Regierungsrat

«Es war grauenvoll»: Tanja Solands qualvoller Weg zur Wahl und die Zukunft der Basler Regierung

Die neue Basler Regierungsrätin heisst Tanja Soland – es war ein Leidensweg bis zur Verkündigung des Ergebnisses. Das Finanzdepartement soll nun in SP-Hand bleiben.

Auf den letzten Metern beschlichen die grosse Favoritin um die Nachfolge von Eva Herzog in der Basler Regierung doch noch Zweifel. Die Momente vor der Verkündigung der Ergebnisse am Mittag seien «grauenvoll» gewesen, sagte Tanja Soland, nachdem sie am morgen noch kaum Nervosität verspürt hatte. Sollte der Aufwärtstrend der Grünliberalen ihre Konkurrentin Katja Christ doch noch zur ernsthaften Gefahr werden lassen? Sollte sich Nadine Gautschis (FDP) engagierter Wahlkampf doch noch bezahlt machen?

Nichts von alledem trat ein – bei weitem nicht. Als das klare Wahlresultat im Congress Centrum auf dem Bildschirm aufleuchtete, ging ein Jubelschrei durch die Halle. Die Sozialdemokraten waren sichtlich erleichtert, denn an der Leistung Solands im Wahlkampf gingen auch parteiintern die Meinungen auseinander. Von allen Anwärterinnen war sie die introvertierteste Kandidatin; keine, der die Herzen der Wählerschaft zufliegen.
Dass die rot-grüne Welle sie nun derart überlegen ins Amt spülen würde, davon waren selbst die optimistischsten Linken überrascht.

Finanzdepartement soll in der Hand der SP bleiben

Die Minuten nach der Bekanntgabe der Resultate gleichen einem Spiessrutenlauf. Soland wird von einem Mitarbeiter von «Telebasel» gepackt und ins Live-Interview gezerrt, die anderen Medien müssen sich gedulden. Tiefgreifendes ist der künftigen Regierungsrätin freilich nicht abzuringen. Sie werde einstehen für soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und vor allem «die Kontinuität», durch die sich ihre Vorgängerin Eva Herzog ausgezeichnet habe. Aber Soland lässt auch durchblicken, dass sie einen strammen Linkskurs fahren werde. So kündigt sie etwa an, dass sie die kommunale Wohnungspolitik in den Fokus nehmen werde. Die Immobilien Basel-Stadt müssten aktiver werden beim Kauf und beim Erstellen von Wohnungen für die unteren Einkommensschichten.

Mit diesen Aussagen macht sie deutlich: Die Dossierfrage wollen weder sie noch ihre Partei führen. Die Immobilien Basel-Stadt sind beispielsweise dem Finanzdepartement angegliedert, und Soland hat klar zum Ausdruck gebracht, dass sie gerne die Finanzen übernehmen möchte.
Für den Parteipräsidenten Pascal Pfister ist der Fall klar: «Letztlich müssen die Regierungsrätinnen und Regierungsräte das unter sich ausmachen. Aber es macht mehr Sinn, dass die Mehrheit das Finanzdepartement hat, weil es hier viele Schnittstellen gibt.»

Alle drei Kandidatinnen gaben Siegerinterviews

Wo es Sieger gibt, gibt es auch Verlierer – könnte man meinen. Doch irgendwie gaben alle Siegerinterviews gestern. Christ, beflügelt durch ihre Wahl in den Nationalrat, sagte: «Ich hab mehr als halb so viele Stimmen geholt wie Nadine Gautschi, die den ganzen Wirtschaftsblock hinter sich hatte. Das ist ein wirklich beachtliches Resultat.» Und Gautschi meinte: «Vor vier Monaten war ich noch ein No-Name.» Dafür sei ihr Resultat doch ansehnlich. Und eine Flasche Wein wurde in der Familie Gautschi gestern auch noch aufgemacht: «Allein deshalb, weil ich jetzt mal ein paar freie Abende haben werde», sagte die FDPlerin. Sie liess offen, ob sie im 2020 zu den Grossratswahlen antreten werde. Erst müsse parteiintern einiges auf den Tisch gelegt werden.

Damit sprach sie die brutale Niederlage für die Freisinnigen und den klar verpassten Nationalratssitz an. FDP-Präsident Luca Urgese wird sich an der heutigen Parteiversammlung einige kritische Fragen stellen lassen müssen. Zum Beispiel, wie die Strategie der namhaften Einzelkandidaten wie diejenige des früheren Basler Stadtentwicklers Thomas Kessler zu beurteilen sei.

Solche Sorgen hat die SP Basel-Stadt derzeit nicht. Tanja Soland kündete gestern eine grosse Feier bis in alle Nacht an. Ob sie heute Morgen wie sonst immer die Joggingschuhe schnürt, ist deshalb fraglich. Sie hatte bereits am Wahlsonntag ihre morgendliche Runde in den Langen Erlen absolviert. Damit sie ein etwas weniger schlechtes Gewissen hat, wenn sie heute ausnahmsweise länger liegen bleibt.

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