«Hotel». Das sei der Waaghof in gewisser Hinsicht gewesen. Es sagt einer, der es wissen muss: Bruno * war viele Male in Haft, «etwa 30 Mal». Er hat eine lange Drogenkarriere hinter sich und kennt verschiedene Haftanstalten, ihre Vor- und Nachteile. Doch obwohl der Basler Waaghof einen guten Ruf geniesst: Hier hat er vor rund fünf Jahren auch seine schlimmste Zeit verbüsst.

Kürzlich berichtete die «Basler Zeitung» über schlechte Haftbedingungen. In einem Brief sollen sich mehrere Insassen über die schlechte Luft beklagt haben. «Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Im Sommer gleicht der Waaghof einer Sauna», sagt Bruno. Auf seiner Station hingen Messgeräte; sie hätten bis zu 80 Prozent Luftfeuchtigkeit angezeigt. «In den Zimmern war es noch übler, denn diese waren voller, als ursprünglich geplant.» Wo früher zwei Betten standen, seien aus Platzbedürfnissen Hochbetten hingestellt worden. Doch das sei alles noch erträglich gewesen. «Ich liess mich freiwillig in den Bunker versetzen.»

Der Bunker, das ist die Station 14. Eigentlich als Strafe für schlechtes Benehmen gedacht, denn die Bedingungen in diesen Einzelzellen sind härter. Bruno hat das in Kauf genommen, denn er war auf Medikamente angewiesen, und diese machten ihm seine Mitinsassen streitig.

Was er dort nicht erwartet hatte: Baustellenlärm. «Zu jener Zeit wurde der Waaghof umgebaut. Täglich war ich dem Lärm viele Stunden ausgesetzt. Das war die Hölle.» In seinen Haftzeiten hat Bruno viel erlebt, einmal zündete sich ein Zellengenosse in der Nacht an. «Aber dieses Erlebnis im Waaghof war das schlimmste, pure Folter.»

Bruno kann differenzieren. Er findet den Waaghof grundsätzlich besser als früher den Lohnhof oder auch das Schällemätteli. «Man isst in Ordnung und die Wärter behandeln die Häftlinge anständig», sagt er. Auch die Zimmer seien verhältnismässig okay. Aber der Baustellenlärm, das sei unmenschlich gewesen. «Ich wollte mir nur noch den Schädel einschlagen.»

Wieder Bauarbeiten

Auch jetzt finden wieder Bauarbeiten am Gefängnis statt. Diese bezeichnet der Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements als «grosse Herausforderung»: «Bauarbeiten müssen bei gleichzeitiger Anwesenheit der Inhaftierten durchgeführt werden, ohne dass es zu starken Emissionen kommt und ohne dass die Sicherheit darunter leidet», sagt Toprak Yerguz. Solche Anpassungen kämen aber den Inhaftierten zugute. Die Luft- und Wärmesituation sei tatsächlich bekannt. Seit jener Zeit, in der Bruno im Waaghof gesessen hat, hat das JSD auch Verbesserungen vorgenommen, mit Lüftung und Ventilatoren.

Eine wesentliche Verbesserung wäre aber nur mit Belüftungsschlitzen in den Türen möglich. Das wiederum hätte grössere Umbauarbeiten zur Folge: Deutliche Verbesserung sei nur mit grösseren Eingriffen hinsichtlich der Belüftungskonzeption des Waaghof-Komplexes möglich, sagt Yerguz. Eine Arbeitsgruppe aus dem JSD und dem Bau- und Verkehrsdepartement hat sich der Sache angenommen; eine Machbarkeitsstudie soll weitere Erkenntnisse bringen.

Yerguz bestätigt, der einst als Untersuchungsgefängnis geplante Waaghof sei seit 2012 um einige Plätze erweitert worden. Völlig ausgelastet ist er derzeit jedoch nicht. 2013 bewilligte die Regierung eine Erweiterung der Gefängnisplätze, da die benötigte Anzahl «sprunghaft» angestiegen sei. Eine Verbesserung der Situation verspricht sich das JSD 2019, wenn der Erweiterungsbau Bässlergut für den Vollzug kürzerer Haftstrafen vollendet ist.
* Name geändert