Kulturpolitik

Es steht schlimmer um die Basler Museen als bisher befürchtet

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann will nicht von einer Museums-Krise sprechen. Das sehen viele anders.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann will nicht von einer Museums-Krise sprechen. Das sehen viele anders.

Noch am Mittwoch hatte sich Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann äusserst zuversichtlich gezeigt: Herausforderungen seien auch Chancen. Und von einer Museums-Krise sei keine Rede. Bereits am Tag darauf aber waren ganz andere Töne zu hören.

Von einer Museums-Krise könne gar keine Rede sein. Es wurde an der Präsentation der neuen Doppelspitze der Basler Kulturabteilung vom Mittwoch gleich mehrfach betont. Für die beiden neuen Leiterinnen Sonja Kuhn und Katrin Grögel gibt es lediglich einzelne Herausforderungen. Das sieht Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann genauso: «Die Museen sind gut aufgestellt.» Das zeige sich etwa anhand der tollen Ausstellungen im Kunst- oder Antikenmuseum. «Es gibt einzelne Probleme, an denen wir aber intensiv arbeiten.»

Nur einen Tag später sind jedoch ganz andere Töne zu hören. In ihrem gestern veröffentlichten Mitbericht zum Kantonsbudget 2018 beschreibt die Bildungs- und Kulturkommission (BKK) ein eigentliches Museums-Chaos. Das Jahr 2017 habe gezeigt, wie nötig die seit Jahren versprochene Museumsstrategie sei. «Insgesamt ist es unumgänglich, dass bald für mehr Klarheit gesorgt wird.» Schliesslich hätten sich in den vergangenen Jahren nun doch einige Probleme aufgestaut, die nun plötzlich zu Tage treten. Probleme erkennt die Kommission vorab bei der Organisation innerhalb des Präsidialdepartements. Insbesondere müssten Kontrolle und Kompetenzen der Verantwortlichen klar zugewiesen und abgegrenzt werden. «Die Museumsstrategie muss dazu führen, dass Probleme benannt, geordnet, priorisiert und rechtzeitig angegangen werden.

Auch Historisches Museum soll sparen

Und Probleme gibt es viele, glaubt man der BKK. Das führt der derzeitige Budgetierungsprozess deutlich vor Augen. Dieser gebe die betriebliche Realität nicht in jedem Fall wieder. Heisst: Die zur Verfügung gestellten Mittel reichen nicht für die Leistungsaufträge. Die Hauptsorge der Kommission gilt dabei im Moment dem Kunstmuseum, das arg in finanzielle Schieflage geraten ist.

Wie von der bz angekündigt, soll der Grosse Rat dem Antrag der Regierung nachkommen und dem Kunstmuseum zusätzlich 925'000 Franken zukommen lassen. So soll der ärgste Engpass zumindest kurzfristig überbrückt werden, wie die Finanzkommission (FKom) gestern vor den Medien ausführte. Gleichzeitig wird das Museum ab nächstem Jahr einige Sparmassnahmen umsetzen müssen. FKom-Präsident Patrick Hafner spricht von «gröberen Problemen» bei den Basler Museen. Den Grund sieht er in einem Führungsproblem in Ackermanns Präsidialdepartement: «Das Departement scheint in den letzten Jahren seinen Job nicht gemacht zu haben.»

Auch für die BKK ist das Kunstmuseum nur die Spitze des Eisbergs. So gebe es beim Historischen Museum ebenfalls grosse Probleme. Direktor Marc Fehlmann zeigt sich unbefriedigt über die zur Verfügung stehenden Mittel. Zudem seien die für 2018 erwarteten Drittmittel zu optimistisch budgetiert, berichtet die Kommission. Das hat Konsequenzen: Nun muss auch das Historische Museum ein umfassendes Sparpaket schnüren. So sollen etwa die Eintrittspreise erhöht werden. Gleichzeitig werden die Öffnungszeiten angepasst und 2018 keine Wechselausstellungen stattfinden. Weiter werden die gastronomischen Angebote gestrichen. «Diese Sparmassnahmen sind nicht ohne», heisst es aus der BKK. Die Kommission nimmt die «unsichere Finanzsituation besorgt zur Kenntnis».

«Es fehlt schlicht der Überblick»

Nachdem das Präsidialdepartement die Probleme bei den Basler Museen am Mittwoch erneut kleingeredet hat, stellt sich in der BKK die Frage, ob die Situation tatsächlich erfasst worden sei. Schliesslich sei mittlerweile offensichtlich, dass die Finanzprobleme im Kunstmuseum kein Einzelfall sind. Vielmehr seien sie systembedingt. Die Kommission begrüsse es deshalb ausdrücklich, dass das Präsidialdepartement für alle fünf staatlichen Museen Betriebsanalysen durchführen lässt. «Im Moment ist völlig offen, wie gross das Finanzloch bei den Museen tatsächlich ist», sagt ein BKK-Mitglied. «Uns fehlt schlicht der Überblick.» Es brauche die Analysen, um die Probleme zu quantifizieren.

Denn Probleme könnten sich bald auch im Museum der Kulturen auftun. Dieses weist aufgrund zunehmender Aufgaben auf einen «ausgereizten Personalbestand» hin. Es brauche mehr Stellen. Zunehmende Leistungskontrolle und Bürokratie führten zu einer immer grösseren Arbeitsbelastung und das Personal damit an seine Grenzen.

Kommt das Naturhistorische Museum dazu, bei dem wegen des geplanten Neubaus viele Fragen offen sind. Das wiederum könnte sich auf das Sponsoring auswirken, wodurch ebenfalls ein Budgetdefizit drohe.

«Die Basler Museumslandschaft ist derzeit von Unruhe geprägt», bilanziert die BKK. Ein Erneuerungsprozess sei unumgänglich. Es brauche nun eine «offene und ehrliche Diskussion» über Fragen und Probleme. Schon vor einem Jahr habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass sich Fragen zu Zuständigkeiten «in aller Deutlichkeit» stellen, zur Ausübung der Verantwortlichkeit, Aufsicht und Kompetenzen, betont die Kommission. «An dieser Feststellung hat sich nichts geändert.»

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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