Dr Stolperi

Es wär so schön, wenn bloss das Licht nicht wär

Dr Stolperi am Morgestraich

Dr Stolperi am Morgestraich

Der Stolperi erlebt die Fasnacht meist unter der Larve. Denn dort kann er sich dem Fasnachtsgeist ungehemmt hingeben.

Basel ist ja bekanntlich nicht arm an Lumpenläden. Darunter auch ein Solcher einer internationalen Modekette für Magermodels. Und was war der am Morgestraich? Richtig, hell erleuchtet! Auf mehreren Stockwerken! In der Freien Strasse! Doch das war nicht der einzige Sünder. Und nicht alle können die Ausrede anführen, die hiesigen Gepflogenheiten halt nicht so genau zu kennen. Vor dem Globus, zum Beispiel, sorgte ein offenbar an einen Bewegungsmelder angeschlossener Scheinwerfer für Unmut und Instant-Blindheit. Der Stolperi kam tatsächlich aus dem Takt, weil er die im Dunkeln liegende Trottoirkante nicht mehr sehen konnte.

Noch ärgerlicher: die zahlreichen, in grelles Licht getauchten Hauseingänge. Was denken sich diese Liegenschaftsbesitzer, respektive -verwaltungen bloss? Die müssen entweder Zürcher sein oder dann in den Skiferien weilen. Oder sind das schon diese Libertären, die erst die SRG und dann den Staat schleifen wollen, die in anarchistischer Aufruhr Sabotage betreiben?

Während also Lichter brannten, die nicht brennen sollten, gaben bei uns in der Clique die Steckenlaternen gleich reihenweise den Geist auf. Günstige Batterien haben eben ihren Preis. Wenigstens kann man uns nicht vorwerfen, wir seien zu hell. Ganz anders die Basler Bebbi, deren spektakuläres Laternenrequisit ein bisschen viel Blendwerk war und den einen oder andern lichtempfindlichen Fasnachtstraditionalisten die Nase rümpfen liess. Der Stolperi gehört nicht dazu und rät dringend zu einem Besuch der Laternenausstellung, um die ganze Pracht dieser ungewöhnlichen Lampe zu geniessen.

Eher dunkel gehalten sind viele der Sujets. Mit Trump, Putin und Erdogan gibt es auch genug Elend in der Welt. Da ist ein bisschen Licht am Morgestraich wahrlich nicht das grösste der Probleme. Vor allem kann ein Laden, der sinnigerweise Esprit heisst, dem Fasnachtsgeist nichts anhaben. Dieser erscheint um Punkt 4 Uhr, führt zu Gänsehaut und glückseligen Tränchen. Der Stolperi ist nicht nah am Wasser gebaut, doch unter der Larve, wenn das (meiste) Licht ausgeht und der Morgestraich erklingt, dann ist es regelmässig um ihn geschehen.

Nicht einmal der saure Wein und die höchstens lauwarme, dafür aber steinharte Kääswaje können dieses Hochgefühl trüben. Auch wenn dann der Tag anbricht, Abfallwagen sich den Weg bahnen, neues Bier herangekarrt wird und die Drämmli wieder fahren, der Fasnachtsgeist, der bleibt. Denn die Cliquen haben stets Vortritt. Für einmal sind es die Narren, die der Stadt den Takt vorgeben. Praktisch nahtlos geht der solcherart verlängerte Morgestraich in den Cortège über. Der Stolperi geniesst diesen als Zuschauer. In Zivil, aber noch immer verzaubert. Doch jetzt heisst es, zrugg uff d’Gass. Das Fasnachtsfeuer braucht neue Nahrung.

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