Erlebniswelt

Es tut sich was in der Basler Innenstadt: Confiserie Brändli zieht um – und die Swisscom serviert bald Kaffee

Die Confiserie Brändli verlässt das altehrwürdige Gebäude am Barfüsserplatz – und eröffnet wenige Meter entfernt ein grösseres Café.

Die Confiserie Brändli verlässt das altehrwürdige Gebäude am Barfüsserplatz – und eröffnet wenige Meter entfernt ein grösseres Café.

Die Confiserie Brändli zieht mit einem Café in die Gerbergasse. Auch die Swisscom testet ein neues Konzept am Marktplatz. Aufgrund des Baugesuchs ist klar: Auch dort wird ein Café entstehen.

Die Basler Shoppingzone zwischen Barfüsserplatz und Marktplatz wird gastronomisch erweitert. Jetzt erhält die Gerbergasse ein neues Café. Und zwar nicht nur ein kleines Boulevardrestaurant, sondern ein üppiges: Die Confiserie Brändli verlässt die Liegenschaft der Bijouterie Seiler und zügelt ins Haus, wo ehemals Schuh Müller ansässig war und derzeit eine Zwischennutzung stattfindet. Im Mai oder Juni soll Eröffnung sein, wie Brändli-Chef Michael Grogg gegenüber der bz sagt.

Und am Marktplatz wird Swisscom ein neues Ladenkonzept testen. Der Telekom-Anbieter übernimmt den Laden, der derzeit vom Kleidergeschäft Company’s betrieben wird. Die Swisscom hält sich mit Informationen zum genauen Konzept zurück, aufgrund des Baugesuchs ist aber klar: Auch dort wird ein Café entstehen.

Damit erfüllt sich langsam eine Voraussage, die Pro-Innerstadt-Geschäftsführer Mathias Böhm immer wieder postuliert hatte: Die Innenstadt soll zur «Erlebniswelt» werden. Mischbetriebe, in denen Telefone verkauft werden und die gleichzeitig ein Café betreiben, würden zur Norm.

Dazu steht Böhm heute erst recht, wie er auf Anfrage sagt. Zudem betont er: «In der Basler Innenstadt stehen keine grossen Ladenflächen leer.» Damit spielt Böhm auf den Vorwurf des Lädelisterbens an, also auf die Annahme, dass die Innenstadt zunehmend aussterben würde.

Confiserie neben Confiserie

Tatsache hingegen ist, dass viele alte und langjährige Traditionsbetriebe das Zeitliche segnen. Das Angebot ändert sich. Zudem sei diese Vermischung von Ladenkonzepten ein internationaler Megatrend, so Böhm, und das spiegle sich nun auch in der Basler Innenstadt wieder. Erst Ende Januar berichtete die bz, dass das Restaurant Lällekönig an der Schifflände umgebaut wird; voraussichtlich soll daraus ein Ladengeschäft werden – je nach Interessenten.

Mit dem neuen Standort von Brändli wächst nun sogar ein Traditionsgeschäft. Die neue Ladenfläche ist deutlich grösser, wie Grogg bestätigt. Das Mobiliar mit den alten Theken wird vom alten Standort übernommen und durch einen Restaurationsbetrieb ergänzt. Damit werde neben Riehen und Arlesheim nun auch die Gerbergasse von Brändli mit einem Café bedient. Zum Wechsel beigetragen habe auch, dass das Mietverhältnis am alten Standort direkt beim Barfi «nicht mehr optimal» gewesen sei, wie Grogg sagt. Dafür soll der neue Laden nun hochwertigen Kaffee anbieten. Dass sich in direkter Nachbarschaft noch eine grosse Zahl weiterer Cafés befindet – etwa das Café Bachmann oder das Café Cappuccino – sei kein Risiko. «Schliesslich belebt Konkurrenz das Geschäft», sagt Grogg.

Damit wird die Dichte an Gastrobetrieben in der Innenstadt wieder grösser, wenn auch vor allem im Bereich der Cafés. Oberhalb des Modehauses Grieder hat kürzlich ein Deli-Café namens «The Wild Girls» eröffnet, die bz berichtete. Die von Böhm gerne zitierte Erlebniswelt zielt darauf ab, dem veränderten Konsumverhalten gerecht zu werden – oder anders gesagt: Einen anderen Anreiz zu schaffen, um in die Innenstadt zu kommen, als nur kurz etwas einzukaufen und dann wieder zu gehen.

Von Behinderungen gebeutelt

Und aufbauen muss die Innenstadt wieder. Die Grossbaustellen der vergangenen Jahre, der Euroschock und die hervorragende Erschliessung des grenznahen Einkaufsraums gepaart mit der Umsetzung des Konzepts der verkehrsfreien Innenstadt beutelten den Basler Detailhandel massgeblich. Wie mehrere Ladenbetreiber auf Anfrage bestätigen, sei das Problem weniger eine einzige Massnahme gewesen als eher die Summierung aller Behinderung während mehrerer Jahre. Dennoch sagt Böhm: «Es ist vor allem ein Wechsel, der stattgefunden hat. Verkaufsflächen, die aufgegeben wurden, waren stets rasch wieder besetzt.»

Dass nun auch Swisscom mit einem Ladencafé-Konzept experimentiert, und das erst noch an bester Marktplatz-Lage, bestätige diese Annahme nur. Grundsätzlich brauche die Innenstadt wieder eine positivere Betrachtungsweise als in den vergangenen Jahren, so Böhm. Denn schliesslich ist nicht nur das Angebot, sondern auch das Image entscheidend, weshalb gewisse Orte aufgesucht werden und andere nicht.

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