Psychiatrie

«Es ist schwer zu sagen, was im Einzelnen der Grund ist»

Konrad Widmer ist zuversichtlicht, dass der nächste CEO passt.

Konrad Widmer ist zuversichtlicht, dass der nächste CEO passt.

Was Konrad Widmer, Verwaltungsratspräsident der Basler Universitären Psychiatrischen Kliniken, bei der Neubesetzung des Direktorenpostens besser machen will.

Die unzähligen personellen Wechsel in der Führungsetage der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel-Stadt werfen viele Fragen auf. Bereits der Vorgänger der scheidenden Direktorin Rita Anton, UPK-Direktor Gerhard Ebner, war von Mitarbeitern wegen seines Führungsstils kritisiert worden. Im Interview erklärt Konrad Widmer, Verwaltungsratspräsident der Universitären Psychiatrischen Kliniken, was schiefgelaufen ist und wie er erreichen will, dass die nächste Direktorin oder der nächste Direktor länger bleibt.

Herr Widmer, die UPK stehen nach knapp zwei Jahren erneut ohne Direktor da. Haben die UPK ein Führungsproblem?

Konrad Widmer: Es ist natürlich unschön, dass die Direktorin nach so kurzer Zeit geht. Das wünscht man keinem Betrieb. Richtigerweise muss man sagen: Wir hatten ein Führungsproblem.

Die UPK haben Rita Anton dem Kantonsspital Obwalden abgeworben. Dort stand sie nicht in der Kritik. Im Gegenteil.

Dass wir unterschiedliche Auffassungen darüber haben, wie man führen soll, und dass diese nicht vereinbar sind, konnten wir nicht wissen.

Was heisst Differenzen im Führungsstil?

Ich kann und will diese Frage nicht beantworten, weil wir Stillschweigen vereinbart haben. Ich kann nur sagen, was wir unter Führung verstehen: Dass Führungspersonen auf Augenhöhe führen, dass der Umgang untereinander respektvoll ist, dass man zuhören kann und dass sich ein Vorgesetzter auch zurücknehmen kann.

Die «Schweiz am Sonntag» bezieht sich auf einen Brief von vier Chefärzten, die die Absetzung der Direktorin gefordert haben.

Es trifft zu, dass es das Misstrauensvotum gab.

So ein Konflikt entsteht nicht von heute auf Morgen.

Das stimmt. Die Geschlossenheit der Unterzeichnenden ist allerdings eine neue Entwicklung.

In den letzten anderthalb Jahren hatten Sie vier Abgänge in der Geschäftsleitung. Welche Gründe hat das?

Es ist schwer zu sagen, was im Einzelnen der Grund ist. Oft gibt es ja mehrere Gründe. Eine Person war lange krank, zwei haben sich für eine weniger anspruchsvolle Stelle entschieden, eine Person hat einen Karriereschritt gemacht. In welchem Ausmass die Direktorin damit zu tun hatte, kann ich nicht abschliessend beurteilen.

Die Zahlen der UPK haben sich sehr gut entwickelt unter Rita Anton.

Nicht nur die Zahlen. Sie hat sich für die Entstigmatisierung der Psychiatrie und für die Versorgungsqualität erfolgreich eingesetzt. Der Verwaltungsrat ist auf der Leistungsebene sehr zufrieden. Sie hat viele Dinge sehr gut gemacht.

War Ihre Erwartung falsch? Da sollte eine Frau Ruhe in die Kliniken bringen – und dann trat sie so gar nicht stereotyp weiblich auf, war nicht einfach mütterlich und nett?

Ich würde das nicht auf eine Geschlechterfrage reduzieren. In der Geschäftsleitung sind 50 Prozent Frauen. Der Faktor Frau hatte wohl keinen grossen Anteil am Ganzen.

Dennoch klingt es für Aussenstehende danach, dass einige langjährige Angestellte ihre Position verteidigt haben.

Das könnte theoretisch durchaus sein, aber auf der inhaltlichen Ebene gab es keine unüberbrückbaren Differenzen, es gab keinen Machtkampf um Inhalte. Es sind alle stolz, dass es den UPK gut geht.

Darum erstaunt der forcierte Abgang der Direktorin umso mehr.

Kritisiert wurde ihre Führungsauffassung. Und was ist Führung? Das hat mit Menschen zu tun, mit dem Verhältnis von Vorgesetzten zu Mitarbeitern.

Wir haben von verschiedenen Seiten gehört, es gebe personelle Unruhen. Was machen sie dagegen?

Unsere Personalkommission hat uns vor gut einem Monat berichtet, die Stimmung im Betrieb sei gut. Und wer soll es besser wissen, als die Personalkommission? Wir haben 1200 Mitarbeitende. Davon sind nicht alle glücklich, aber die überwiegende Mehrheit ist zufrieden. Bei den Mitarbeitenden kam die Direktorin nicht schlecht an. Es waren Personen aus ihrer engeren Arbeitsumgebung, die hauptsächlich ein Problem mit ihr hatten.

Die UPK kämpfen immer wieder mit längeren Vakanzen. Warum?

Wenn jemand ungeplant geht in der Geschäftsleitung, dann kann der Prozess der Wiederbesetzung oftmals mehr als ein halbes Jahr dauern. Das ist nicht nur in der Spitalwelt üblich.

Viele personelle Wechsel werfen kein gutes Licht auf einen Betrieb. Eilt den UPK ein schlechter Ruf voraus?

Wir sind ab Montag wieder komplett. Dann beginnen die neue Pflegedirektorin und der Finanzchef. Wir sind froh, stossen gute Leute zu uns. Dann brauchen wir noch die neue Direktorin oder den neuen Direktor.

Sie wollen bis Juli die Nachfolge von Rita Anton regeln. Bis dann sind Sie ad interim CEO und Verwaltungsratspräsident. Ist das vereinbar?

Ja. Das machen viele so, es gibt Beispiele aus dem Kanton Aargau, die Sonnenhalde in Riehen und viele mehr. Im Prinzip ist das vorübergehend eine gute Lösung, um Kontinuität zu gewährleisten. Wenn man jemand Externes holt, ist das sehr teuer. Hinzu kommt, dass die Person die Leute nicht kennt. Nimmt man jemanden intern von der Geschäftsleitung, führt dies dazu, dass gewisse Dinge gezwungenermassen liegen bleiben, weil auch die beste Person nicht für zwei arbeiten kann.

Letztes Mal, beim Abgang Gerhard Ebner, haben Sie sich aber für eine interne Lösung mit jemandem aus der Geschäftsleitung entschieden.

Ja, richtig. Ich hätte damals den UPK wenig gebracht, ich war erst kurze Zeit im Amt und habe das Unternehmen noch nicht so gut gekannt.

Bleibt durch diese Doppellösung die Möglichkeit offen für interne Bewerbungen?

Ja, das ist möglich.

Was werden Sie tun, damit es nicht erneut zu einem zwischenmenschlichen Debakel kommt?

Wir werden die Geschäftsleitung stärker in die Rekrutierung der neuen Direktorin, des neuen Direktors einbeziehen und uns dafür einsetzen, dass die Geschäftsleitung mit den zwei, drei Topbewerbern ein Interview führen kann. Das war beim letzten Mal nicht möglich.

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