Cortège am Montag

Es ist ein düsterer Jahrgang – aber nicht nur

Die finstere Zeit, in der wir leben, kommt am Cortège in jeder Hinsicht zum Tragen. Nebst Trump und Brexit spielen die Cliquen auch weniger schwere lokale Sujets aus. Zwei Regierungsräte regen die Fasnächtler-Fantasie besonders an.

Da war doch mal was. Richtig! 1974 sprengte Künstler Jeannot Tinguely mit seinen Kuttlebutzern selig symbolisch das Comité in die Luft. Viele heutige Cortège-Besucher und Aktive waren damals noch nicht geboren. Für sie war die Performance der Spezi-Clique am Montags-Cortège eine Premiere.

Es gab schon alles an der Fasnacht, bloss ein wenig anders. Das Wetter war schon gruusig, vielleicht nicht so gruusig wie heute. Bei manchen Traktoren sassen Frauen am Steuer, aber wohl weniger als jetzt. Sexismus kam immer vor, etwa, wenn Polizistinnen mit Strapsen, die männlichen Kollegen aber als harte Kerle dargestellt werden. Und mit Baschi Dürr und Hans-Peter Wessels kommt wie allewyl die Regierung an die Kasse, wobei nur Wessels die Ehre zuteil wurde, mit den Giftschnaigge mitlaufen zu dürfen.

Auch düstere Zeiten hat die Welt zahlreiche erlebt, beim Golfkrieg 1991 wäre fast die Fasnacht abgesagt worden. Diesmal war das kein Thema, die Düsterheit dominiert trotzdem. Beliebt ist der Brexit, zahlreiche Cliquen, der Barabara Club 1902 ist nur ein Beispiel, spielen den EU-Austritt Grossbritanniens aus. Dies in bunten, respektive englischen, Farben. Farben? Ja, es gibt sie noch. Aber viele Cliquen sind zurückhaltend damit.

Nasses Comité-Haupt nach Hutlupf

Es ist klar: Die Sujets schlagen aufs Kostüm. Schwarz oder zumindest dunkelgrau ist besonders beliebt. Der Stamm der Rhygwäggi spielt «Groossi Schnuure, nyt derhinter» in schwarz und mit rosa Mündern auf dem Kopf aus. Damit der Zuschauer auch etwas lernt, bekommt er «Populischte-Reegle» mit auf den Weg.

Sowieso in schwarz sind die Comité-Mitglieder, denen das Hutziehen in sonnigen Jahren mehr Spass macht. Sie taten ihre Pflicht dennoch und waren nicht allein mit dem nassen Haupt: All die Rösslein vor den Chaisen mussten den langen Cortège-Weg ebenfalls mit tropfendem Fell hinlegen. Gut geschützt war hingegen der Stamm der Lälli mit seinen Gasmasken.

Das Sujet: «Mensch, was machsch?!» Die Botschaft: «Muesch z eerscht s Entsetze kenneleere, zem Friide kenne schetze z leere?» Diese Nachdenklichkeit, ja, die Besorgtheit, prägt den Cortège 2017.

Druggede gab es nur in der Beiz

Trotzdem sagt Comité-Obmaa Christoph Bürgin: «Ich habe mehr schwarze Kostüme erwartet.» Hier muss man allerdings anfügen, dass es oft Binggis und Wägen sind, die bunt daherkommen. Was auch an deren Sujets liegt. Pokémon ist hoch im Kurs. Die Binggis der Naarebaschi 78 etwa pokémonisierte in hellblau. Und Wägen wählen gern lokale Themen.

Ebenfalls nicht verschweigen wollen wir die Tatsache, dass die vielen Regenschirme zum dunklen Bild beigetragen haben. Die meisten waren schwarz und voller Räppli, was ihnen klebrige Farbtupfer verlieh. Ausserdem waren viele Besucher im durchsichtigen Ganzkörper-Regenschutz unterwegs.

Eine Druggede wie in anderen Jahren blieb praktisch überall aus. Ebenso der obligate Cortège-Stau. Eng wurde es allerdings schon früh in den Beizen und Cliquen-Kellern – und auch abseits der Cortège-Route war so einiges los. Die Gugge Akademiker etwa heizte zur besten Cortège-Zeit bei der Heuwaage ein, dies allerdings ohne Larven, doch das ist eine ganz andere Story.

Die Highlights des Cortèges am Montag

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Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

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