Die Passerelle über dem Basler Bahnhof platzt am Tag nach dem Nein zum Central Park wie immer aus allen Nähten. Wie jeden Tag steigen 108 000 Passagiere in die Züge ein und aus; drängen über die Rolltreppen und suchen den Weg nach draussen.

Von den Passagieren her ist Basel der drittgrösste Schweizer Bahnhof nach Zürich und Bern. Im infrastrukturellen Bereich allerdings steht Basel eher am Rand - trotz des schönen Bahnhofsgebäudes und der architektonisch herausragenden Passerelle wirkt der Bahnhof wie eine zerknüllte Visitenkarte.

Grosser Handlungsbedarf

Der Zugang zum französischen Bahnhof ist zu jeder Tageszeit verwaist. Die Treppen zum Ausgang in Richtung Post schrecken ab, weil sie steil, schlecht beleuchtet und von Müll gesäumt sind. Der Centralbahnplatz ist unübersichtlich. Der Veloparkplatz in Richtung Gundeli ist heillos überstellt, die Zugangstreppe riecht wie ein Pissoir.

Hinzu kommt die mangelnde Einbindung in die Stadt sowie ins Quartier. Und auch wenn diese Auflistung überspitzt ist, zeigt sie das Hauptproblem der weiteren Entwicklung: die vielen Beteiligten. Der Bahnhof gehört den SBB, das marode Gebäude am Kopfende ist im Besitz der Post, der französische Bahnhof gehört der französischen Staatsbahn SNCF, etliche Grundstücke ringsum sind in Kantonsbesitz. Am Tag nach dem Nein interessiert denn auch vor allem eines: Wie geht es nun weiter mit dem Basler Bahnhof?

Kanton will Verbesserung

«Basel hat einen äusserst repräsentativen Bahnhof», widerspricht der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels. Das Bild des vernachlässigten Schandflecks entspreche nicht seiner Wahrnehmung. Er sei froh, dass es nach dem Nein nun weiter gehen könne mit der Erschliessung für die Passagiere, die dringend nötig sei. «Wir stehen in gutem Kontakt mit den SBB und begleiten ihren Studienauftrag.»

Damit das, was geplant werde, auch aus Sicht der Stadt passend sei. Für Wessels ist indes klar, dass bei der weiteren Entwicklung des Bahnhofs die Quartiervertreter des Gundeli einbezogen werden müssen. «Es ist enorm viel im Fluss», sagt Wessels und verweist auf Projekte wie zum Beispiel zusätzliche Abstellflächen für Velos im Westflügel.

Mangelhafte Transparenz

«Es geht extrem viel», sagt auch SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Die SBB würden in den nächsten Jahren «viele Millionen» investieren. «Wir sind erleichtert über das Nein, jetzt können wir gemeinsam mit dem Kanton mit der Planung weiterfahren.» In verschiedenen Perimetern des Bahnhofs werde mittel- und längerfristig geplant. Die Projekte seien aber noch nicht spruchreif, sagt Schärli. Eine Übersicht allerdings war für die bz nicht erhältlich.

Sicher geplant sind eine Kapazitätserweiterung nach Osten, eine Umnutzung der Gebäude beim französischen Bahnhof, die «in den nächsten Monaten kommuniziert» werden soll, und die dringend nötige zweite Querung zwischen Margarethenbrücke und Passerelle. Dafür läuft eine Testplanung für eine Unterführung. «Die würde grosszügig wie die Passage Sihlquai in Zürich.» Zudem muss die Margarethenbrücke mittelfristig ersetzt werden, das gäbe die Möglichkeit eines Gleisausbaus in Richtung Westen.

In fünf Jahren könnte es los gehen

Insgesamt ist der Zeithorizont für die Infrastrukturmassnahmen sehr weit. Die neue Querung könnte ab 2018 gebaut werden und wäre nicht vor 2022 fertig. Angesprochen auf den Zugang von der Solothurnerstrasse her sagt Schärli: «Der fliesst in die Überlegungen der Stadt zum Ersatz der Merian-Brücke mit unserer Gleiserweiterung Süd ein.»

Dies werde Anpassungen im Bereich der Hoch-, Solothurner- und Meret-Oppenheim-Strasse im Quartier zur Folge haben.
Und was passiert mit dem maroden Postgebäude? Der Handlungsbedarf sei erkannt, man habe das Projekt an die Hand genommen, heisst es auf Anfrage bei der Post: «Wir stehen noch ganz am Anfang», sagt Mediensprecher Bernhard Bürki.