«Wann ist dein grosser Tag? Montag oder?» ruft ein junger Mann Vincent Gross im Vorbeilaufen zu. An seiner Schule, dem Gymnasium Bäumlihof, ist der 18-Jährige ein Star, den wohl jeder kennt. Sogar die Lehrer, die ihm beim Passieren nur ein «ach, schon wieder ein Medientermin» mitgeben. Nicht nur an seiner Schule, sondern auch auf Youtube ist der Basler Singer und Songwriter bereits ein Star.

Angefangen hat alles vor drei Jahren, als Gross klammheimlich sein erstes Video mit einem Coversong von Justin Bieber auf Youtube hochgeladen hat. Gross, der zuvor nur im Schulchor und zu Hause sang und sich dabei auf der Gitarre begleitete, wollte die Meinungen von Drittpersonen einholen. «Ich muss aber zugeben, die ersten zehn Videos waren noch nicht so top.» Damals hatte er weder Gesangsunterricht noch Gitarren-Stunden. Die ersten zwei Akkorde hatte ihm sein älterer Bruder beigebracht, ein paar Griffe brachte er sich selber bei.

Sein Vorbild ist ein Schweizer

Doch wieso der Weg über Youtube? «Ich habe eine Dokumentation gesehen über Justin Bieber und seinen Durchbruch dank Youtube und mir gedacht, dass ich das auch machen könnte.» Mit der Veröffentlichung seiner Videos erhoffte er sich Fans. Und die bekam er: Sein erstes Video hat heute 153'000 Klicks. Es folgten weitere Bieber-Songs und solche der britischen Boygroup One Direction. «Ich mag diese Musik, das ist auch mein Stil.» Als Vorbild würde er Bieber jedoch nicht bezeichnen, dafür habe dieser zu viele Skandale gehabt. Mit seinem Aussehen wäre Gross durchaus für eine Boygroup geeignet. «Ich hatte schon diverse Anfragen, bei deutschen Versionen von One Direction mitzumachen, habe aber immer abgelehnt.» Er wolle selbstständig bleiben, eine Boygroup sei nichts für ihn.

Auch die Vergleiche mit Bieber sind nicht das, was Gross wollte. Sein musikalisches Vorbild ist ein anderer: Bastian Baker. «Er legt eine tolle Karriere hin, hat eben erst nach Asien expandiert und ist vor allem bodenständig geblieben», sagt Gross über den Welschschweizer. Vergleichen wolle er sich aber auch mit ihm nicht, denn man stehe immer im Schatten der anderen Person. Doch Gross und Baker haben eine Parallele: den Sport. Während Baker hätte Eishockey-Profi werden können, hat Gross jahrelang Taekwondo auf Leistungssport-Niveau gemacht, wurde Schweizer Meister bei den Junioren. «Von dieser Parallele habe ich gar nichts gewusst.»

Das Album kommt im Dezember

Mittlerweile hat die Musik den Sport als grösste Leidenschaft abgelöst, der Leistungssport ist ihm verleidet: «Ich gebe Stunden als Trainer, aber die Musik ist viel wichtiger.» Genau wie im Sport ist er auch in der Musik extrem zielstrebig. Im Dezember veröffentlicht er sein erstes Album mit sieben Songs und einem Bonus-Track unter dem Namen «Feelings In Another Way». Die Aufnahmen hat er in einem Zürcher Tonstudio gemacht. «Ich begleite mich auf jedem meiner Lieder selber, es ist ein Akustik-Album.» Seine Songs sind alle auf Englisch geschrieben, «weil es einerseits internationaler ist, und weil ich die Sprache sehr toll finde.» Seine englisch sprechende Gesangslehrerin hilft ihm jeweils dabei, den Texten den Feinschliff zu verpassen.

Persönliche Botschaften

Während das erste Album noch nicht mal veröffentlicht ist, plant Gross bereits das Zweite. Ein paar Songs sind bereits geschrieben. «Ich schreibe alle meine Lieder selber, weil ich damit persönliche Botschaften vermitteln will. Bei Coversongs vermittelt man die Gefühle anderer, das will ich nicht.» Seine Lieder – es sind ausschliesslich Balladen – handeln von guten und schlechten Erfahrungen mit der Liebe. Und sie erzählen Geschichten aus seinem «noch sehr kurzen» Leben.

Um eine grosse Erfahrung reicher wird er am Montagabend sein. Dann tritt Gross im Final der «Swiss Talent Awards» auf. Kann er das Publikum und die Jury mit seinem eigenen Song überzeugen, winken ihm als Preis eine Tournee in einer Show von Das Zelt und 10'000 Franken. Besonders die Tour reizt ihn: «Es war schon immer mein Traum, auf der Bühne zu stehen und die Leute zu berühren.»

Doch der eigentliche Gewinn sind nicht die Tour und das Geld, sondern die Bekanntheit, die er damit erlangen würde. Dann wäre er bei weitem nicht mehr nur auf Youtube und am Gymnasium Bäumlihof ein Star.