Ja-Wort

«Etwa gleich wie wenn man einen Pass bestellt»: Eingetragene Partnerschaften als herzloser Formalakt

Die Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft kann auch ohne Zeremonie gehen.

Die Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft kann auch ohne Zeremonie gehen.

Die Eintragung einer Partnerschaft wird deutlich weniger feierlich gehandhabt als die Eheschliessung.

«Das war ein völlig herzloser Formalakt – grau in grau.» Wenn der frühere Grossratspräsident Rudolf Grüninger davon erzählt, wie er mit seinem Partner den Bund fürs Leben geschlossen hat, ist da wenig von Nostalgie zu hören. Was bei heterosexuellen Paaren zum schönsten Tag im Leben hochstilisiert wird, ist für gleichgeschlechtliche Paare kaum romantischer als der Kauf einer Mikrowelle – «in etwa gleich wie wenn man einen Pass bestellt», beschreibt es Grüninger. «Man hatte das Gefühl, am wichigsten war dem Zivilstandsamt die Gebühr am Ende des Ganzen», so Grüninger.

Seit 2007 gibt es in der Schweiz die Möglichkeit der eingetragenen Partnerschaft. Doch die Unterschiede zur herkömmlichen Eheschliessung zwischen Mann und Frau sind auch 13 Jahre nach der Einführung deutlich zu spüren. Das berichten mehrere gleichgeschlechtliche Paare gegenüber der bz.

Nicht einmal einen passenden Stempel gibt es

Das beginnt schon ganz am Anfang. Vor der Eheschliessung bzw. der Eintragung der Partnerschaft müssen die Paare beim Zivilstandsamt ein Vorverfahren absolvieren. Eine Zeremonie zu einem späteren Zeitpunkt ist aber nur im Fall der Eheschliessung Pflicht. Gleichgeschlechtliche Paare können auf Wunsch auch gleich im Anschluss zum Vorverfahren unterschreiben und die Angelegenheit ist erledigt. «Wir wurden explizit gefragt, ob wir wirklich noch eine Zeremonie wollen», erzählt eine Frau.

In diesem Fall händigt der Standesbeamte den beiden dann ein Formular aus mit einem Stempel, bis wann die eingetragene Partnerschaft durchgeführt werden muss. Absurd: Auf dem Stempel des Amtes steht «Trauung bis». Dies wird mit Kugelschreiber durchgestrichen und entsprechend angepasst. Sprich: Nicht einmal ein entsprechender Stempel für die Eintragung der Partnerschaft wurde in den vergangenen 13 Jahren angeschafft.

Auch bei der Zeremonie gibt es grosse Unterschiede zur Eheschliessung. So gibt es bei der eingetragenen Partnerschaft keine Trauzeugen. Auch das obligate «In guten wie in schlechten Zeiten» mit anschliessendem Ja-Wort fehlt. Stattdessen wird nur unterschrieben. «Vorverfahren und Ehevorbereitungen bzw. Eintragung von Partnerschaften und Eheschliessungen werden vom Basler Zivilstandesamt gleich gehandhabt», sagt Toprak Yerguz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement. «Die wenigen Unterschiede sind von Gesetzes wegen vorgeschrieben.»

-minu schloss den Bund mit Ja-Wort und Trauzeugen

Früher war die Zeremonie offenbar deutlich stärker an die Eheschliessung angelehnt. Darauf lassen die Aussagen des Basler Journalisten und Stadtoriginal -minu schliessen. Er war einer der ersten, der im Januar 2007 seine Partnerschaft eintragen liess. «Wir hatten zwei Trauzeugen dabei und mussten auch beide das Ja-Wort abgeben», erzählt er. Dabei sei das Ganze als kurzer, unspektakulärer Akt geplant gewesen. «Es dauerte vielleicht 15 Minuten. Für uns war die Eintragung eine reine Formsache nach fast 40 Jahren.» Der Zivilstandesbeamte habe die Zeremonie zwar nicht sehr feierlich, aber locker und lustig gestaltet. «Und als wir aus dem Saal kamen, warteten schon 200 Leute, das Fernsehen und sogar eine Kutsche stand bereit. Dabei wollten wir es geheim halten», sagt -minu. «Ich musste mich mitten in den Feierlichkeiten entschuldigen, weil ich noch einen Termin beim Zahnarzt hatte.»

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