Birlin-Mühle

«Es ermöglicht uns, ein Stück Heimat zu spüren»: Eritreisches Mehl für die Region und halb Europa

Obwohl das Mehl aus ostafrikanischem Getreide gemahlen wird, stammt es doch nur wenige Kilometer entfernt aus der Birlin-Mühle im Badisch-Rheinfelder Ortsteil Degerfelden.

Obwohl das Mehl aus ostafrikanischem Getreide gemahlen wird, stammt es doch nur wenige Kilometer entfernt aus der Birlin-Mühle im Badisch-Rheinfelder Ortsteil Degerfelden.

Die Birlin-Mühle in Badisch-Rheinfelden beliefert halb Europa mit eritreischem Mehl. Und auch Läden in Basel.

«Alleine der Geruch des Mehls weckt nostalgische Erinnerungen», Lueul Kifle. «Ich bin sehr froh um die Möglichkeit, Essen aus der Heimat in so einem weit entfernten Land zu kosten.» Vor drei Jahren eröffnete Gaim seinen Laden Eritrean World GmbH in der Basler Feldbergstrasse mit allen erdenklichen Artikeln und Produkten aus seiner Heimat, von Lebensmitteln über Kleidung und Haarprodukten bis zur Hochzeitsdekoration. Angefangen hat aber alles mit Mehl: Obwohl es aus ostafrikanischem Getreide gemahlen wird, stammt es doch nur wenige Kilometer entfernt aus der Birlin-Mühle im Badisch-Rheinfelder Ortsteil Degerfelden.

Angefangen hat es mit einer Handvoll Hirse

Nur das geübte Auge erkennt sofort, dass es sich bei den geschwungenen Zeichen auf der Verpackung des Mehls aus der Birlin-Mühle um die äthiopische Schrift handelt. Sie wird in Äthiopien und Eritrea für die amharische Sprache, in Eritrea zusätzlich für die Landessprache Tig rinya verwendet. Auf Deutsch steht auf den verschiedenen Verpackungen: Milomehl, Sorghummehl, Teffmehl oder Gerstenmehl – gemahlen aus den typischen Getreidesorten Ostafrikas, gekauft von Kunden vor Ort auch aus Basel.

Einige Basler Kunden holen das Mehl persönlich im Laden von Peter Birlin ab.

Einige Basler Kunden holen das Mehl persönlich im Laden von Peter Birlin ab.

«Ein Mitglied der eritreischen Gemeinde aus Lörrach kam vor 20 Jahren mit einer Handvoll Sorghumhirse und bat uns, sie zu mahlen», erzählt Peter Birlin, Inhaber und Geschäftsführer des Familienbetriebs. Der Mann habe nicht lockergelassen. Als dann auch der eritreische Händler Alem Araya aus Frankfurt am Main auf sie zugekommen sei, habe seine Familie schliesslich beschlossen, sich auf die Produktion des Spezialmehls für die ostafrikanische Kundschaft einzulassen.

Auch zwei Grossverteiler in Zürich und Biel werden beliefert

Ein Wagnis, das sich auszahlte: Heute mahlt die Birlin-Mühle jährlich etwa 1'000 Tonnen im sogenannten Ethnobereich, 600 Tonnen davon allein an Milomehl. Abnehmer sind laut Birlin 6'000 Privatkunden und 100 Händler in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Italien, Frankreich, Grossbritannien und Skandinavien. Die kleine Birlin-Mühle hat genau die richtige Betriebs grösse für diese Nische. Sie liefert auch an zwei Grossverteiler in Zürich und Biel.

Nur das geübte Auge erkennt sofort, dass es sich bei den geschwungenen Zeichen auf der Verpackung des Mehls aus der Birlin-Mühle um die äthiopische Schrift handelt.

Nur das geübte Auge erkennt sofort, dass es sich bei den geschwungenen Zeichen auf der Verpackung des Mehls aus der Birlin-Mühle um die äthiopische Schrift handelt.

Auch in Basel hat Birlin neben Gaim weitere Händler und Restaurants auf der Kundenliste. Der Export in die Schweiz ist erwartungsgemäss mit «heftigen Zöllen» belegt. Viele Kunden aus Basel holen laut Birlin deshalb das Mehl vor Ort in Degerfelden ab. Manche kommen sogar aus dem Wallis und dem Tessin. Auch Bier wird mit seinem Getreide gebraucht, und zwar in der Brauerei Nubia Brew in Opfikon bei Zürich.

Ähren wachsen wie eine umgekehrte Traube

Das ostafrikanische Getreide lässt Birlin über Vertragspartner in der direkten Umgebung anbauen: Im Sommer wächst Milo zum Beispiel auf einem Feld nördlich des Flugplatzes Herten entlang der Verbindungsstrasse zwischen Herten und Degerfelden. Erkennbar ist das exotische Getreide an den grossen, kugelförmigen Ähren, die wie eine umgekehrte Traube wachsen. Beim Milo handelt es sich um eine Hirseart der Gattung Sorghum; weitere Namen sind Mohrenhirse, Sorgho, Dari, Durrakorn, Besenkorn, Guineakorn, Shallu oder Jowar.

Milo wird heute auch in Südeuropa angebaut und ist weltweit die fünftwichtigste Getreideart nach Weizen, Mais, Reis und Gerste. Die Hirseart Teff oder Zwerghirse ist die wichtigste Getreideart in Äthiopien und wird zu Fladenbrot und Bier verarbeitet. Schon vor drei Jahrzehnten baute sich die Birlin-Mühle ein internationales Netzwerk auf und vertreibt heute europaweit Backsaaten und Getreide sowie Haselnüsse aus der Türkei. So sei er an Milo und Teff gelangt, erzählt Birlin.

«Es ermöglicht uns, ein Stück Heimat zu spüren»

«Ich finde es gut, dass eritreisch- äthiopisches Getreide in der Nachbarschaft auf dem Acker wächst», sagt Gaim: «Es ermöglicht uns, ein Stück Heimat zu spüren.» Auf das Nischenprodukt aufmerksam gemacht wurde er von seinem Onkel, der in Weil am Rhein wohnt. Die bemerkenswerte Qualität des Mehls habe ihn überrascht, sagt Gaim. Viele Landsleute seien skeptisch gewesen; er habe sie überzeugen müssen. Aber er findet: «Das Mehl hat die Qualität wie aus meiner Heimat.»

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