Die Idee hat was: eine Wasserrutschbahn von der Johanniterbrücke direkt in den Rhein. Als Christian Mueller vor anderthalb Jahren sein Initiativprojekt vorstellte, machte der Künstler damit national Schlagzeilen. Doch in zwei Wochen muss er die 3000 Unterschriften einreichen, die es bräuchte, damit die Basler Bevölkerung darüber abstimmen kann. Das wird nicht reichen, sagt er jetzt gegenüber der bz. Mueller, der vor zwei Jahren für seine Partei Freistaat Unteres Kleinbasel in den Basler Regierungsrat wollte, gibt aber nicht auf. Für ihn ist die Wasserrutschbahn nach wie vor ein legitimes politisches Anliegen. Zuerst kämpft er mit einer weiteren Initiative dafür, dass Basel kein Geld mehr in den Finanzausgleich zahlt.

Herr Mueller, kommt die Initiative für eine Rutschbahn von der Johanniterbrücke in den Rhein zustande?

Christian Mueller: Die Rutschbahn kommt. Aber nicht in absehbarer Zeit. Ich war schlicht zu wenig gut organisiert, um die Unterschriften zusammenzukriegen.

Was ist passiert?

Ich hatte in den letzten beiden Sommern viel zu tun und konnte nicht Unterschriften sammeln gehen. Ausserdem hätte ich mir ein bisschen mehr Engagement erhofft. Wenn alle, die die Idee auf Facebook «geliked» haben, zwei Unterschriften gesammelt hätten, hätte es gereicht.

Aber Sie wollen noch mal einen Versuch starten?

Ja, wenn wir besser organisiert sind. Es ist immer noch ein wichtiges Anliegen von mir. Ich wollte sogar eine Stelle als Kampagnenleiter ausschreiben und aus meinem eigenen Sack zahlen. Vielleicht gelingt es ja, wenn ich im Grossrat bin.

Sie wollen in zwei Jahren in den Grossen Rat?

Ich werde auf jeden Fall kandidieren, sicher für den Grossen Rat, eventuell auch für den Regierungsrat. Rein aus marketingtechnischen Gründen.

Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?

Klar, normalerweise werden alle Regierungsratskandidaten portraitiert. Und wir haben kein Budget für den Wahlkampf.

Wie steht es um ihre Partei Freistaat unteres Kleinbasel?

Die gibt’s. Unser Ziel ist, dass wir bei den nächsten Wahlen eine volle Kandidatenliste zusammenkriegen. So wie Eric Weber, der hats wegen seinen Listenstimmen in den Grossen Rat geschafft.

Eric Weber profitierte bei den letzten Wahlen von einer Änderung des Wahlgesetzes. Es reichte ihm, nur im Kleinbasel stark zu sein, nicht aber in den anderen Wahlkreisen.

Ja, davon wollen wir auch profitieren.

Ihr Ziel ist ja eine Grossregion Basel. Jetzt wurde am Wochenende aber die Fusion abgeschmettert.

Ich glaube, eine Initiative für eine Grossregion Basel – auch mit dem Schwarzbubenland und dem Fricktal – hätte Chancen. Da hat fast niemand etwas dagegen.

Vorher sammeln sie aber noch Unterschriften für eine andere Initiative. Sie wollen, dass Basel kein Geld in den interkantonalen Finanzausgleich zahlt. Wie läuft es da?

Wir haben noch nicht gross gesammelt. Aber wir haben noch ein bisschen Zeit. Jetzt müssen wir dann wieder mal mit dem Komitee zusammensitzen.

Was ist denn schlecht daran, dass Basel den ärmeren Kantonen hilft?

Was ist gut daran?

Dass man sich innerhalb eines Landes gegenseitig unterstützt.

Wenn man jemandem hilft, erwartet man ja, dass irgendwann mal etwas zurückkommt. Doch wir helfen immer, während die armen Kantone unsere Politik bestimmen. Sie beschränken die Einwanderung und sägen so an unserem Ast.

Ein Stadt-Land-Problem?

Nein, eher ein Umverteilungsproblem. Sie können immer die hohle Hand machen. Wir zahlen immer.

Aber Sie als Künstler profitieren ja auch von öffentlichen Geldern?

Ich versuche, möglichst selbsttragend zu sein. Aber Subventionen für Kunst sind ja nicht per se schlecht. Ein Staat kann sich selbst die Aufgabe geben, Kunst zu fördern. Damit meine ich eine Avantgarde, nicht eine kommerzielle Kunst. Wenn die Art 100 000 Franken bekommt, um hochkommerzielle Performances durchzuführen, dann finde ich das auch nicht richtig. Die Art ist eine hochkommerzielle Messe.

Sie reissen ständig Dinge an. Machen Theater, führten ein Café, auch Politik. Woher dieser Aktivismus?

Mir ist wichtig, Selbstinitiative zu zeigen und nicht immer zur klagen, dass nichts läuft. Aber für das Hammer-Café haben wir ja zwei Mal keine Bewilligung bekommen. Dabei gibt es kein Gesetz, das sagt, man dürfe keinen Spass haben.

Jetzt ist die Rutschbahn ja gescheitert.

Ich finde einfach, man sollte in eine lebenswerte Stadt investieren. Das bedeutet auch, dass man toleranter wird. Beispielsweise bei den Bewilligungen oder beim Lärm. Heute muss eine Beiz ja im Voraus beweisen, dass sie keinen Lärm verursachen wird. Also eigentlich, dass sie keine Gäste hat. Das ist doch traurig.