In dieser Woche drehte sich im politischen Basel alles um die Regierungswahlen. Im Herbst drängen neben den Bisherigen Eva Herzog, Christoph Brutschin, Hans-Peter Wessels (alle SP), Baschi Dürr (FDP) und Lukas Engelberger (CVP) auch vier Neue in die siebenköpfige Exekutive: Conradin Cramer (LDP), Heidi Mück (BastA!), Elisabeth Ackermann (Grüne) und Lorenz Nägelin (SVP). Das sind viele Namen, doch wird sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vor allem auf zwei davon richten: Nägelin vs. Ackermann. Wären die Regierungsratswahlen eine Boxnacht, so hiesse dies der letzte Fight des Abends.

Die Bisherigen brauchen sich kaum Sorgen zu machen. Für Brutschin und Herzog wird die Wiederwahl zum Schattenboxen, ihr Titel wird von bürgerlicher Seite nicht bestritten. Auch für Wessels könnten die Wahlen zum Sparring verkommen: Beim ganzen Hype um die LDP aufgrund der Nationalratswahlen im Herbst geht oft vergessen, dass er vor vier Jahren Christoph Eymann klar hinter sich liess. Schwieriger wird es, wenn er sich in der Kategorie Regierungspräsidium versuchen sollte – durchaus ein denkbares Szenario, bei dem er wohl auf Dürr treffen würde. Beide sind medial stark begleitete Politiker, dies verspricht eine spannende Paarung.

Showdown zwischen Nägelin und Ackermann

Cramer ist der aktuelle Shooting-Star. Trotz seines jungen Alters ist der 37-Jährige längst kein Leichtgewicht mehr. Vielleicht wird er nicht gleich in der ersten Runde siegen, doch hat er mit Dürr und Engelberger gleich zwei Freunde in seiner Ecke, die den Bisherigen-Status bereits tragen und ebenfalls unbestritten sein dürften. Er geniesst Sympathien bis weit ins linke Lager und bringt das nötige Format mit, in die Fussstapfen von Christoph Eymann zu treten.

Bleiben Mück, Ackermann und Nägelin im Ring. Mück steht dabei sehr weit in der linken Ecke, es dürfte für sie schwierig werden, ernsthaft in den Kampf einzugreifen. Zudem profitiert sie nicht eben von Parteikollegin Sibel Arslan: Die Nationalrätin hat sich in ihrer noch jungen Bundes-Karriere schon mehrfach ein blaues Auge geholt.

Der Showdown dürfte zwischen Nägelin und Ackermann stattfinden. Bei diesen beiden Kandidaten prallen Gegensätze unterschiedlichster Art aufeinander, deren Wirkung nicht leicht abzuschätzen ist.

Ackermann kann bei den Frauen punkten, die ja in der Exekutive stark untervertreten sind. Zudem zeigten unlängst die Abstimmungen zu Durchsetzungs- und Bodeninitiative, wie stark die Linke in diesem Kanton zu mobilisieren imstande ist. Die Grünen haben allerdings auch in Basel an Bedeutung verloren. Nägelin hingegen hat rhetorische Vorteile, gilt als umgänglich und seine Partei hätte rein numerisch Anspruch auf einen Sitz in der Regierung. Seine Parteizugehörigkeit ist jedoch der Grund, warum er kaum aus der Deckung herauskommt: Auch bei der Nominationsveranstaltung der CVP musste er sich mehrfach für das Gebaren seiner nationalen Parteikollegen entschuldigen. Noch immer ist die SVP für viele aus der Mitte nicht wählbar. Und genau das ist gefährlich: Wer boxen will, muss angreifen können.

Auf welcher Seite stehen die Grünliberalen?

Es waren die Bürgerlichen, die diese Wahlen zu Richtungswahlen erklärt und die Ideologie anstelle der Personen in den Vordergrund gestellt haben. Dies ist zusammen mit der polarisierenden SVP sehr riskant und vor allem unnötig: Rein vom Auftreten hätte der Teamleiter der Basler Sanität mehr Durchschlagskraft als die Baselbieter Lehrerin. Der SP kommt dies sehr gelegen: Sie wird die ideologische Flanke mit Angriffen eindecken und auf Themen wie Wirtschafts- und Fremdenfeindlichkeit einprügeln. Gut möglich, dass sie damit bei vielen CVP- oder auch LDP-Wählern Punkte sammelt. Mehr noch: Schickt die SP Nägelin auf die Bretter, wankt auch die Glaubwürdigkeit von FDP, LDP und CVP.

Ein weiteres risikofreudiges Manöver der Bürgerlichen war es, die Grünliberalen nicht ins Team zu lassen. Eine Viererstaffel lässt die Bürgerlichen zwar bescheidener dastehen als Rot-Grün, eine Fünferreihe wäre aber ein eleganter Weg gewesen, die eher linke Basis der GLP auf Linie zu bringen. Nimmt man die Grossratswahlen 2012 zum Gradmesser, erreichen die Linken 41,8 Prozent Wähleranteil, ihre Gegner 42,9. Trifft der rechte Haken mit Nägelin nicht voll, könnten sich die Bürgerlichen erneut eine blutige Nase holen.