Gastronomie

Es kriselte schon vor Corona: «Brauner Mutz» steht vor dem Aus

Nach über 100 Jahren könnte aus dem Lokal auch ein Ladengeschäft werden.

Nach über 100 Jahren könnte aus dem Lokal auch ein Ladengeschäft werden.

Nach über zehn Jahren hat sich die Zürcher Gastro-Firma Candrian dazu entschieden, den Pachtvertrag für den «Braunen Mutz» nicht zu verlängern. Wer anschliessend in das Traditionslokal am Barfüsserplatz einzieht, ist noch offen.

Noch bis vor Kurzem war die grosse Bierhalle in der Brasserie «Zum Braunen Mutz» ein beliebter Ort für geselliges Zusammensein, Stammtischgeschwätz und deftige Hausmannskost. Vor zwei Wochen wurden an der prominenten Lage am Barfüsserplatz aber die Storen geschlossen, noch bevor die Anordnung des Kantons kam. Ein Zettel an der Eingangstür setzte die Kunden darüber in Kenntnis, dass die Brasserie geschlossen bleibt. Vorübergehend. 

Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, wird sich bei einer allfälligen Wiedereröffnung aber einiges ändern. Die Zürcher Firma Candrian Catering AG, einer der bedeutendsten Player in der Schweizer Gastro-Szene, hat sich entschieden, den «Braunen Mutz» aufzugeben.

Vor 10 Jahren hat Candrian den «Mutz» übernommen

Der entsprechende Pachtvertrag läuft im Oktober 2021 aus. Das bestätigt die Liegenschaftsverwaltung PSP Swiss Property auf Anfrage der bz. «Candrian hatte bis im Oktober 2020 die Möglichkeit, den bestehenden Mietvertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern, was der Betreiber jedoch nicht getan hat», sagt Thomas Kraft, Asset Manager bei PSP Swiss Property. 

Kenner aus der Gastro-Branche berichten, dass das Geschäft mit dem «Braunen Mutz» für Candrian schon seit längerem nicht mehr lukrativ sei. Die Brasserie hat Gäste verloren, der Umsatz liess zu wünschen übrig – und dann kam auch noch Corona. Über Wochen wurde im Lokal kein einziges Bier gezapft und keine Leberli mit Rösti gekocht.

Für Thomas Kraft kam der Entscheid der Firma Candrian somit auch nicht völlig überraschend

Man habe einen engen Kontakt zu den Mietern und wurde stets über die Entwicklungen informiert, auch wenn es finanziell gesehen schlecht lief. Trotzdem habe die Liegenschaftsverwaltung gehofft, dass der Vertrag erneut verlängert wird.

So sah das Restaurant Zum Braunen Mutz kurz nach der Eröffnung 1915 aus. Die Firma F.Kirschenheiter war die erste Betreiberin der Beiz.

So sah das Restaurant Zum Braunen Mutz kurz nach der Eröffnung 1915 aus. Die Firma F.Kirschenheiter war die erste Betreiberin der Beiz.

Genaue Details aus den letzten Gesprächen nennt Thomas Kraft aber keine. Candrian schweigt gänzlich. Auf die Pläne angesprochen heisst es, man «könne leider in dieser Thematik keinen Kommentar abgeben». Was bedeutet das für die Zukunft der Traditionsbeiz, die seit ihrer Eröffnung am 4. Dezember 1914 zwei Weltkriege überstanden hat?

Nachfolge ist noch nicht geklärt

«Bis jetzt ist noch offen, wer die Lokalität am Barfüsserplatz übernehmen wird», so Thomas Kraft. Die PSP Swiss Property sei offen für verschiedene Geschäftsmodelle. Dabei sei es nicht zwingend, dass der Nachmieter die Liegenschaft als Restaurant einsetzt. Ein weiterer Gastro-Betrieb wäre sicher denkbar, insbesondere wegen der bestehenden Infrastruktur und der Architektur.» Eine Nutzungsverpflichtung gebe es laut Kraft aber nicht.

In der Theorie wäre es also möglich, dass ab dem kommenden Herbst in der Bierhalle Kleider, Kunstwerke oder Kosmetikartikel verkauft werden. Zu Beginn des neuen Jahres wolle sich die PSP Swiss Property auf die Suche nach einem neuen Mieter machen und die Liegenschaft ausschreiben.

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