Occupy
«Es geht darum, dass sich fremde Leute miteinander vernetzen können»

In der ganzen Schweiz besetzten unzufriedene Menschen die Plätze der grossen Städte. Auch in Basel taten sich einige Unzufriedene zusammen und gründeten Occupy Basel. Seit über drei Jahren besteht die Gruppe und führt verschiedene Aktivitäten durch.

Silvana Schreier
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Occupy Basel
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Im Kern der Aktion standen zwei besprayte Leinwände mit den Texten „MONEY KILLS TINA“ und „PUSSY RIOT BKB“ und den dazugehörigen Titeln „There is no alternative (TINA) to Capitalism“ respektive „Dort der Präsident, hier die Bank“, welche auf dem Barfüsserplatz angefertigt und aufgestellt wurden.
Im Kern der Aktion standen zwei besprayte Leinwände mit den Texten „MONEY KILLS TINA“ und „PUSSY RIOT BKB“ und den dazugehörigen Titeln „There is no alternative (TINA) to Capitalism“ respektive „Dort der Präsident, hier die Bank“, welche auf dem Barfüsserplatz angefertigt und aufgestellt wurden.
Im Kern der Aktion stand der erneute Skandal rund um die Basler Kantonalbank.
Im Kern der Aktion stand der erneute Skandal rund um die Basler Kantonalbank.
Im Kern der Aktion stand der erneute Skandal rund um die Basler Kantonalbank.
Als im September 2011 die ersten Aufrufe zur Besetzung der Wall Street in New York erfolgten, markierte dies den Anfang der weltweiten Occupy-Bewegung, dessen Ableger in Basel auf dem Barfüsserplatz den dritten Geburtstag feierte.
Occupy Basel
Occupy Basel solidarisiert sich mit Verkaufspersonal gegen Ausbeutung durch verlängerte Ladenöffnungszeiten.
«Occupy lebt und bebt»

Occupy Basel

Zur Verfügung gestellt

«Würden die Menschen unser Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.» Schon zur Zeit von Henry Ford war das Wirtschaftssystem komplex. Die Bewegung Occupy Basel hat es sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für finanzwirtschaftliche Themen zu schärfen. Eine Revolution konnte bis jetzt noch nicht ausgelöst werden. «Occupy Basel möchte die Ursache bekämpfen und nicht nur das Resultat», sagt Stefan B.*, Student für nachhaltige Entwicklung und langjähriger Occupy-Aktivist.

Alles begann im Herbst 2011: In der ganzen Schweiz besetzten unzufriedene Menschen die Plätze der grossen Städte. In Zürich entstanden Camps, in denen man sich versammelte und weiter protestierte. Auch in Basel taten sich einige Unzufriedene zusammen und gründeten Occupy Basel. Seit über drei Jahren besteht die Gruppe und führt verschiedene Aktivitäten durch: gewaltfreie Demonstrationen, Flyeraktionen und Mitarbeit an Initiativen und Referenden. Sieben Occupy-Aktivisten im Alter von 20 bis 30 Jahren halten die Bewegung in Basel am Leben. Ohne Hierarchie versammeln sich die Frauen und Männer regelmässig und diskutieren gemeinsam ihre Anliegen. Dabei streben sie stets Lösungen an, mit denen alle einverstanden sind. «Es geht uns darum, dass wir niemanden ausschliessen wollen», erklärt Stefan B.

«Es fehlt uns an Kapazität»

In den vergangenen Jahren musste die Basler Kantonalbank (BKB) viel Kritik einstecken. Die Skandale häuften sich und sorgten für Unmut. Auch Occupy Basel war an vorderster Front mit dabei und wollte die Bevölkerung über die umstrittenen Machenschaften aufklären. «Wir haben uns an die Medien gewandt und eine Vernehmlassungsantwort mit konkreten Forderungen eingereicht», sagt Stefan B. Allerdings seien sie grösstenteils ignoriert worden. Für weiterführende Aktionen habe ihnen dann die Kapazität gefehlt. Damals zählte die Bewegung noch weniger als sieben Mitglieder. Noch sei aber noch nichts verloren. Stefan B. ist zuversichtlich: «In den letzten Monaten ist mit uns auch das Bewusstsein für unsere Anliegen gewachsen.» Konkrete Pläne liegen aber noch keine vor.

Neben den wirtschaftlichen Aspekten setzt sich Occupy Basel auch für soziale Themen ein: «Es bringt nichts, wenn wir ein funktionierendes Wirtschaftssystem haben, aber asozial miteinander umgehen», erklärt Stefan B. die Prinzipien seiner Bewegung. Das Motto heisse ja nicht umsonst «We are the 99%». Damit wollen sie klar stellen, dass sie für die 99 Prozent der Menschen stehen, die alle gemeinsam weniger besitzen, als das reichste Prozent. «Wir wollen diese 99 Prozent untereinander vereinen», sagt Stefan B. Dabei sollen politische Einstellung und Herkunft keine Rolle spielen. Man versuche, sich vom sturen Links-Rechts-Denken zu lösen.

Ein weiterer Schritt in Richtung Gemeinschaft soll ihr neues Projekt sein: Am 1. März wird die Meal-Sharing-Plattform «socialmeal.ch» hochgeschaltet. «Es geht darum, dass sich fremde Leute miteinander vernetzen können», sagt Samuel R.*, der die Website programmiert hat, gelernter Buchbinder ist und sich bei der Gewerkschaft Syndicom engagiert. Das Grundprinzip ist simpel: Wer gerne kocht, aber nicht alleine essen möchte, kann sich dort anmelden und von der Vernetzung profitieren. Seit über zwei Jahren organisiert Occupy zudem regelmässige Filmabende. «Wir sprechen damit ein breites Publikum an», sagt Samuel R. Am kommenden Sonntag findet der 50. Filmabend im Quartiertreff St. Johann zu den Themen Konsum und Nachhaltigkeit statt.

*Name der Redaktion bekannt