Mohammed hat es nicht mal auf ein Selfie mit jemandem geschafft, so beschäftigt sind die Fasnächtler mit sich selber. Und wenn doch ein weltliches Thema auftaucht zwischen all den Spiegeln und Handydisplays, ist es a) nicht Mohammed, aber man wird b) trotzdem daran erinnert, dass es ausserhalb Basels nicht so toll zu und her geht.

Da ist etwa Putins «Krimskrams» bei der Basler Mittwoch-Gesellschaft BMG, da ist die fehlende Alternative zu unserer Welt bei den Schnuffer & Schnoogge vo dr Alte Richtig, die keinen Plan(et) B haben. Da ist die Angst vor Atom-Unfällen, Kriegen etc. beim Stamm der Sans Gêne und bei der Alten Garde der Basler Rolli, die ebenfalls Angst hat – und da ... Tja, da kommen sie wieder, die mit den Selfies. Diese Narzissten und Egoisten.

Pflotschnasse Räppli und Riebli

Doch bleiben wir rasch bei der Angst. Dass nicht jede Angst begründet ist, zeigt etwa diese Szene: Es klingelt auf der Mittleren Brücke, ein Dutzend Zuschauer zuckt zusammen. Ein Glück, dass niemandem ein Auge ausgestochen wird von einem Schirm – so eng ist es und so gross ist die Angst, das bimmelnde Tram würde einen überfahren.

Dann die Erleichterung: Es ist bloss der Zoggelischletzer-Wagen in Form eines BLT-Drämmlis. Hejo, das richtige Drämmli fährt am Cortège nicht. Trotz kollektivem Zucken stehen alle noch, niemand ist auf einem Riebli oder einer Orange ausgerutscht und auch die nassen Räppli überall bleiben harmlos.

Pompös wirkt zwischen all den Guggen und Waggen die Olympia mit ihrem «Schnauze-Fräulein»-Sujet und all den Schnäuzen auf den Larven, vor allem aber mit ihren traditionell goldenen Trommeln und der Grösse als Clique, die sie nach wie vor bieten kann.

So. Und jetzt sind wir in der Mitte dieses Textes angelangt und es wird Zeit für eine traurige Nachricht: Zu Beginn des Cortège am Montag war die Stadt leer wie selten an einer Fasnacht. Diesmal darf man aber weder Hans-Peter Wessels und seiner Verkehrspolitik noch dem starken Franken, respektive dem schwachen Euro die Schuld geben, sondern einzig und allein der Tatsache, dass es einfach gruusig war.

Platz für Zwillings-Kinderwagen

Petrus ist definitiv kein Basler und so sah es bei dem nassen und kalten Wetter um 13.30 Uhr so aus, als bliebe die Stadt für fasnächtliche Verhältnisse leer: Den Spalenberg konnte man heruntergehen, ohne ein einziges Mal an jemanden «anzubotschen» und mancherorts, wo sonst eine Druggede gewiss ist, gab es genügend Platz für breite Zwillings-Kinderwagen. Kuscheliger ging es auf den gedeckten Terrassen entlang der Route zu, so gehörten etwa die Gäste der Basel-Tattoo-Stubete an der Schifflände zu den Privilegierten.

Dann aber, kaum pfiff, trommelte und posaunte es aus allen Gassen, besann sich der Basler und kam aus seiner Stube gekrochen. Zur Belohnung schien gegen Abend kurz die Sonne.

Tigerente begehrtes Selfie-Sujet

Wie allewyyl gibt es Querschläger: Gruppen, die tun, was man eigentlich nicht tut, diesmal sind es unter anderem d’Schloofkappe-Waggis mit ihren Tigerenten-Fahrzeugen. Unter der Ente verbergen sich Segways und so kommt es, dass die Waggisse kreuz und quer wild herumfahren und so gar nicht in den Zug passen wollen, der sich an die Regeln hält und korrekt den Cortège läuft. Die Begeisterung ob den Entchen ist gross und so entsteht so manches Selfie mit ihnen. Die meisten Selfies aber waren schon vor dem Cortège da – in Form von Sujets.

Sein Fett weg bekommt wieder einmal Sicherheitsdirektor Baschi Dürr – doch diesmal liegt es nicht an seinem Waschtag: Die unbewilligte Pappteller-Performance während der Art erregt die Gemüter auch über ein halbes Jahr nach der polizeilichen Räumung noch, und so macht die Rootsheere-Clique die Art zur Un-Art und die Pfeifer sind passend als «Schmir» gekennzeichnet.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Basler beschäftigt sich sujetmässig gern mit seinen lokalen Problemen, lässt aber auch die Welt nicht aus den Augen. Am meisten aber – das steht fest – beschäftigt er sich aber mit sich selfie.