Die Baurekurskommission hat gestern Rekurse von Anwohnern gegen die Durchführung des Tattoo 2012 gutgeheissen. Das Gericht für Baufragen führt für den Entscheid nicht etwa inhaltliche, sondern zwei formale Gründe an: Erstens habe die falsche Behörde die Bewilligung erteilt: Beim Tattoo handle es sich um ein Vorhaben, das gemäss Bundesgesetz eine Baubewilligung benötige. Zuständig sei folglich das Bau- und Gastgewerbeinspektorat – nicht die Allmendverwaltung, die fälschlicherweise grünes Licht gegeben habe.

Zweitens sei den Einsprechern während des Verfahrens zu Unrecht die Legitimation entzogen worden, urteilt die Baurekurskommission. Das heisst mit anderen Worten: Das Basel Tattoo 2012 hätte so nicht durchgeführt werden dürfen. Allerdings lässt der Entscheid keine Schlüsse zur Durchführung kommender Festivals zu. Das nächste Tattoo soll vom 19. bis 27. Juli auf dem Basler Kasernenareal stattfinden.

Von einem «Erfolg auf der ganzen Linie» spricht Anita Lachenmeier. Die ehemalige Grünen-Nationalrätin hat als Kleinbasler Anwohnerin Beschwerde gegen das Tattoo eingereicht. «Wir haben immer gesagt, die Allmendverwaltung sei nicht zuständig. Das Gericht gibt uns nun recht», kommentiert sie. Da offenbar die falsche Behörde die Bewilligung ausgestellt habe, müssten die Veranstalter für 2013 und 2014 neue Gesuche stellen.

«Wir sind nicht dagegen, dass das Tattoo stattfindet», stellt Lachenmeier klar. Sie hofft aber, dass mit dem aufwendigeren Baubewilligungsverfahren künftig garantiert werde, dass wichtigen Planungsaspekten – etwa der Sicherheit – eine grössere Aufmerksamkeit beigemessen werde. Lachenmeiers Forderung: Das Tattoo soll nicht grösser und die Wiese auf dem Areal nicht besetzt werden.

Bereits 108'000 Tickets verkauft

«Kopfschütteln» hat der Entscheid dagegen bei Tattoo-Chef Erik Julliard ausgelöst: Seit der ersten Durchführung des Militärmusikfestivals vor sieben Jahren sei die Bewilligung von der Allmendverwaltung ausgestellt worden. Dies gelte im Übrigen auch für andere Veranstaltungen wie die Herbstmesse oder den Zirkus auf der Rosentalanlage. «Die haben alle keine Baubewilligung», stellt er klar. Komisch sei die Kehrtwende, welche die Kommission nun vollziehe.

Was der Entscheid für «sein» Tattoo bedeute, könne er noch nicht abschätzen. Für das Tattoo 2013 sind bereits 108000 Tickets verkauft worden. Julliard gibt sich zuversichtlich: «Es wird sicher eine Lösung geben.» Er könne sich nicht vorstellen, dass eine Veranstaltung, die eine Wertschöpfung von 27 Millionen Franken generiere, leichtfertig aufs Spiel gesetzt werde. «Wir geben nicht so schnell auf.» Julliard will den Fall nun ans Verwaltungsgericht weiterziehen; zur Not rufe man auch das Bundesgericht an. «Es geht um einen Grundsatzentscheid.»