Verzögerung
Es dauert noch: Die Doppelhaltestellen in Basel bleiben noch ein Jahr länger als geplant

Die Testphase hatte sich bewahrt. Im Herbst 2019 wurde bekannt, dass ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 in Basel-Stadt fünf stark genutzte Doppelhaltestellen in der Innenstadt in Einfachhaltestellen umgewandelt werden. Dieses Vorhaben verzögert sich nun aber um mindestens ein Jahr.

Julian Förnbacher
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An den Doppelhaltestellen wie jener am Bankverein herrscht oft Hektik.

An den Doppelhaltestellen wie jener am Bankverein herrscht oft Hektik.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Benützer des öffentlichen Verkehrs in Basel kennen das nur zu gut: Man steht gedankenversunken am Bankverein oder am Marktplatz und wartet auf das Tram. Laut der blinkenden Anzeigetafel sollte es längst da sein, doch vor einem steht ein Tram der falschen Linie.

Dann der Schock: Auch das eigene Tram ist bereits da, ganz am anderen Ende der Station. Man setzt zum Sprint an, doch just, als man ankommt, schliessen sich die Türen – Tram verpasst. Eigentlich hätten die Doppelhaltestellen beim Aeschenplatz, am Barfüsserplatz, Bankverein, Heuwaage und Marktplatz im Zuge des Fahrplanwechsels im Dezember verschwinden sollen. Dies hatte das Basler Bau- und Verkehrs­departement (BVD) im Herbst 2019 angekündigt, nachdem zuvor ein vierwöchiger Praxistest mit Einfachhaltestellen positiv ausgefallen war.

Die Resonanz war so gut, dass man euphorisch verkündete, den Umbau früher als geplant umzusetzen. Umstiegsstress auf den langen Tram­inseln ist jedoch auch heute noch da.

Schuld liegt beim Kunstmuseumsparking

Das BVD muss entsprechend zurückrudern. Auf Anfrage der bz teilt es mit, dass die Einfach­haltestellen mindestens ein Jahr verspätet eingeführt würden. Man visiere neu den Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres an. Der Grund für die Verzögerung ist die ihrerseits verzögerte Baustelle des Parkings beim Kunstmuseum, aufgrund welcher die Trams im St.-Alban-Graben nicht in beide Richtungen fahren können.

Ältere, Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen haben an den hektischen Doppelhaltestellen oft kaum eine Chance, ihr Tram zu erreichen.

(Quelle: Martin Matter von Grauen Panther Nordwestschweiz)

Die Basler ÖV-Nutzer müssen sich also weiter mit der Doppel­haltestellenhektik arrangieren. Insbesondere für Seniorinnen und Senioren sowie für Menschen mit Behinderung ist dies nicht nur unkomfortabel, sondern ein grobes Hindernis, wie Martin Matter von Grauen Panther Nordwestschweiz sagt: «Ältere, Gehbehinderte ebenso wie Eltern mit Kinderwagen haben an den hektischen Doppelhaltestellen oft kaum eine Chance, ihr Tram zu erreichen. Das ist nicht mehr hinnehmbar. Entsprechend ärgerlich ist diese Verzögerung.»

Ins selbe Horn stösst Michel Voisard, Geschäftsführer von Pro Infirmis Basel: «Wir sprechen uns seit Jahren klar gegen die Doppelhaltestellen aus. Eine hindernisfreie Umwelt ist für die Autonomie von Menschen mit Behinderungen zentral: Nur so können sie am gesellschaftlichen Leben uneingeschränkt teilhaben.»

Schluss mit dem Gerenne aufs Tram: Basel-Stadt schafft Doppelhaltestellen ab