Sie sagen es zwar nicht alle ausdrücklich: Aber die Franken der Schweizer Einkaufstouristen dürften eine wichtige Rolle bei den Überlegungen der Investoren spielen, die in den nächsten Jahren grosse neue Einkaufstempel vor die Tore Basels stellen wollen.

Als im Sommer 2009 schon einmal die Rede von einem 90 000 Quadratmeter grossen Megacenter beim Euro-Airport war, hiess es bereits, die nötige Kaufkraft für ein derartiges Center müsse zu 9 bis 10 Prozent aus Deutschland und zu 30 Prozent aus der Schweiz kommen. Jetzt ist das Vorhaben, allerdings vom Umfang her reduziert, wieder im Gespräch. Kürzlich hat der Investor Unibail-Rodanco mit dem südelsässischen Zweckverband «Communauté de Communes des Trois Frontières» einen Vorvertrag über ein Areal von 20 Hektaren zwischen Flughafen und Bahnhof Saint-Louis unterschrieben. Darauf soll eine Verkaufsfläche von 40 000 bis 60 000 Quadratmeter entstehen. Der Zeithorizont für die Umsetzung liegt mit 2020 oder 2022 noch etwas in der Ferne.

Viel Kritik am Mammutprojekt

2009 haben die Detailhändler und ein Teil der südelsässischen Politiker schon massiv gegen das Vorhaben protestiert. Proteste und Kritik gibt es in Saint-Louis auch heute noch, wie erst kürzlich die «Basler Zeitung» berichtete. Ob ein derartiges Mammutprojekt mit einer Investitionssumme von 300 bis 350 Millionen Euro jemals wirklich umgesetzt wird, steht in den Sternen. Immerhin war das Gelände Anfang der 1990er-Jahre schon einmal im Gespräch für die Muba 2; auch so ein Vorhaben, das letztlich nie gebaut wurde. Entscheidend wird sein, wie sich Kaufkraft, Wirtschaftskraft und Eurokurs in den nächsten Jahren entwickeln.

Kleinere, und auch realistischere, Brötchen backen da die Stadtväter von Weil am Rhein. Hier soll an der sogenannten Hangkante oberhalb des Bahnhofs und bei der 8er-Tram-Endhaltestelle mit der Dreiländergalerie für 70 Millionen Euro ein 16 500 grosses Einkaufszentrum entstehen. Der zukünftigen Betreiber Cemagg hat kürzlich über ein Gutachten informiert, das nachwies, dass die angebotenen Waren keine negativen Auswirkungen auf den übrigen Detailhandel in der Region haben sollen.

Das letzte Wort darüber, ob die 16 500 Quadratmeter Verkaufsfläche genehmigt werden, hat das Freiburger Regierungspräsidium als oberste staatlich-regionale Aufsichtsbehörde. Falls diese Stellungnahme positiv ausfällt, könnte das Weiler Stadtparlament noch vor der Sommerpause Ende Juli einen Bürgerentscheid anberaumen.

Die Pläne für ein neues Einkaufszentrum, das allerdings grösser war, sind im Sommer 2011 schon einmal von der Bevölkerung abgelehnt worden. Baubürgermeister Christoph Huber rechnet bei einer Annahme durch das Volk mit einer Fertigstellungszeit von 3,5 bis 4 Jahren. Etwas optimistischer ist da Andreas Thielemeier von der Cemagg, der davon ausgeht, dass das neue Einkaufscenter Ende 2017 oder Anfang 2018 fertig sein könnte.

Die Weiler Politiker wollen mit dem Center vor allem die Innenstadt arrondieren und aufwerten sowie Kaufkraftverluste auffangen. Nichtsdestotrotz ist Andreas Thielemeier von der Cemagg natürlich durchaus auch an Schweizer Kunden interessiert.

Die Basler Innerstadt bietet eine andere Form von Aufenthaltsqualität als ein Shoppingcenter.

Die Basler Innerstadt bietet eine andere Form von Aufenthaltsqualität als ein Shoppingcenter.

Am schnellsten fertig von den erwähnten drei neuen Einkaufszentren dürfte der knapp 4000 Quadratmeter grosse Supermarkt Super U sein, der sich in Huningue bei der Palmrainbrücke befindet.«Es gibt noch einige Einsprachen, die wir abwarten müssen. In einigen Monaten wird man aber wohl die Baugenehmigung eingeben können. Im Sommer wissen wir mehr», berichtet Jacques Romon, Generalsekretär der Mairie von Huningue.

Bauzeit wohl nur ein Jahr

Die Bauzeit dürfte sich auf nur 12 Monate belaufen, schätzt er. Huningue hatte wie Weil vor Jahren schon einmal grössere Pläne mit dem Standort. Der Bau eines grösseren Einkaufszentrums auf dem Brachgelände der ehemaligen Plastikfabrik Plasco scheiterte aber insbesondere am erbitterten Widerstand des ehemaligen Maire von Saint-Louis, Jean Ueberschlag.

Jacques Romon ist aufgefallen, dass die Anzahl der elsässischen Einkaufstouristen in Deutschland in letzter Zeit zurückgegangen ist. «Auf der Palmrainbrücke hat es weniger Verkehr nach Deutschland – die deutschen Preise sind etwas gestiegen und die französischen gesunken.» Ausserdem haben mit einer Maxi-Coop (1200 Quadratmeter) und einem Lidl (600 Quadratmeter) die letzten Jahre zwei Geschäfte in Huningue geschlossen.

Bei der Stücki in Basel tut man sich schwer mit einer Einschätzung der neuen Konkurrenz: «Welche Auswirkungen die von ihnen genannten Projekte für das Stücki-Shoppingcenter Basel konkret haben werden, ist zum heutigen Zeitpunkt etwas zu früh vorauszusehen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass jedes neues Shoppingcenter eine weitere Herausforderung bedeutet», teilt Alina Fischer vom Stücki-Center-Management mit.

Neues Parkhaus Kunsthaus

Gelassen äussert sich Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel: «Wir müssen uns grundsätzlich auf uns konzentrieren und daran schaffen, dass man sich gerne in der Innenstadt aufhält. Shoppingcenter kann man nicht wirklich mit der Innenstadt vergleichen.» Als ausgesprochen positiv bewertet er, dass es mit dem Parkhaus Kunstmuseum mit seinen 350 Parkplätzen und dem «perfekten Ausgang in die Freie Strasse» neue Parkiermöglichkeiten geben wird. Die Baueingabe ist für September vorgesehen.

Für die neuen Shoppingcenter sieht er generell das Problem, dass diese sich gegenseitig Konkurrenz machen könnten – so wie die Weiler Dreiländergalerie dem Rheincenter.