Nach einem recht guten vergangenen Jahr sieht die regionale Wirtschaft verhalten optimistisch dem neuen Jahr entgegen.

Dafür spricht Folgendes:

  • Die Weltwirtschaft dürfte an Dynamik zunehmen. Auch die Nachfrage nach Pharmaprodukten zeige wiederum nach oben, wie die BAK Basel Economics in einer Studie feststellt. Die Pharmabranche legt im laufenden Jahr fünf Prozent zu, im kommenden 4,7 Prozent.
  • Mit der kräftigen Dynamik vermag die Pharma den gesamten sekundären Sektor zu stützen und insbesondere die rückläufige Entwicklung der Metallindustrie zu kompensieren. Diese leidet nach wie vor unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, insbesondere in Europa. Das Gewerbe zieht mit nach oben. Die BAK rechnet für die Nordwestschweiz mit einem Wachstum von 2,3 Prozent, nach zwei Prozent in diesem Jahr.

Tourismus nochmals nach oben

  • Die Zahl der Hotelübernachtungen erklimmt in diesem Jahr einen neuen Rekordwert. Wenn nicht eine massive Krise hereinbricht, dürfte der Boom andauern. Die Messe, die jetzt grösser und attraktiver ist, will vermehrt interessante Kongresse nach Basel bringen. Es werden neue Hotels gebaut oder wurden kürzlich eröffnet. Die Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler «dürfte viele Kunstfreunde nach Basel ziehen, die den Besuch oft mit einer Übernachtung verbinden», sagt Esther Brühwiler, Direktorin des Hotel Basel. Sorgen mache ihr die weltwirtschaftliche Entwicklung und der starke Schweizer Franken.
  • Der Finanzsektor finde langsam, aber stetig aus der Krise und könne wieder zum regionalen Wachstum beitragen, so die BAK.

Detailhandel im Plus

  • Beim Detailhandel scheint sich nach den schwierigen Jahren mit der Konsumverlagerung ins Ausland eine erste, leichte Erholung abzuzeichnen. Die Konsumstimmung ist nicht schlecht, der Beschäftigungsaufbau und die steigenden Reallöhne dürfte auf die Verkäufe durchschlagen, schätzt die BAK Basel. «Wir gehen davon aus, dass sich die Konjunktur im 2015 tendenziell positiv entwickelt und sind deshalb optimistisch, was die Entwicklung des Detailhandels anbelangt», sagt ein Coop-Sprecher.
  • Die Aussichten der Baubranche schätzt die BAK etwas weniger optimistisch ein, weil die Zahl der Baubewilligungen zurückgegangen sei. Ausserdem stehe das Grossprojekt Roche-Turm vor der Vollendung. Gleichzeitig gilt es aber zu bemerken, dass andere Grossprojekte in Vorbereitung sind. Eine Stütze sind die Zinsen, die wahrscheinlich noch längere Zeit tief bleiben werden. Was heisst das? Eigenheime sind günstig finanzierbar, für Renovationen sind Hypotheken ebenfalls günstig. Beides stützt die Bauwirtschaft.

Arbeitsmarkt: Schwachpunkte

Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte nach Schätzung der BAK per Saldo nochmals um 0,8 Prozent zunehmen. Trotz dieser Zunahme werden Stellen abgebaut. Syngenta wird in Basel in den kommenden drei Jahren 500 Stellen streichen. Novartis nimmt derzeit den grössten Umbau ihrer Geschichte, genauer seit der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy, vor. Es handelt sich um den Verkauf oder Teilverkauf der Divisionen Impfstoffe, Diagnosemittel, rezeptfreie Heilmittel sowie die Bildung einer Dienstleistungsabteilung Novartis Business Services. Wie viele Stellen das in Basel kosten wird, steht noch in den Sternen. Der Abbau dürfte mit dem Aufbau andernorts zumindest teilkompensiert werden. Weiter wird sich der Umzug der SBB Cargo nach Olten bemerkbar machen.

Es fällt überdies auf, dass die Arbeitslosenquote in der Nordwestschweiz nicht mehr auf den Tiefstand vom Jahr 2000 gefallen ist. Allerdings scheint sich der Horizont aufzuhellen. Laut einer Befragung der Wirtschaftsstudie Nordwestschweiz schätzen mehr als die Hälfte der Firmen den Arbeitsmarkt positiv ein, rechnen also mit Beschäftigungszuwachs. Chemie und Pharma beurteilen die Entwicklung hingegen negativer.

Novartis: Konzernumbau und Investitionen

Novartis schaut zuversichtlich ins kommende Jahr. Ein wichtiger Meilenstein ist der geplante Abschluss der Transformation mit Fokussierung auf die führenden Bereiche Pharma, Augenheilkunde und Generika. «Die positiven Zulassungsentscheide und Veröffentlichungen bedeutender klinischer Studien der letzten Monate unterstreichen die Innovationskraft des Unternehmens sowie das Potenzial der Pipeline», kommentiert der Konzern.

In der Region Nordwestschweiz ist im kommenden Jahr die Eröffnung zweier neuer Gebäude auf dem Novartis Campus geplant und im Werk Stein befindet sich eine Produktionsanlage im Wert von 500 Millionen Franken im Bau.

Roche bezieht den Turm

Für Roche wird auch 2015 geprägt sein durch intensive Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, «damit wir auch in Zukunft innovative Medikamente und Diagnostika für Patienten zur Verfügung stellen können», schreibt der Konzern. Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz wegweisende neue Arzneien von Roche im Bereich Brustkrebs, Hautkrebs und Altersleukämie zugelassen. «Im nächsten Jahr werden wir daran mit innovativen Therapien gegen Gebärmutterhals- und Hautkrebs anknüpfen.» Mit dem neuen Bau 1 (grosses Bild) habe Roche «ein klares Bekenntnis zur Region gegeben». Das 178 Meter hohe Gebäude wird im kommenden Jahr bezogen, wie auch das «Learning Center» in Kaiseraugst.

Endress+Hauser, Reinach

Endress+Hauser, der weltweit führende Anbieter von Messgeräten, Dienstleistungen und Lösungen für die industrielle Verfahrenstechnik, erwartet für 2015 ein weltweites Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

In Europa und auch in der Schweiz dürften die Zuwächse im unteren einstelligen Prozentbereich liegen. «Gleichwohl erwarten wir in der Schweiz eine bessere Entwicklung als im 2014, da die Exporte unserer Kunden im Maschinen- und Anlagenbau von der verbesserten Weltkonjunktur profitieren werden», schreibt die Medienstelle des in Reinach ansässigen Unternehmens.

List Maschinen, Arisdorf

Die List-Gruppe ist tätig im Projektgeschäft für chemische Grossindustrieanlagen, Schwerpunkt Faser-, Kunststoff- und Gummiindustrie. «Wir sind stark in Asien engagiert und sehen dort momentan keinen Rückgang bei den Investitionen. Zurzeit beeinflussen aber der sinkende Ölpreis und die politischen Probleme mit Russland unser Geschäft negativ. Dagegen sehen wir grosse Chancen in den USA, wo aufgrund des Schiefergasbooms und der niedrigen Energiekosten viele neue Projekte entstanden sind. Sorge macht uns die fehlende Dynamik in Europa, wo die hohen Energiekosten neue Investitionen behindern», so List.

Hotel Basel: Konkurrenz belebt das Geschäft

«Das Hotel Basel hatte ein sehr erfolgreiches Jahr 2014, und auch für das neue Jahr sind wir optimistisch», sagt die Direktorin Esther Brühwiler. «Wir gehen davon aus, dass die Übernachtungszahlen in Basel weiterhin ansteigen werden oder zumindest auf hohem Niveau stagnieren.» Die Pharmaindustrie und andere Wirtschaftszweige leisten hierbei einen wesentlichen Beitrag zur Grundauslastung der Hotels.

Die neuen Konkurrenten auf dem Platz Basel verursachen der Hoteldirektorin keine Bauchschmerzen. «Neue Hotels sorgen auch immer wieder für neue und andere Gäste in Basel», ist sie überzeugt. «Davon profitieren letztendlich alle.»

Straumann: Bissig gegen Plagiate

Gemäss Analystenschätzungen könnte der globale Markt für Premium-Zahnersatzlösungen, wie Straumann sie anbietet, 2015 um rund vier Prozent wachsen. Straumann beabsichtigt, dies zu übertreffen. Der Schweizer Implantologie-Markt ist sehr gut etabliert und bietet deshalb nur geringe Wachstumsmöglichkeiten.

Straumann wird sich weiterhin darauf konzentrieren, das Niveau für hochwertige Behandlungen zu erhalten sowie sich gegen minderwertige Plagiate zu wehren.

Schlüsselelemente hierzu sind die weniger invasiven, schnell einheilenden Roxolid/SLActive-Implantate und andere innovative Produkte, die sich in der Pipeline befinden.

Jean Cron: Solider Bau

Die auf Renovationen und Umbauten spezialisierte Jean Cron AG rechnet für die erste Jahreshälfte 2015 mit einer weiterhin guten Auslastung und einer recht guten Baukonjunktur.

In der zweiten Jahreshälfte könnte es allenfalls zu einer leichten Abschwächung kommen, da die Auflagen des Bundes für zweite Hypotheken etwas verschärft worden sind.

Der Preisdruck hält unvermindert an. «Aber das ist seit Jahren so», kommentiert Firmenchef Patrice Cron. Die Firma wurde 1936 gegründet und beschäftigt im Jahresschnitt rund 65 Mitarbeitende.

Rhenus Alpina: Gute Aussichten, ruhiges Fahrwasser

Gemäss einer Studie des Lehrstuhls für Logistikmanagement der Universität Sankt Gallen wächst der Schweizer Logistikmarkt aufgrund der starken Binnennachfrage weiterhin überproportional. Vor diesem Hintergrund rechnet Rhenus Alpina mit guten Aussichten für das Jahr 2015, sagt Andreas Stöckli, CEO der Rhenus Alpina. Dazu werden unter anderem der Umzug von Cargologic in die neue Frachthalle am Euro-Airport, die Eröffnung des neuen Logistikcenters von Rhenus Contract Logistics in Schaffhausen und schliesslich der Rheinhafen in Basel mit beitragen – denn die Schifffahrt stellt nach wie vor den ökonomisch und ökologisch sinnvollsten Transportweg dar.

Clariant: «Umfeld herausfordernd»

Clariant geht für 2015 von einem weiterhin herausfordernden Geschäftsumfeld aus, mit einer heterogenen Entwicklung der Weltwirtschaft und volatilen Devisenmärkten. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld in den Schwellenländern wird voraussichtlich uneinheitlich, aber insgesamt vorteilhaft bleiben, während in den USA ein moderates Wachstum zu erwarten ist. In Gegensatz dazu wird die Wirtschaft in Europa voraussichtlich bestenfalls stagnieren. Infolgedessen konzentriert sich Clariant auf das profitable Wachstum seiner vier Geschäftsbereiche Care Chemicals, Catalysis & Energy, Plastics & Coatings und Natural Resources, auf Kosteneffizienz und auf die Förderung von Innovation.

Baloise: Problem mit tiefen Zinsen

Trotz der erfreulichen Geschäftsentwicklung bleibe das anhaltend tiefe Zinsniveau eine grosse Herausforderung für die Baloise und die Vorsorgesysteme. Baloise wisse aber, «mit diesen anspruchsvollen Rahmenbedingungen verantwortungsbewusst umzugehen».

Ein wichtiges Ereignis für die Baloise wird im neuen Jahr der Baubeginn des neuen Baloise-Parks sein. In das Areal rund um den Hauptsitz am Centralbahnplatz Basel investiert Baloise ab 2015 rund 250 Millionen Franken. In den Liegenschaften werden rund 2000 Büroarbeitsplätze für die Baloise sowie Mietflächen für Dritte entstehen.