Statistik

Es gibt mehr Bewilligungen als Grenzgänger, die sie nutzen

Grenzgänger am Zollübergang Lörrach-Riehen.

Grenzgänger am Zollübergang Lörrach-Riehen.

Die Zahl der Bewilligungen für Grenzgänger aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut steigt weiter an – doch wie viele werden auch genutzt?

«Bisher konnten wir nicht feststellen, dass die Stärke des Schweizer Franken dazu geführt hat, dass Schweizer Unternehmen Grenzgänger entlassen hätten. Vielmehr hören wir vielfach von unseren Partnern aus der Schweiz, wie wichtig die Grenzgänger für den unternehmerischen Erfolg empfunden werden», freut sich Alexander Maas in der Medienmitteilung zu den Grenzgängerzahlen aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut im Jahr 2015.

Maas ist Geschäftsführer der «Wirtschaftsregion Südwest», der Wirtschaftsfördergesellschaft der beiden Landkreise. Seit einigen Jahren erhebt sie die Zahl der Grenzgänger auf Gemeindeebene. Er stützt sich hierfür auf die Daten des Bundesamts für Statistik für das Jahr 2015. So ist die Zahl der ausgestellten Bewilligungen seit dem 3. Quartal 2008 bis zum 4. Quartal 2015 in beiden Landkreisen beständig gestiegen. Im Landkreis Lörrach um über 6000 auf 25 800 und im Landkreis Waldshut um gut 4000 auf 17 400.

Neu tatsächliche Zahlen

Durch eine interne Methodenrevision und der damit einhergegangenen Änderung der Datenerfassung hat das Bundesamt für Statistik erstmals die tatsächlichen Grenzgängerzahlen erhoben. Damit liesse sich jetzt erstmalig «für einzelne deutsche Herkunftsgemeinden feststellen, wie viele Grenzgänger tatsächlich zur Arbeit in die grenznahen Schweizer Kantone pendeln.»

Weil nicht alle Grenzgänger die Bewilligungen auch wirklich nutzen, sind die realen Zahlen geringer. «Demnach pendelten im vergangenen Jahr insgesamt 21 352 Personen aus dem Kreis Lörrach und 14 387 Personen aus dem Kreis Waldshut in die grenznahe Schweiz.»

Die Differenz zwischen den erteilten Bewilligungen und den tatsächlichen Grenzgängern ist erheblich. Sie beträgt allein für die beiden Landkreis knapp 7600 und relativiert stark die Zahlen, die bisher vorgelegt wurden. Nichtsdestotrotz bleibt die Bedeutung der Grenzgänger für die Schweizer Grenzregionen wie auch für die Herkunftsorte erheblich. Von den knapp 59 000 deutschen Grenzgängern in der Schweiz wohnen mit knapp 36 000 immerhin mehr als die Hälfte in den beiden Landkreisen Waldshut und Lörrach.

Wichtige Arbeitsstätte Basel

Im Landkreis Lörrach sind wie im Vorjahr die grossen Städte entlang der Grenze die wichtigsten Wohnorte. So heisst es in der Pressemitteilung in Bezug auf den Landkreis Lörrach: «Über 2/3 der Grenzgänger wohnen in Lörrach, Rheinfelden und Weil am Rhein.» Als Arbeitsstätte ist der Kanton Basel-Stadt am wichtigsten. Dort arbeiten knapp 11 000 Personen. Im Landkreis Waldshut pendelt knapp die Hälfte der Grenzgängerin den Kanton Aargau.

«Als die Schweizer Nationalbank im Januar 2015 die Bindung des Schweizer Franken an den Euro aufgegeben hatte, waren die Befürchtungen gross, dass in Folge dessen der Euro abgewertet und dies Auswirkungen auf die Schweizer Exportzahlen, Unternehmensergebnisse und mittelfristig auch auf die Anstellung von Grenzgängern haben würde», analysiert Maas. Obwohl der Export Schweizer Waren um 2,62 Prozent abnahm, habe es, wie anfangs erwähnt, keine negativen Auswirkungen auf die Grenzgängerzahlen gegeben.

Die «Wirtschaftsregion Südwest» übermittelt die erhobenen Zahlen der Grenzgänger auf Gemeindeebene an die deutsche Bundesagentur für Arbeit. Dadurch fliessen sie auch in die Berechnung der Arbeitslosenquote ein, was sonst nicht der Fall wäre. Die offiziell ausgewiesene Arbeitslosenquote in der Region «läge sonst zu Unrecht um rund 0,7 bis 0,9 Prozent höher», heisst es abschliessend in der Pressemitteilung.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

Meistgesehen

Artboard 1