Flughafen

Euro-Airport-Direktor: «Wir sagen: die Region hat das Potenzial für Langstreckenflüge»

EAP-Direktor Matthias Suhr auf der Aufsichtsplattform des binationalen Flughafens – hier auf der Schweizer Seite.

EAP-Direktor Matthias Suhr auf der Aufsichtsplattform des binationalen Flughafens – hier auf der Schweizer Seite.

Matthias Suhr, Direktor des Euro-Airports, spricht im bz-Interview über den Fluglärm in der Stunde vor Mitternacht, schmuddelige Ankunftsbereiche – und über seinen Traum von einem täglichen Direktflug an die Ostküste der USA.

Matthias Suhr, im vergangenen Jahr haben die Flugbewegungen zwischen 23 und 24 Uhr zugenommen, und damit wohl auch der Lärm. Dabei hatte der Flughafen eine Reduktion der Starts und Landungen in der Stunde vor Mitternacht in Aussicht gestellt. Weshalb dieser Anstieg?

Matthias Suhr: Es ist schon so: Mit mehr Flugbewegungen steigt generell der Lärm. Wir haben uns bemüht, den Lärm zwischen 23 und 24 Uhr zu vermindern. Die ausserordentlich hohe Zahl an Verspätungen im vergangenen Jahr hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben zwar weniger Flüge programmiert in dieser sensiblen Stunde. Der positive Effekt wurde aber mehr als aufgefressen.

Welche Massnahmen sind jetzt vorgesehen?

Als Flughafen kann man wenig tun. Die Ursachen für die Verspätungen liegen in der Überlastung des europäischen Luftraums, dann kamen Streiks von Fluglotsen in Frankreich hinzu. Das ist ein gesamt-europäisches Problem, die anderen Flughäfen sind auch betroffen. Wir haben die Möglichkeit, die Flugpläne zu optimieren, zusammen mit den Airlines. Da bewegen wir uns jedoch im Bereich der Ziselierung, der Feinabstimmung. Die grundsätzliche Verspätungssituation in Europa ist damit nicht zu beheben.

Im Sommer und Herbst klagten viele Passagiere über lange Warteschlangen bei der Ankunft.  

Es gab tatsächlich Probleme mit der Zoll- und Passabfertigung. Wir hatten vor allem die Schwierigkeit, dass die französischen Behörden zu wenig Personal zur Verfügung stellten. Die personellen Kapazitäten wurden jetzt verdoppelt, schon per November. Wir erhoffen uns davon eine Verbesserung, auch für den kommenden Sommer.

Der Ankunftsbereich macht teilweise einen schmuddeligen Eindruck.  

Der Ankunftsbereich im Niveau 2 ist alt, das stimmt. Wir wollen ihn heller und moderner gestalten, ihn neu streichen und auch neue Böden verlegen. Ebenso sehen wir neue Gepäckbänder vor. Der Passagier wird bald erkennen, dass sich hier etwas tut.

Der Flughafen platzt aus allen Nähten.

Wir haben operationelle Schwierigkeiten. Der Flughafen ist nicht für derart viele Passagiere gebaut. Darum wollen wir auch kurzfristige Massnahmen umsetzen. Wie schon erwähnt im Niveau 2 im Ankunftsbereich und bei der Zoll- und Passabfertigung, aber auch in anderen Bereichen.

Der Terminal soll bis 2030 für 250 Millionen Euro erweitert werden.

Wir haben zwei Projekte gestartet: Eines kurzfristig, indem wir innerhalb der bestehenden Mauern so viel wie möglich und so gut wie möglich verbessern wollen. Langfristig geht es darum, die Flächen des Terminals zu vergrössern, um rund 30 Prozent. Damit können wir den Wünschen der Kunden besser entsprechen und die Service-Qualität erhöhen.

In diesem Jahr werden 9 Millionen Passagiere erwartet. Wann genau fliegt der 9-Millionste Fluggast?

Morgen! Spass beiseite. Das kann man so nicht sagen. Die Prognosen erstellen wir anhand von Flugplänen und ersten Hinweisen der Airlines. So kann man ziemlich sicher sagen: Wir werden im Verlauf des Jahres neun Millionen Passagiere begrüssen. Es gibt jedoch viele andere, kaum vorhersehbare Faktoren, nicht zuletzt die wirtschaftliche Entwicklung. Etwa der Brexit, das ist etwas ganz Wichtiges für uns…

… Was würde der «Hard Brexit» für den EAP bedeuten?

Das kann ich nicht sagen – niemand kann das. Wir wissen einfach: London ist unsere wichtigste Destination, ist mit Abstand Nummer eins. Und Easy Jet ist zwar mit Easy Jet Switzerland bei uns vor Ort, trotzdem hat die Gesellschaft einen starken Link zur Mutter in England. Und je nachdem, wie sich die Wirtschaft in England entwickelt, hat das Auswirkungen auf die Destination London, folglich auf das Passagieraufkommen und die Airlines und somit auch auf uns.

Das Projekt «Swiss Skies», dass Langstrecke ab Basel anbieten will, kommt nicht vom Fleck. Sie sagten an der Jahres-Medienkonferenz, der EAP stehe in Kontakt mit «Norwegian». Warum forcieren Sie neue Langstreckenverbindungen?

Wir stehen mit verschiedenen Fluggesellschaften im Austausch betreffend Langstreckenverkehr, schon seit Langem. Bisher kann man ab dem EAP im Sommer wöchentlich nach Montréal fliegen, seit November auch einmal pro Woche nach Dubai. Wir sagen: Die Region hat das Marktpotenzial für tägliche Langstreckenflüge, zum Beispiel an die US-Ostküste, aber auch in Richtung Mittlerer Osten, etwa nach Abu Dhabi oder Doha. Dazu braucht es eine Fluggesellschaft, die das entsprechende Fluggerät besitzt. Bisher hat sich nichts ergeben. Aber ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die erste Langstreckenverbindung nach Nordamerika anbieten können.

Das gab es schon mal: In den 1990ern flog die Swissair sechsmal wöchentlich von Basel nach New York/Newark!

Ja, diesen Flug gab es. Aber es ist nicht anzunehmen, dass die Swiss in diesem Jahr eine Langstreckenverbindung ab Basel aufnehmen wird.

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