Glasfasernetz
Es herrscht Stau auf der Basler Datenautobahn

Seit Jahren werden für die Verlegung eines Glasfasernetzes Strassen aufgerissen, rund 50000 Wohnungen sind bereits angeschlossen. Doch beim lukrativen Geschäft mit Privatkunden konnte erst die Swisscom ans Netz gehen. Andere Provider stehen noch auf der Leitung.

Michael Nittnaus
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Die IWB installieren im Basler Untergrund ein kilometerlanges Glasfasernetz. 2017 sollen alle Haushalte verbunden sein.

Die IWB installieren im Basler Untergrund ein kilometerlanges Glasfasernetz. 2017 sollen alle Haushalte verbunden sein.

ZVG/Christian Flierl

Sie soll schnell sein, sehr schnell: die neue Datenautobahn namens Glasfaser. Internet, Telefon und digitales Fernsehen in nie gekannter Qualität und Geschwindigkeit sollen den Weg in die Wohnzimmer finden – auch in Basel. Schon seit einigen Jahren werden deswegen immer wieder Strassen aufgerissen und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mittlerweile sind rund 50000 Wohnungen und Geschäfte bis in den Keller erschlossen. Das entspricht etwa 50 Prozent. Bis 2017 sollen es 95 Prozent sein. Doch das Megaprojekt – der Kanton Basel-Stadt, die Industriellen Werke Basel (IWB) und die Swisscom investieren insgesamt 170 Millionen Franken – ist noch kaum bei den Bürgern angekommen. Beim lukrativen Geschäft mit Privatkunden konnte erst die Swisscom ans Netz gehen.

Das Glasfasernetz in Basel

2011 fiel in Basel-Stadt der Startschuss zum Bau eines flächendeckenden Glasfasernetzes. Dies, nachdem der Grosse Rat die Kooperation zwischen IWB und Swisscom abgesegnet und einen Kredit von 22 Millionen Franken zugunsten der IWB gesprochen hatte. Die IWB steuern noch rund 50 und die Swisscom 100 Millionen Franken bei. 2017 soll das Netz grösstenteils fertiggestellt sein. Es soll das bisherige Kupferkabelnetz ablösen und theoretisch grenzenlose Geschwindigkeiten bieten. Die Wettbewerbskommission sorgte dafür, dass keine Monopolstellung möglich sein soll. IWB und Swisscom müssen als direkte Konkurrenten ihre Glasfasern auch Drittanbietern zugänglich machen. (mn)

Provider müssen auf IWB warten

Die IWB, die gemäss Grossratsbeschluss Platz auf ihrer Glasfaser anderen Providern «diskriminierungsfrei» vermieten muss, bestätigen Recherchen der bz: Es harzt bei der «vertikalen Erschliessung» der Wohnungen, also dabei, die Glasfaser vom Keller hinauf in die Stockwerke zu ziehen. «Die Vertragsverhandlungen mit anderen Providern, die über unser Netz Telekomdienste anbieten wollen, ruhen derzeit», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer. Dies, weil noch Unklarheiten bestünden, wie die Kosten der vertikalen Erschliessung aufgeteilt werden.

Bis jetzt haben die IWB erst Pilotverträge mit drei Anbietern abgeschlossen: mit Sunrise sowie den eher auf Geschäftskunden spezialisierten Firmen Solnet und VTX. Diese Verträge laufen allerdings im Laufe des Jahres aus und müssten durch endgültige ersetzt werden. «Wir sind eigentlich bereit und warten nur noch auf die IWB», sagt Sunrise-Sprecher Michael Burkhardt. Auch Peter Preuss, Geschäftsleiter der VTX Datacom in Basel, sagt, dass es «jetzt Zeit wird, einen finalen Vertrag zu erhalten».

Swisscom flexibler und schneller

Während Sunrise und VTX mit dem Netzausbau und den bisherigen Verhandlungen mit den IWB grundsätzlich zufrieden sind, klingt es bei dem Solothurner Netzwerkspezialisten Solnet deutlich negativer: «Sobald ein Stromlieferant bei einem Glasfaserprojekt seine Finger im Spiel hat, gibt es Probleme – in Basel wie auch schweizweit», sagt Techniker Marcel Stutz. Solnet besitzt in Basel mit den IWB sowie mit Swisscom Vorverträge und kann deren Leistungen deshalb gut vergleichen. Beide teilen sich die vier Fasern des Kabels und sind verpflichtet, anderen Anbietern Nutzungsrechte zu vermieten, um einen freien Wettbewerb zu garantieren.

Stutz: «Swisscom zeigt sich bei der Zusammenarbeit mit uns wesentlich flexibler und schneller als die IWB.» Dies zeige sich etwa daran, dass nur die Swisscom transparent mache, wann welche Strassenzüge in Basel ans Glasfasernetz gehängt werden. Stutz vermutet, dass Eigeninteressen eine Rolle spielen, da die IWB mit der IWB Telekom selbst einen Anbieter für grosse und mittlere Unternehmen betreibt. Dagegen wehrt sich Rummer im bz-Interview allerdings.

CATV wechselt zur Swisscom

Die Nase voll von den IWB hat mit CATV ein Basler Glasfaser-Pionier. Das ursprünglich für sein Geschäft mit Satellitenschüsseln bekannte Unternehmen startete bereits 2007 in der Wohngenossenschaft Im langen Loh ein Glasfaserprojekt, das mittlerweile mehrere Objekte und Wohngenossenschaften mit über zweitausend Wohneinheiten umfasst. Mit seinem Provider Yplay versuchte CATV vergeblich, sich im neu gebauten IWB-Netz einzumieten: «Wir haben drei Jahre lang verhandelt, doch je länger es dauerte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass die IWB uns blockieren», erzählt CATV-CEO Patrick Portmann.

Im Unterschied zu VTX, Solnet oder Sunrise wollte CATV keinen Pilotvertrag. Denn: «Wir können nicht Millionen investieren, ohne eine längere Rechtssicherheit zu haben.» Im Gegensatz etwa zu VTX sei CATV auf eine rasche Umsetzung angewiesen, weil sie nicht auf ein altes Kupferkabelnetz zurückgreifen könnten.

Ende 2012 teilte gemäss Portmann der IWB-Verwaltungsrat in einem Brief mit, momentan keine Zeit zu haben, das Geschäft weiter zu verhandeln. Das war der Knackpunkt: CATV wechselte zur Swisscom. «Ich konnte nicht länger warten», sagt Portmann. Dort ging alles ganz schnell. Im März soll der Startschuss von Yplay in Basel fallen. Dabei hätte Portmann gerade als regional verwurzelter Anbieter lieber mit den IWB als öffentlich rechtliches Unternehmen in Kantonsbesitz zusammengearbeitet. «Jetzt fliessen meine Ausgaben eben für sicher zehn Jahre nach Bern zur Swisscom statt nach Basel.»

«Wir haben mehr Verpflichtungen als die Swisscom»

Der IWB-Sprecher Erik Rummer versteht den Frust der Provider. Als Firma im Kantonsbesitz sieht er die IWB gegenüber der Swisscom aber im Nachteil. Von Michael Nittnaus

Herr Rummer, verstehen Sie den Ärger und die Ungeduld einiger Provider, die in Basel ihre Glasfaser-Angebote den Privatkunden zugänglich machen wollen, dies aber wegen der fehlenden Verträge mit den IWB nicht können?

Erik Rummer: Wir haben grosses Verständnis dafür, dass einige Provider verärgert und langsam ungeduldig sind. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es sich hier um den Bau einer Infrastruktur für die nächsten 40 Jahre handelt. Wir werden das Glasfasernetz so bauen und betreiben, wie vom Grossen Rat gefordert. Langfristig wird das Glasfasernetz einen grossen Beitrag an die Standortattraktivität der Stadt Basel leisten und diskriminierungsfrei allen Serviceprovidern zur Verfügung stehen.

Wo harzt es denn genau?

Die Vertragsverhandlungen mit weiteren Anbietern ruhen derzeit, weil wir für die weitere Vermarktung der vertikalen Erschliessung – also der Glasfaser-Installation vom Keller in die einzelnen Wohnungen oder Geschäftseinheiten – noch verschiedene Partnermodelle vertieft prüfen. Dieser Ausbau ist mit erheblichen Investitionen verbunden, die sich auf lange Sicht rechnen müssen und nicht von den IWB allein getragen werden können. Bei einem Marktversagen der Provider würden die IWB sonst je nach Partnermodell auf den Investitionskosten sitzen bleiben.

Warum kann denn die Swisscom anderen Providern bereits einen Vertrag bieten?

Im Unterschied zur Swisscom haben wir als öffentlich-rechtliches Unternehmen im Besitz des Kantons weitergehende Verpflichtungen als ein privates. Dazu gehören insbesondere eine flächendeckende Erschliessung, Diskriminierungsfreiheit, minimale Kosten beim Bau und Betrieb, keine parallelen Netze, minimale Lärmemissionen beim Bau und das Verhindern eines «digitalen Grabens» innerhalb der Stadt Basel. Diese Verpflichtungen in Einklang zu bringen mit den unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnissen der Provider ist die Herausforderung, an der wir derzeit arbeiten.

Wann werden die IWB sich für ein Modell entschieden haben?

Bis Ende des ersten Quartals dieses Jahres wollen wir unter den verschiedenen Optionen jene Lösung bestimmen, welche die Vorgaben des Grossen Rates am besten erfüllt.

Sind Sie überzeugt, interessierten Providern einen mit der Swisscom vergleichbaren Service bieten zu können – gerade in Sachen Tempo und Flexibilität?

Beim kommerziellen Rollout, der nach der Pilotphase folgen soll, müssen die IWB, anders als die Swisscom, allen Providern diskriminierungsfreie Konditionen bieten. Die Anforderungen und Bedürfnisse der Provider sind aber je nach Geschäftsmodell sehr unterschiedlich. Dem gerecht zu werden, ist umfangreich und zeitaufwendig.

Woran scheiterten ihrer Meinung nach die Verhandlungen mit dem Basler Unternehmen CATV, sodass dieses jüngst zur Swisscom wechselte?

Unserer Ansicht nach sind die Verhandlungen nicht gescheitert: Wir haben CATV und auch Sunrise schriftlich informiert, dass wir sie aus den bereits genannten Gründen derzeit sistieren müssen. CATV hat uns nie mitgeteilt, dass sie zur Swisscom gewechselt ist.

Sollten die IWB, die für den Netzausbau vom Grossen Rat 22 Millionen Franken gesprochen bekamen, nicht Wert darauf legen, lokale Provider wie CATV an Bord zu holen?

Wie gesagt haben wir den Auftrag, ein Netz aufzubauen, das allen interessierten Anbietern offensteht. Gleichzeitig muss die Erschliessung marktorientiert sein. Gerade weil ein Grossteil des Glasfasernetzes mit öffentlichen Geldern finanziert wird, ist die Gleichbehandlung aller Provider sehr wichtig.

Besteht nicht ein Interessenkonflikt, weil die IWB mit der IWB Telekom einen eigenen Anbieter für Providerdienste stellt?

Nein. Die noch zu definierenden Konditionen sind für alle Provider gleich gültig. Die IWB Telekom ist zudem nicht mit Diensten wie Internet, Telefonie und Fernsehen im Privatkundensegment tätig. Ihre Kunden sind Telekom- und Service-Provider sowie grosse und mittlere Unternehmen.

Kann also der freie Wettbewerb voll spielen?

Wir sind sicher, dass nach dem Fertigstellen der Verträge der Markt so spielen kann, wie vom Grossen Rat gefordert.