Herr Guzzella*, weshalb investiert die ETH 200 Mio. in einen Biotech-Campus nicht in Zürich, sondern in Basel?

Natürlich gibt es in Zürich in den Bereichen Bereich Pharma, Life Sciences und Medtech ebenfalls Exzellenz. Aber in einer solchen Ausprägung und in Verknüpfung mit der Industrie ist Basel die Nummer eins, ganz sicher in der Schweiz, mit grosser Sicherheit in Europa und sogar weltweit zählt Basel zu den Besten. Die ETH geht dorthin, wo die Besten sind.

Grundsteinlegung ETH Campus Basel

Grundsteinlegung ETH Campus Basel

Die Grundsteinlegung des neuen ETH Campus Basel beim Schällemätteli-Areal am 6. September 2018. Eine Zeitkapsel wird im Fundament verbaut.

Forschungsresultate kann man heute doch bequem via Cloud austauschen. Wozu noch die räumliche Nähe?

Die räumliche Nähe wird trotz modernen Kommunikationsmitteln immer wichtiger. Die Probleme werden immer komplexer, dazu müssen Sie immer mehr Disziplinen zusammenführen. Die Idee, dass dieser Austausch wirkungsvoll übers Internet stattfinden kann, hat sich als falsch erwiesen. Ausführung und Detailarbeit lässt sich zwar schon dezentral organisieren. Aber der erste zündende Gedanke findet statt, wenn Menschen zusammenkommen. Die wichtigste Innovationsbrutstätte überhaupt ist die Kaffeemaschine.

Bestehen bei der ETH Ideen für einen weiteren Ausbau im Raum Basel?

Ideen gibt es und noch mehr Wünsche. Das Departement für Biosysteme ist gewachsen und will weiterwachsen. Konkret ist nichts geplant, mittel- bis langfristig bin ich überzeugt: Das hier ist der Anfang einer grossen Erfolgsgeschichte.

Mit einem weiteren ETH-Forschungszweig in Basel?

Das ist denkbar. Es gibt weitere Felder, in denen die ETH in Basel gerne tätig wäre.

Anfang Jahr wurde bekannt, dass sich der Neubau um mehrere Monate verzögert. Damals war von Mehrkosten von 10 Millionen Franken die Rede. Können Sie diese Zahl bestätigen?

Nein. Die Mehrkosten sind im Moment schwierig zu beziffern. Das werden wir erst bei der Bauabrechnung wissen. Ich gehe von vergleichsweise tiefen Mehrkosten aus. Die Verzögerung beträgt ein knappes halbes Jahr, wir möchten bereits 2020 den Bau fertiggestellt haben. 

*Lino Guzzella (60) ist seit 2015 Präsident der ETH Zürich und ordentlicher Professor für Thermotronik.