Heiner Vischer, LDP-Grossrat und Leiter der Podiumsdiskussion im Unternehmen Mitte, sagte zu Beginn, worum es gehe: nämlich darum, «sachlich und ohne Emotionen» über den Ausstieg aus der Atomenergie zu diskutieren. Zu dieser Diskussionsrunde hatte die Basler LDP fünf Fachleute eingeladen, die über die Frage «Genug Strom ohne Atom?» diskutierten.

Energie-Effizienz steigern

Für Heinz Karrer, CEO des Stromkonzerns Axpo, ist es unumgänglich, die Laufzeit der bestehenden Atomkraftwerke in der Schweiz zu verlängern. Ansonsten könne es bald zu Stromengpässen kommen. «Man muss sich aber auch Gedanken über Alternativen machen. Dabei steht der Ausbau erneuerbarer Energie im Vordergrund.» Allerdings gab Karrer zu bedenken, dass der Ausbau der Netze nicht einfach; zudem die Speicherung solcher Energien derzeit noch schwierig sei. Aber gerade die Speicherung sei wichtig, weil im Sommer beispielsweise mehr Solarstrom produziert werden könne, als im Winter, während der Stromverbrauch gerade im Winter höher sei als im Sommer.

Eric Nussbaumer, Energiepolitiker der SP im Nationalrat, zeigte sich dagegen überzeugt, dass auch ohne AKWs genug Strom vorhanden sei. «Die Versorgung der Schweiz mit Energie ist gesichert.» Trotzdem werde man nicht darum herum kommen, verstärkt auf alternative und erneuerbare Energien, insbesondere auf Solaranlagen, zu setzen.

Für eine Kombination der Energieträger plädierte Peter Huggenberger, Umweltgeologe an der Uni Basel. Er wies aber darauf hin, dass der Ausbau der Wasserkraft nur beschränkt möglich sei. «Grosse Hoffnungen liegen auf der Geothermie», sagte er weiter. Unbedingt müsse die Schweiz im Bereich der Stromproduktion mit dem Ausland zusammenarbeiten. Zudem müsse die Windkraft noch stärker genutzt werden.

«Wir müssen den Stromverbrauch stabilisieren», lautete das Credo von Hans Büttiker, CEO der Elektra Birseck Münchenstein (EBM). Jährlich wachse die Schweiz um 70000 Einwohner. Zudem steige der Wohnraumbedarf. Und schliesslich stünden in den meisten Haushalten und Büros unzählige stromabhängige Geräte. Der Stromverbrauch steige jährlich um ein bis zwei Prozent an. «Deshalb muss man alles daran setzen, die Geräte stromsparender zu machen», betonte Büttiker.

«Der Weg ist nicht einfach», sagte Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie. Um Geothermie- oder Solaranlagen im grösseren Stil zu bauen, dauere es heute viel zu lange. Straumann plädierte dafür, das Raumplanungsgesetz entsprechend zu ändern, sodass Einsprachen nur mehr gegen den Grundsatzentscheid erhoben werden könnten, nicht mehr aber gegen jedes einzelne Projekt.

Ohne Atomstrom planen

Auch wenn Karrer für eine Verlängerung der Betriebsdauer der AKW eintrat, so glaubt auch er, dass es an der Akzeptanz eines neuen AKWs in der Schweiz fehle: «Deshalb müssen wir die Energiepolitik ohne Atomstrom planen.»

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass der Strompreis ansteigen dürfte. Und auch darin, dass dringend etwas geschehen müsse – aufseiten der Forschung, der Politik, aber auch der Wirtschaft. «Die Politik muss die guten Rahmenbedingungen schaffen, damit die Entwicklung vorangetrieben werden kann», postulierte Huggenberger.