Coronavirus

Es wird wieder mehr geflogen: Basel verzeichnet Anstieg von Heimkehrern, die in Quarantäne müssen

34 Destinationen fliegt Euro-Airport-Platzhirsch Easy Jet derzeit wieder an – die Zahl kann sich aber rasch ändern.

34 Destinationen fliegt Euro-Airport-Platzhirsch Easy Jet derzeit wieder an – die Zahl kann sich aber rasch ändern.

Der Bundesrat empfiehlt, weiterhin «wenn möglich auf nicht dringliche Auslandreisen zu verzichten». Der Appell stösst bei vielen Adressaten jedoch auf taube Ohren. Gerade über die Weihnachtstage verreisten Tausende – auch per Flugzeug.

Die Baselbieter SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger kritisierte die Weihnachts- und Silvesterfliegerei auf Facebook. In einem Post nahm sie, ob mit Absicht oder nicht, die Menschen mit Wurzeln im Ausland ins Visier. Sie schrieb in ihrem Beitrag, niemand müsse sich wundern, wenn die Ansteckungszahlen nicht sänken, dafür reiche schon ein Blick auf die Flugpläne der Flughäfen Zürich und Basel. Auf dem Foto, das Sollberger hochlud, waren fünf Ankünfte aufgelistet, vier davon aus Pristina. Von dieser mehr oder weniger subtilen Botschaft fühlten sich viele Kommentatoren provoziert: Die Bubendörferin wolle Stimmung gegen die Kosovaren machen, hiess es unter anderem. Dabei habe der Kosovo tiefere Covid-Fallzahlen als die Schweiz – und es würden ja auch Schweizer in die Ferne fliegen.

«Kälteflüchtlinge» mögen Frankreichs Küstenstädte

Eine Anfrage beim Euro-Airport (EAP) zeigt jedoch: Die kosovarische Hauptstadt war in der Tat die beliebteste Destination über die Weihnachtswochen. Vom 17  bis zum 27. Dezember fertigte der EAP 18'321 Passagiere mit dem Ziel Pristina ab – im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum noch 14'795 Passagiere gewesen.

Pristina führt die Rangliste der beliebtesten Destinationen über die Weihnachtstage an, vor Istanbul und Porto (siehe Tabelle). Einige Städte in der Rangliste lassen erahnen, dass es sich bei den Passagieren, die über die Weihnachtstage verreisten, zumindest zu einem wesentlichen Teil um Mitglieder der verschiedenen Diaspora-Gemeinschaften handelt. Istanbul sowie Porto und Lissabon dürften stark vom Verwandtschaftstourismus profitieren, aber auch Casablanca und Skopje.

Wie der EAP schreibt, sind jedoch auch Bordeaux und Nizza traditionell beliebte Ziele im Weihnachtsverkehr – sie werden wohl von vielen Erholungssuchenden gebucht, die schlicht ein paar Tage in etwas milderen Gefilden verbringen wollen.

Während des Lockdown sanken die Passagierzahlen am EAP teilweise um über 99 Prozent. Die Verkehrsstatistik für Dezember liegt noch nicht vor. Ein Hinweis darauf, dass die Reisetätigkeit wieder gestiegen ist, sind die Quarantäne-Anweisungen in Basel-Stadt. Befanden sich am 17. Dezember im Stadtkanton exakt vier Rückkehrer in Quarantäne, ist diese Zahl seither steil angestiegen: Von 78 am 29. Dezember auf 298 gestern Dienstag – das ist der höchste Stand seit zwei Monaten.

Ab Basel sind derzeit zehn Flugziele ausgesetzt

Die «Basler Zeitung» fragte gestern beim Basler Gesundheitsdepartement nach, aus welchen Ländern die Rückkehrer, die in Quarantäne mussten, eingereist waren. Die Antwort: USA, Schweden, Grossbritannien, Italien, Serbien, Slowenien und Kroatien. Laut der Zeitung sagten die Behörden zum deutlichen Anstieg: «Bei einer vermehrten Reisetätigkeit steigt das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus, was die Bekämpfung der Virusausbreitung erschwert.» Dass der Kosovo und die Türkei zwar als Destinationen beliebt sind, bei der Aufzählung aber nicht auftauchen, ist schnell erklärt: Das Bundesamt für Gesundheit hat die zwei Länder von der entsprechenden Liste gestrichen.

Die angespannte Coronasituation sorgt für eine Mässigung des Reisefiebers. Vom Euro-Airport aus werden 95 Ziele bedient, im aktuellen Winterflugplan sind es aber lediglich 59 Destinationen – und von diesen sind derzeit zehn ausgesetzt: Ankara, Brüssel, Burgas, Düsseldorf, Gaziantep, Kayseri, London-Luton, Paris Charles-de-Gaulle, Sevilla und Venedig.

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