Erneuerung

Etliche Députés treten bei den kommenden Wahlen im Elsass nicht mehr an

Wahlplakate im südlichsten elsässischen Wahlkreis bei Basel.

Wahlplakate im südlichsten elsässischen Wahlkreis bei Basel.

Im Südelsass verteidigt nur jeder Zweite seinen Sitz – das liegt auch an der Abschaffung der Doppelmandate.

Neu dürfen die Députés der Pariser Nationalversammlung, vergleichbar einem Schweizer Nationalrat, keine Doppelmandate mehr ausüben. Wer Député und gleichzeitig Maire einer Stadt oder Präsident einer Gebietskörperschaft ist, musste sich entscheiden. Das hat dazu geführt, dass Eric Strauman, bürgerlicher Präsident des Departements Oberelsass, die lokale Funktion abgegeben hat und nur noch für den Posten in Paris kandidiert.

Für das lokale Mandat

Michel Sordi, bürgerlicher Maire von Cernay am Rand der Vogesen, hat sich anders entschieden und behält sein lokales Mandat. Er war seit 2002 Abgeordneter in Paris. Insgesamt haben sich im Südelsass drei von sechs Députés entschieden, nicht mehr zu den nationalen Wahlen anzutreten.

In Michel Sordis stark heteroklitischem 4. südelsässischen Wahlkreis, der von den Vogesentälern über die Weinanbaugebiete und das Kalibecken bis zum Atomkraftwerk Fessenheim reicht, erzielte der rechtspopulistische Front National (FN) beim zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen 49,2 Prozent. Das ist heruntergerechnet auf die fünfzehn elsässischen Wahlkreise für die Parlamentswahlen das besten Ergebnis des FN in der Region.

Hier rechnet sich die Partei denn auch die besten Chancen aus. Fast die Mehrheit erreichte der FN bei den Parlamentswahlen auch in den beiden nordelsässischen Wahlkreisen. Der Soziologe Philippe Breton, der am Strassburger Institut für Journalismus unterrichtet und den FN seit 2004 mit einer Gruppe von Wissenschaftlern intensiv beobachtet, relativiert: «Die Parlamentswahlen sind keine gute Wahl für den FN. Gegenüber den Präsidentschaftswahlen verliert er stets viele Stimmen.» Die populistischen Wähler würden die Députés verabscheuen.

Im erwähnten 4. Wahlkreis werden Macrons «République en marche» (REM) wie auch die Bürgerlichen von «Les Républicains» (LR) von zwei jungen, relativ unbekannten Kandidaten vertreten. Am äussersten rechten Rand versucht ein Kandidat des von Jean-Marie Le Pen lancierten «Comité Jeanne», dem FN Stimmen abzujagen.

Was machen die Zentristen?

Von 15 Parlamentssitzen in Paris wurden im Elsass bisher 13 von Bürgerlichen gehalten. Die Sozialisten haben sich lediglich in zwei Strassburger Wahlkreisen durchsetzen können. Ob sie diese verteidigen können? Generell stellt sich im Elsass die Frage, ob Macron Sitze gewinnen kann und ob eher zentristisch orientierte Bürgerliche nach einem Wahlsieg bereit wären, mit ihm zusammenzuarbeiten. Manche Äusserungen im Wahlkampf gehen in diese Richtung.

Seit fast 30 Jahren Député

Interessant dürfte es im 3. südelsässischen Wahlkreis werden, in dem Katia Di Leonardo für den FN kandidiert (siehe Text links). Jean-Luc Reitzer, Gaullist und bisheriger Maire des Sundgaustädtchens Altkirch, verteidigt hier sein nationales Mandat, das er schon seit knapp 30 Jahren inne hat. Zukünftig dürfen Députés ihr Amt maximal drei Amtszeiten behalten.
Neben dem FN kandidiert am äussersten rechten Rand der regionalistischen «Alsace d’abord» sowie der ehemalige grüne Präsidentschaftskandidat Antoine Waechter.

REM wird durch den langjährigen zentristischen Politiker Patrick Striby vertreten, der sich früh Macron angeschlossen hat. Auch die regionalistische Partei «Unser Land» (siehe Text oben) tritt im Wahlkreis an.

Nicht nur im äussersten Süden des Elsass haben die Wähler die Qual der Wahl. Den Rekord im Südelsass hält der Wahlkreis Colmar mit insgesamt 18 Kandidaten.

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