FDP-Einwohnerrat Daniel Wenk ruft schon fast frustriert in Erinnerung, dass Riehen vor Jahren «eine grosse Chance verpasste», als das Stimmvolk unter der Federführung der SVP das Neubauprojekt des Weissenbergerhauses an der Bahnhofstrasse 34 bachab geschickt hat. Zum Projekt gehörte auch eine öffentliche Tiefgarage, die der Investor des Hauses gleich selber finanziert hätte.

Der Ruf nach einer Tiefgarage im Dorfzentrum ist seitdem nie abgeklungen. Das neuste Projekt des Gemeinderats soll mit dem Bebauungsplan am kommenden Mittwoch im Einwohnerrat die nächste Hürde nehmen. Geplant ist eine einstöckige Tiefgarage mit 88 Parkplätzen unterhalb des jetzigen Wettsteinparkplatzes. Diese soll knapp acht Millionen Franken kosten. Doch dagegen regt sich erneut Widerstand.

Zu teuer für die SVP

Es gibt Kritik an einzelnen Punkten des Bebauungsplans. Diese wird auch in den Berichten der beiden zuständigen Sachkommissionen angesprochen, wobei beide dem Bebauungsplan zustimmen. Daneben gibt es grundsätzliche Kritik an einer Tiefgarage. Das Parkplatzregime im Dorfzentrum soll bleiben, wie es ist, findet vor allem die SVP. «Es geht um eine Grundsatzdiskussion, ob eine Tiefgarage richtig ist oder nicht», sagt Christian Heim, SVP-Fraktionspräsident und Präsident der Sachkommission Siedlung und Landschaft. Im Vergleich zur jetzigen oberirdischen Parkplatzsituation kämen 32 zusätzliche Parkplätze dazu. Die Rechnung geht für Christian Heim nicht auf. «Das sind rund 222'000 Franken für einen zusätzlichen Parkplatz. Dafür können wir alle, die ins Dorfzentrum wollen, mit dem Taxi abholen.»

Zufahrt sorgt für Mehrverkehr

Die Gemeinde hingegen will für die Realisierung und den Betrieb der Tiefgarage einen privaten Investor suchen. FDP-Einwohnerrat Daniel Wenk ist skeptisch, ob sich jemand finden lässt, der nur eine Tiefgarage betreiben will. Die FDP fordere zudem, dass «die oberirdischen Parkplätze erst aufgehoben werden dürfen, wenn die Tiefgarage steht. Und nicht umgekehrt».

Die grösste Herausforderung für die Planung der Tiefgarage stellt die Ein- und Ausfahrt dar: Die Zufahrt ab der Bahnhofstrasse via der bereits bestehenden Einfahrt in die Einstellhalle des Postgebäudes hat sich gemäss Gemeinderat in den Vorprüfungen als die beste Option erwiesen. Die Zufahrt führt unter der Bahnhofstrasse, dem Areal Weissenbergerhaus und unterhalb der Spielwiese neben dem neuen Spielplatz vorbei. Dieser werde nicht tangiert. Aus der Sachkommission Mobilität und Verkehr kommen aber Bedenken, «ob den Bewohnern der Zufahrtsstrassen der doch erhebliche Mehrverkehr zur Zu- und Wegfahrt aus dem Parkhaus zugemutet werden kann».

Denn das Verkehrsaufkommen wäre gemäss Kommissionspräsident Felix Wehrli (SVP) «um ein Vielfaches höher als in der aktuellen Situation». Zurzeit führen mehrere Zufahrtswege zum Parkplatz hinter dem Gemeindehaus, was die Belastung einzelner Abschnitte in Grenzen hält. «Mit der Tiefgarage müssen alle durch die Bahnhofstrasse. Dies wird spürbar sein», sagt Wehrli.

«Oberirdisch sympathischer»

Wehrli beurteilt ähnlich kritisch wie sein Fraktionskollege Christian Heim eine Tiefgarage: «Mir ist ein oberirdischer Parkplatz sympathischer. Ich denke vor allem auch an ältere Menschen, von denen es in Riehen viele hat, aber auch an Frauen.» In der SVP gäbe es bereits jetzt Überlegungen, das Referendum gegen eine mögliche Tiefgarage zu ergreifen: Entweder gegen den Bebauungsplan oder gegen den finalen Investitionskredit.