Tourismus

Es ist einsam im touristenfreien Basel: Ein Sommer im Schatten der Pandemie

Ein schönes Plätzli: Die Hoteliers hoffen, dass Basel in diesem Sommer vermehrt Freizeittouristen anlockt.

Ein schönes Plätzli: Die Hoteliers hoffen, dass Basel in diesem Sommer vermehrt Freizeittouristen anlockt.

Trotz aller Bemühungen von Basel Tourismus: Basler Hoteliers rechnen wegen der Coronakrise mit einem Einbruch der Auslastung um fast 50 Prozent.

Er ist hier, der Sommer. Und mit ihm wird das Bangen der Basler Hoteliers grösser: Kann wenigstens ein Teil des Umsatzeinbruchs, der die Coronakrise mit sich gebracht hat, mit Freizeittouristen wettgemacht werden? Die Voraussetzungen dafür sind schwierig, findet doch das Basel Tattoo, das jeweils viele Übernachtungsgäste in die Stadt bringt, nicht statt. Easyjet fliegt den Euro-Airport nur reduziert an, und auch die zahlungskräftigen Touristen der Flusskreuzfahrten fallen weg.

Die Besorgnis sei entsprechend gross, sagt der neue Präsident des Basler Hotelier-Vereins, Raphael Wyniger, zur bz. «Eine Umfrage unter den Mitgliedern hat ergeben, dass in den Monaten Juli und August eine Auslastung über 25 Prozent erwartet wird. Im vergangenen Jahr betrug sie im Sommer 72 Prozent.» Die Basler Hoteliers seien «massiv» betroffen, so Wyniger, der mit dem «Teufelhof», dem «Set» und dem «Royal» gleich drei Hotels in der Stadt führt.

Der Druck, der auf den Hoteliers lastet, macht sich nun bei den Preisen bemerkbar. Verschiedene Häuser, etwa das Hotel Basel an der Münzgasse oder das «Radisson Blu» an der Steinentorstrasse, geben Rabatt in den Sommermonaten. Bis zu 20 Prozent pro Zimmer.

Kampagne von Basel Tourismus wird ausgebaut

Für Wyniger ist klar: «Die Basler Hotels werden substanziell an Logiernächten einbüssen, weil der Geschäftstourismus in einem relevanten Masse nicht mehr stattfindet.»

Der Tourismus in Basel wird von drei Säulen getragen: dem Geschäftstourismus, dem Kongress- und Messetourismus sowie dem Freizeittourismus. Letzterer macht den kleinsten Teil des Gästevolumens aus. Jetzt aber, da die beiden ersten Säulen aufgrund zahlreicher Absagen von Messen, Kongressen und Meetings weggebrochen sind, ruhen alle Hoffnungen auf Freizeittouristen – primär aus der Schweiz.

Vor drei Wochen lancierte Basel Tourismus im Fahrwasser von Schweiz Tourismus eine Extrakampagne in Zeitungen und Onlineportalen, die den Schweizern einen City-Trip nach Basel schmackhaft machen soll. Vizedirektor Christoph Bosshardt zieht eine erste Zwischenbilanz: «Online haben wir mit den Anzeigen bereits mehrere Millionen Nutzer erreicht, und die Kurzfilme zu den einzelnen Kampagnenthemen auf Social-Media-Plattformen verzeichneten teilweise mehr als 500000 Aufrufe.» Mit diesen Zahlen sei man sehr zufrieden – «die Buchungen der Packages sind allerdings noch verhalten. In dieser frühen Phase ist das aber normal», so Bosshardt weiter.

Es würden indes Anzeichen dafür bestehen, dass die touristische Nachfrage langsam wieder anziehe. «Es werden wieder mehr Stadtführungen besucht, die Hopper-Ausstellung in der Fondation Beyeler läuft ausgezeichnet, und bei unserer Tourist Information ist die Frequenz wieder gestiegen.» Bosshardt fügt allerdings an: «Es handelt sich oftmals um Tagesbesucher. Die bringen den Hoteliers natürlich nichts.»

Investiert wurde ein sechsstelliger Betrag in die Kampagne, beworben wurde Basel lediglich in der Deutschschweiz. Am Freitag nun sitzen Vertreter von Basel Tourismus und der Hoteliers zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Zur Diskussion steht laut Bosshardt, ob die Kampagne verlängert oder regional ausgebreitet werden soll, ob also auch Werbung im Tessin, in der Romandie sowie in Deutschland und Frankreich platziert wird.

Die Krise zieht einen neuen Typ von Gast an

Das Geld dazu ist vorhanden: Basel Tourismus hat jüngst vom Regierungsrat 300 000 Franken für die Weiterführung der Kampagne zugesprochen bekommen. Trotz all dieser Bemühungen gibt sich Bosshardt realistisch: «Auch wenn es doch noch ein guter Sommer wird, kann der Ausfall der Messen und Kongresse niemals wettgemacht werden. Was Basel fehlt, sind diese Grossanlässe.»

Einzig jene Hotels, die ihren Fokus seit jeher auf Freizeittouristen legen, könnten nach Einschätzung von Raphael Wyniger mit einem blauen Auge davon kommen. «Es gibt Häuser, die schaffen zurzeit Auslastungen von bis zu 70 Prozent– wenngleich das absolute Einzelfälle sind», sagt er dazu. Auch sei erfreulich, dass Basel nun Gäste aus dem Inland anziehe, welche die Stadt bis dato nicht auf dem Radar gehabt haben: «Vor wenigen Tagen logierte eine kleine Gruppe bei uns im <Teufelhof>, die mit dem Velo aus Luzern angereist ist.» Bleibe zu hoffen, so Wyniger, dass man diese Leute nachhaltig von der Stadt als Destination begeistern könne.

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