Parfüm, Uhren, Smartphones. Aber weit und breit keine Politiker. In Basel dürfen Wahlplakate frühestens vier Wochen vor der Wahl aufgehängt werden. Bis Ende September sollten wir verschont bleiben von Politikern und ihren Versprechungen.

Trotzdem: Am 23. Oktober wählt Basel ein neues Parlament und eine neue Regierung. Und was passiert jetzt, knapp drei Monate vor diesem Datum? Die Parteien schlafen noch. Die BastA! als Teil des Grünen Bündnisses beispielsweise hat es nach bald zwei Monaten noch nicht einmal fertig gebracht, auf ihrer Website die zurückgetretene Grossrätin Patrizia Bernasconi durch ihren Nachfolger Daniel Spirgi zu ersetzen – geschweige denn, eine Liste der Kandidaten zu veröffentlichen.

99 Genossen, 99 Gewerbefreunde

Und auch, wenn man erfahren will, wen die SVP für die Grossratswahl ins Rennen schickt, findet man nichts. «Spätestens bei Abgabe der Wahllisten Ende August» gebe man die Namen bekannt, heisst es bei der SVP. Auch die Liberalen und die CVP verraten noch nicht, wen sie antreten lassen

Aktiver sind die SP und die FDP. Letztere hat ihre Kandidaten vor grauem Hintergrund und lächelnd ablichten lassen und präsentiert diese bereits jetzt auf der Website. Auch die 99 kandidierenden Genossen sind abgebildet – und das auf spielerisch ausgeschnittenen, sechseckigen Fotos. Interessant hier: Die Zahl 99 taucht ausgerechnet auch bei einer Gruppe auf, die mit der SP nichts am Hut hat, sich aber bereits mitten im Wahlkampf befindet: beim Gewerbeverband.

Von den 99 Leuten, die der Verband wo immer nur möglich zur Wahl empfiehlt, gehört kein einziger der SP oder dem Grünen Bündnis an. Hier muss übrigens erwähnt werden, dass die Grünen auch schon aktiv sind: Ihre Kandidaten sind online, allerdings ohne Fotos. Doch zurück zur Zahl 99: Es ist üblich, dass ein Verband, der sich für das Gewerbe stark macht, keine Linken portiert. Ist es auch üblich, dass der Verband einen freisinnigen Unternehmensberater, der schon eine Firma hatte, nicht zur Wiederwahl empfiehlt? Diese Frage hat sich auch Christian Moesch selber gestellt, als er seinen Namen vergeblich auf der Liste suchte.

Und er fand heraus, dass er bei der Auswahl zwischen Stuhl und Bank fiel. Als nachrückender Parlamentarier, der erst kurz im Amt ist, konnte er seine Gewerbefreundlichkeit noch zu wenig unter Beweis stellen. Und da der Verband auch viele Neue vorschlägt, hat es Moesch nicht unter die 99 geschafft. Dafür ist er beim Komitee «Kulturstadt Jetzt» vertreten, wie einem Schreiben zu entnehmen ist, das in zahlreichen Briefkästen landete. Wobei Moesch dort als Bürgerlicher in der Minderheit ist: Von zwölf Kulturstadt-Kandidaten gehört nur ein Viertel der FDP an, der Rest ist links einzuordnen – oder fast links, je nach dem, als was man die Grünliberalen (GLP) betrachtet. Passend daher, dass mit dem Neukandidaten Karl Linder ein Grünliberaler beim Gewerbeverband und bei «Kulturstadt Jetzt» auftaucht.

Kampagne der GLP beginnt heute

Linder ist nicht der einzige, der zweigleisig fährt, sondern einer von zweien: Auch Elias Schäfer, der 2014 als Grossrat zurücktrat und es jetzt wieder wissen will, wird von beiden empfohlen. Für den ehemaligen Gewerbeverband-Mitarbeiter und Kulturstadt-Kämpfer ist das kein Widerspruch: «Kultur und Gewerbe haben gemeinsame Anliegen. Unternehmer wie Kulturschaffende brauchen Freiräume, in denen sie wirken können. Ich setze mich für diese Freiräume ein», sagt er.

Die Realität gibt Schäfer recht, wie etwa die aufblühende Rheingasse beweist. Die Wirklichkeit aber zeigt: Da kämpfen zwei Interessengruppen für sich allein und bisher ohne Parteien-Support. Das ändert sich aber schon heute ein klein wenig: Die GLP lässt erste Plakate aufhängen – allerdings ohne Köpfe. Ob diese unter die Vier-Wochen-Regel fallen, zeigt sich dann.