Der Ackermannshof ist eines der bekanntesten Restaurants in Basel. Unter Dominic Lambelet erreichte er 14 Gault-Millau-Punkte. Als er aufhörte, zog Jayesh «Jay» Kumar ein paar Häuser weiter und in das traditionsreiche Lokal. Beim Inder kostet ein Gericht zwar ein bisschen weniger als noch zu Lambelets Zeiten, doch auch er beherbergte ein gehobeneres Klientel in der St. Johanns-Vorstadt. Zudem gehören viele Expats aus dem nahen Novartis-Campus zu seinen Stammkunden.

Der Wechsel von der Molekular-Küche zu Tandoori Chicken sorgte für Schlagzeilen. «Er ist nicht nur der Wunschkandidat der bisherigen Gastgeber, sondern bringt nach Überzeugung des Verwaltungsrats der Ackermannshof AG die Voraussetzungen mit, das Seinige zur besonderen Atmosphäre des Hauses beizutragen», so kündigte der Verwaltungsrat der Ackermannshof AG ein halbes Jahr zuvor die Rochade an. Dem Verwaltungsrat vorgestellt wurde Jay damals von seinem Vorgänger, Dominic Lambelet.

Inzwischen sieht die Lage etwas anders aus. Es kursieren Gerüchte um Differenzen zwischen den Besitzern der Liegenschaft und dem Wirt. Offenbar sondieren die Besitzer einen möglichen Nachfolger: Mehrere bekannte Wirte aus der Region wurden inoffiziell angefragt, wie es um das Interesse für ein Engagement im Ackermannshof stehe. Einer davon ist
Jêrome Beurret.

Kommt jetzt der Erfolgsgarant?

Beurret gilt als Erfolgsgarant. Als gastronomischer Nobody übernahm der Modeschöpfer 2008 das Rhyschänzli, ebenfalls im St. Johann. Wenig später folgte die Kasernen-Buvette, eine Goldgrube, die weitere Investitionen möglich machte. So auch das Burgerlokal Union beim Bläsiring, ebenfalls bei Expats hoch im Kurs. Es wurde von zweien seiner Stammgäste aus dem Rhyschänzli designt: dem Architekten-Duo Herzog und De Meuron. Das Union war so erfolgreich, dass Beurret vor rund zwei Jahren einen Selbstbedienungs-Ableger in unmittelbarer Nähe zur Steinenvorstadt eröffnete.

Auf Anfrage der bz bestätigt Beurret: «Es gab einmal eine vage Anfrage vonseiten der Besitzer.» Der Preis sei aber nicht genannt worden. Beurret lässt sich nicht vollständig aus der Deckung locken: «Wie gross mein Interesse ist, hängt von den Konditionen ab.» Sollte sich das Interesse seitens der Besitzer konkretisieren, müsse man sicher noch einmal zusammensitzen, so Beurret. Die erste Anfrage liege schon einige Wochen zurück.
Zwar ist er nicht der einzige Wirt, auf den die Verantwortlichen schon einen Schritt zugegangen sind. Doch schon bevor Lambelet die Gourmetküche in das Traditionslokal brachte, war er der Wunschkandidat der Entscheidungsträger. «Damals habe ich abgesagt», sagt Beurret.

Mit den Gerüchten um einen möglichen Wirtewechsel konfrontiert sagt Jay Kumar: «Das ist überhaupt nicht sicher.» Wegen gesundheitlicher Gründe halte er es jedoch für denkbar, dass er in seinem Betrieb in den nächsten Monaten etwas stärker in den Hintergrund tritt. Aktuell steht Kumar zumindest in den sozialen Medien stark im Fokus. Sei es an der Bar, am Herd oder im Service: Der Namensgeber Jay ist omnipräsent. Schwer vorstellbar, wie sich die Beiz ohne ihr extrovertiertes Aushängeschild darstellen würde.

Einflussreiche Besitzer

Die Besitzer des Ackermannshof waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Firma Ackermannshof AG ist Teil der Stiftung Edith Maryon «zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten». Zum Inventar dieser einflussreichen Institution aus dem anthroposophischen Dunstkreis gehören beispielsweise auch das Hotel Krafft und das Unternehmen Mitte.
In Letzterem kam es vor kurzem ebenfalls zu einer Rochade: Die Redaktion der «Tageswoche» ist im Untergeschoss ausgezogen, der Rest folgt. Neu brüten die Strategen der Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in den Räumlichkeiten an der Grünpfahlgasse.