfang nächsten Jahres das neue Biozentrum beziehen sollen. Nun werden die Rohre in einer aufwendigen Blitzaktion ummantelt und schallisoliert. Es ist die Reparatur einer Reparatur, bevor das Gebäude überhaupt bezogen ist.

Das Biozentrum ist schon heute der Albtraum für die Hochbauplaner des Basler Baudepartements. Im vergangenen Dezember mussten die Behörden einräumen, dass sich nicht nur der ursprüngliche Einzug um vier Jahre verspäten wird, sondern auch, dass die Kosten rund dreissig Prozent über Budget liegen. Je nach Ausgang der Verhandlungen mit den Versicherungen und dem Generalunternehmer wird das universitäre Forschungszentrum zwischen 70 bis 110 Millionen Franken teurer als geplant. Mit einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK), dem schärfsten Mittel der Legislative, untersucht der Grosse Rat das Baudebakel.

Probleme bei den Sanitäranlagen von A bis Z

Nun erhält die Kommission aktuellen Anschauungsunterricht, was bei diesem Bauwerk alles schief läuft. Dass bei der Sanitärinstallation gepfuscht worden ist, räumte der Bauherr bereits im Sommer 2017 ein. «Gravierende Mängel bei der Sanitärplanung» führten dazu, dass der Firma, die zunächst den Zuschlag erhalten hatte, der Auftrag entzogen wurde. Der Bau erleide dadurch eine Verzögerung von einem halben Jahr, kommunizierte das Baudepartement. Zwei Jahre später vermeldete die Behörde, die Fehlplanung sei korrigiert. Im Dezember 2019 erhielt der entstandene Schaden ein Preisschild: 4,5 Millionen Franken.

Die «Basler Zeitung» spottete, mit immer neuen Sonderwünschen und Auflagen würde der Kanton die Kosten in die Höhe schrauben. Als Beispiel nannte die Zeitung, dass alle 72 Stunden die Wasserleitungen gespült werden müssten. Bei einer solchen Übung sei es sogar zu einem Wasserschaden gekommen. Hätte man die Anweisung allerdings ernst genommen, wäre wohl aufgefallen, dass es in den Abwasserrohren in einer Weise gurgelt, die einer konzentrierten Arbeit nicht förderlich ist. Doch dass die Vorgaben der SIA Norm 181 nicht eingehalten werden, wurde erst angegangen, nachdem die Labors und Büros bereits möbliert und die Lampen installiert waren.

Grosser Aufwand für die Umstände

Jetzt wird nachgerüstet, wie aus einer aktuellen Submission hervorgeht. Gesucht ist eine Installationsfirma, die mit sieben Equipen gleichzeitig arbeiten kann, um innerhalb nur eines Monats alle neuralgischen Abwasserrohre schallisoliert zu verkleiden. Der geschätzte Kostenrahmen ist mit rund 100 000 Franken zwar ein Tropfen im gesamten Geldfluss, der im Biozentrum versickert. Das Absurde zeigt sich vielmehr daran, dass der Aufwand für die damit verbundenen Umstände so gross scheint wie der Aufwand für die Schallisolierung an sich. Von Labor zu Labor müssen die eingebauten Möbel mit Plastik abgedeckt und die Böden ausgelegt werden. Teilweise müssen andere Installationen abgebaut und die Abwasserrohre freigelegt werden, bevor sie zu ummanteln sind. Sollten Mobiliar oder andere Leitungen zu Schaden kommen, muss der Installateur dafür haften, heisst es in der Ausschreibung.

Eine «Bauablaufstörung» sei die Ursache

Immerhin: Decken müssen keine demontiert werden, da im Biozentrum alle Leitungen und Kanäle sichtbar offen montiert sind. Dass frei schwebende Rohre schallisoliert gehören, steht in jedem Bauhandbuch. Selbst wenn Abwasserrohre in Schächten verborgen sind, wird der Hohlraum sorgsam mit schallschluckendem Material gefüllt, um den Lärm des plätschernden Wasserfalls zu vermeiden.

Wie es zum Versäumnis gekommen ist, wird in der umfangreichen Ausschreibung zweimal umschrieben. In einer Kurzfassung heisst es, «die Sanitärleitungen müssen aufgrund eines Schadenfalls nachträglich schallgedämmt werden». In einer längeren Version ist in einem anderen Dokument aufschlussreicher zu lesen: «Aufgrund von Bauablaufstörungen kam es zu Verzögerungen in der Montage von verschiedenen technischen Ausbaugewerken und der Trockenbauarbeiten. Dies hat zur Folge, dass die hier beschriebenen Schallschutzmassnahmen nicht parallel zu Montage der Leitungen ausgeführt wurden.» Oder anders gesagt: Die Monteure der Leitungen scherten sich um deren Isolation und das Baucontrolling versagte.

Immerhin sollte dieser Umweg nicht zu einer weiteren Verzögerung führen. Der enge Taktplan sieht weiterhin vor, dass bis zum Sommer die Gebäudeautomation schrittweise hochgefahren werde. Integrale Tests über alle technischen Einrichtungen und die Bauübergabe sollen im Dezember erfolgen.

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